Achim von Arnim (1781–1831)

15 Sprüche Klassik

Bildchen Auf dieser Welt hab ich keine Freud, Ich hab einen Schatz und der ist weit, Er ist so weit, er ist nicht hier, Ach wenn ich bei mein Schätzgen wär! Ich kann nicht sitzen und kann nicht stehn, Ich muß zu meinem Schätzgen gehn; Zu meinem Schatz, da muß ich gehn, Und sollt ich vor dem Fenster stehn. Wer ist denn draußen, wer klopfet an? Der mich so leis aufwecken kann; Es ist der Herzallerliebster dein, Steh auf, steh auf und laß mich rein! Ich steh nicht auf, laß dich nicht rein, Bis meine Eltern zu Bette seyn; Wenn meine Eltern zu Bette seyn, So steh ich auf und laß dich rein. Was soll ich hier nun länger stehn, Ich seh die Morgenröth aufgehn; Die Morgenröth, zwey helle Stern, Bey meinem Schatz, da wär ich gern. Da stand sie auf und ließ ihn ein, Sie heißt ihn auch willkommen seyn; Sie reicht ihm die schneeweiße Hand, Da fängt sie auch zu weinen an. Wein nicht, wein nicht mein Engelein! Aufs Jahr sollst du mein eigen seyn; Mein eigen sollst du werden gewiß, Sonst keine es auf Erden ist. Ich zieh in Krieg auf grüne Haid, Grüne Haid die liegt von hier so weit, Allwo die schönen Trompeten blasen; Da ist mein Haus von grünem Rasen. Ein Bildchen laß ich mahlen mir, Auf meinem Herzen trag ichs hier; Darauf sollst du gemahlet seyn, Daß ich niemals vergesse dein.

Internet

Mir ist zu licht zum Schlafen ... Mir ist zu licht zum Schlafen, Der Tag bricht in die Nacht, Die Seele ruht im Hafen, Ich bin so froh erwacht. Ich hauchte meine Seele Im ersten Kusse aus, Was ist's, daß ich mich quäle Ob sie auch fand ein Haus. Sie hat es wohl gefunden Auf ihren Lippen schön, O welche sel'ge Stunden, Wie ist mir so geschehn! Was soll ich nun noch sehen? Ach, alles ist in ihr. Was fühlen, was erflehen? Es ward ja alles mir. Ich habe was zu sinnen, Ich hab', was mich beglückt: In allen meinen Sinnen Bin ich von ihr entzückt.

Internet

Was hilft mir alles Denken, Was hilft mir alles Sprechen, Was hilft mir alles Tun! Mein Liebchen will mich kränken Und will das Herz mir brechen, Ich darf nicht bei ihr ruhn.

Internet

Adam und Eva haben's Lieben erdacht, Ich und mein Schätzle haben's auch so gemacht.

Brentano/Arnim, Des Knaben Wunderhorn. Alte deutsche Lieder, 3 Bde., 1805-1808. Tanzreime

Hier sitz ich Und denke dein Ganz allein, Gern möcht ich Gestöret sein! Gott sieht mir an den Augen ab, Was mir fehlt Was mich quält Und mildert es mit seiner Gab Auszuhauchen, auszusprechen Heißt dem Pfeil die Spitze brechen. Ach ich kann mich nicht ergeben Und vergeben kann ich nichts, Ach ich sah den Mond wohl schweben In dem lieben Auge Licht. Als ich dir in's Aug gesehen, Sah ich meine liebe, ferne Feindin stehen, Die mich nicht leiden kann, Die ich nicht lassen kann.

Internet

Abendstille Abendstille öffnet Türen, Lieb' der Liebe zuzuführen. Immer immer Lockt der Schimmer Mich, den Armen, zu dem warmen Hauch ewig ferner Lust, zu dem Lied aus Liebchens Brust. Abendstille öffnet Türen, Lieb' der Liebe zuzuführen. Sterne ziehen, Lieder fliehen, und ich weine ach alleine, wenn der kalte Tränentau duftet von erhellter Au.

Internet

Ich liebte sie, Verschlossen war sie, stille; Und ihrer Schönheit Fülle Versiegte nie. Der Blume gleich, Glaubt ich die Welt verstecket, Wo nie ein Ton erwecket, Ihr Herz wie reich. Du liebe Zeit, Da fängt sie an zu sprechen, Will mir das Herze brechen, Ach, wie sie schreit; Ich fühl mich arm, Nun sie sich reicher fühlet, Wie ist mein Herz erkühlet, Was einst so warm.

Internet

Liebeserklärung Mit jedem Druck der Feder Drück ich Dich an mein Herz, Bald tragen mich flüchtige Räder Wieder zu Lust und Scherz. Ich öffne leise die Türe, Und weil es so dunkel ist, Dir Leib und Schenkel berühre Ob Du dieselbe bist.

Internet

In Frankfurt am Main Zuweilen that mir das Herz so weh, Als ob es wär gesprungen, Und wenn ich dann recht in mich geh', So hat mir das Ohr geklungen. Was klingt das Ohr, was schlägt das Herz, So laut an die großen Glocken? Es treibt der Himmel im Herzen Scherz, Da ist der Verstand erschrocken, Und schiebt es wohl auf die Witterung Und auf die vergangnen Zeiten, Wer liebt, der ist noch im Himmel jung Und schauet die Erden von Weitem.

Arnim, A., Gedichte. Abweichende Fassung des Gedichts »Zuweilen tut mir das Herz so weh« aus einem Brief an Bettine vom 16.10.1820. Originaltext

Wer liebt, der ist noch im Himmel jung Und schauet die Erden von Weitem.

Arnim, A., Gedichte. Aus: Zuweilen tut mir das Herz so weh, aus einem Brief an Bettine vom 16.10.1820

O der Erfahrung die uns treulich warnt und niemals retten kann.

Arnim, Halle und Jerusalem. Studentenspiel und Pilgerabenteuer, 1811. Jerusalem. Ein Pilgerabenteuer. Die Aussicht nach Jerusalem. Cardenio

Einen Menschen zum Menschen erziehen zu wollen, ist eitel menschlicher Kram, zum Menschen ist er von Gott geschaffen, daß aber die Seinen ihm den ganzen geschichtlichen Reichtum, den sie überkommen und gesammelt haben, als gute Hausväter (...) treulich überliefern, das ist Erziehung.

Internet

Nicht wie die Ritter, welche mit goldenen Sporen einherstolzieren, die von den Kaisern mit Gunst und Torheit zu Rittern geschlagen sind. Die echten Ritter sind vom harten Geschick geschlagen und geprägt, ihr Sporn ist die Treue und ihr Schwert ist der Glauben an das ewige Bestehen der Geschlechter und, daß dieselbe Herrlichkeit aus dem Stamme immerdar wiedergeboren werde.

Internet

Ehe Eine glückliche Ehe vergleich ich dem Pendel der Uhren, Der aus verschiednem Metall schon im Verhältniß gefügt, Wenn es im Innern auch spannt im ewigen Wechsel der Wärme, Nimmer von außen es zeigt, nimmer verwirret die Uhr; Blinkend erscheint er im Anfang und rostig gedunkelt im Alter, Doch sein Innres vereint gleiche Vertraulichkeit stets.

Arnim, Armut, Reichtum, Schuld und Buße der Gräfin Dolores, 1810. Originaltext

Alle Anregung ist ein Aufwühlen des inneren Herzgrunds, und das Unkraut muß untergepflügt werden, daß es die Wahrheit düngen muß.

Arnim, Die Günderode, 1840