Abraham a Sancta Clara (1644–1709)

18 Sprüche Aufklärung

Freunde gibt's genug, aber sie sind wie die Sonnenuhr, die solange ihren Dienst versieht, wie die goldene Sonne zu scheinen pflegt. Sobald aber die Sonne untergeht, ist auch bei ihr alles aus.

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Freund und Anker erkennt man, wenn sie Hilf' in Not getan.

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Freunde gibt's genug, doch sind sie wie der Aal, der meistens entschlüpft und Reißaus nimmt, wenn man glaubt, ihn ganz fest und sicher zu haben.

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Arbeiten bringt Brod Faulenzen bringt Noth.

Abraham a Sancta Clara, Wunderwürdiges Gantz neu ausgehecktes Narren-Nest, 1707. Ein fauler Narr

Wenn eine Kleinigkeit seine Galle rege macht; wenn etwa die Köchin eine Speise verdarb, die Kinder im Hause umher lärmen, oder die Gattin durch Widerspruch ihn erbittert, so bricht der Sturm los, die Wellen türmen sich und der Unrat, das ist Schimpfworte, und Flüche aller Art werden ausgeworfen.

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Die Kutte ist ein Schelmenfutteral.

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Es sei gleich morgen oder heut, Sterben müssen alle Leut.

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Ein bloß schönes Weib gleicht den Apothekerpillen, welche von außen schön vergoldet sind. Ein schönes Weib ohne Tugend ist wie ein goldner Becher, in welchem saurer Landshuterwein ist; wie eine gefirnißte Tabaksbüchse.

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Gebirgige Gegenden geben den Donner in vielfachem Widerhall zurück. Hierin gleicht ihnen ein böses Weib, obwohl sie kein Berg, sondern ein Tal, nämlich ein Jammertal ist. Jedes rauhe Wort des Mannes gibt sie mit zehn und mehr Schimpfworten zurück.

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Ein böses Weib ist ein knarrender Wetterhahn, eine betäubende Klapperbüchse, ein gewichster Mantel, durch welchen das Wasser der Ermahnung nicht dringen kann, ein Blasbalg des Zorns, ein Ziehpflaster für den Geldbeutel, die Grabstätte des Frohsinns, der Inbegriff aller Bosheit, welche man mit Worten nicht genug beschreiben kann.

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Ein böses Weib ist für Ehemann eine große Plage. Es ist wahrlich besser, unter Tigern und Löwen, unter Bären und Wölfen zu leben als mit einem bösen Weibe.

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Ihr Unzufriedenen in der Ehe habt euch eure Leiden selbst zugezogen, weil ihr so unbesonnen, so eilig, so vernunftlos in euerer Wahl waret.

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Der Ehestand gleicht häufig dem Fische. Da sieht man viel Fröhlichkeit, und muntere Sprünge, im Hintergrunde aber findet sich Galle, ungeheuer viel Galle.

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Will er sauer, so will ich süß, Will er Mehl, so will ich Grieß, Schreit er Hu, so schrei ich Ha, Ist er dort, so bin ich da, Will er essen, so will ich fasten, Will er gehn, so will ich rasten, Will er recht, so will ich link, Sagt er Spatz, so sag ich Fink, Ißt er Suppen, so eß ich Brocken, Will er Strümpf, so will ich Socken, Sagt er ja, so sag ich nein, Sauft er Bier, so trink ich Wein, Will er dies, so will ich das, Singt er den Alt, so sing ich den Baß, Steht er auf, so sitz ich nieder, Schlägt er mich, so kratz ich wieder, Will er hü!, so will ich hott! Das ist ein Leben, erbarm es Gott!

Abraham a Sancta Clara, Reim dich oder ich lis’ dich, 1684. Merkt's Eheleut'!

Die wildesten Tiere. Nicht also kürren und schorren die Ratzen, Nicht also schreien und gmauzen die Katzen, Nicht also pfeifen und zischen die Schlangen, Nicht also rauschen und prasseln die Flammen, Nicht also schleppern und kleppern die Rätschen, Nicht also plurrn und schnurrn die Prätschen, Nicht also wüten und heulen die Hund', Nicht also brüllet der Löwen ihr Schlund, Nicht also hauset und brauset das Meer, Nicht also stürmet ein krieg'risches Heer, Nicht also reißet und tobet der wind, Nicht also jammert ein schreiendes Kind: Wie zwei wankende, zankende, reißende, beißende, weinende, greinende, mockende, bockende, trutzige, schmutzige Eheleut'.

Abraham a Sancta Clara, Abrahamische Lauberhütt, 3 Bde., 1721-23 (posthum). Originaltext

Die Wahrheit ist ein Brot, das starke Zähne fordert, eine Braut, die ein jeder schaut, ein Wasser mit dem sich niemand gern wäscht, eine Lanze die schwer verwundet, und Speise, die schwer zu verdauen.

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Er liebt das trübe Wasser wie ein Aal.

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Was hilft es dich, wenn deine Voreltern herrlich und ehrlich seind gewest, du aber nit? Wann du von den Eltern das Leben hast und nit das löbliche, so bist du nit adelich.

Abraham a Sancta Clara, Judas, der Ertz-Schelm, für ehrliche Leuth, 1686-95