Adelbert von Chamisso (1781–1838)

23 Sprüche Klassik

Es ist Erkennen mir das einz'ge Glück.

Chamisso, Gedichte. Aus: Faust. Eine Tragödie in einem Akt. Ein Versuch, 1803

Das Glück ist nur die Liebe, die Liebe ist das Glück.

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Seit ich ihn gesehen Seit ich ihn gesehen, glaub ich, blind zu sein; wo ich hin nur blicke, seh ich ihn allein. Wie im wachen Traume schwebt sein Bild mir vor, taucht aus tiefstem Dunkel heller nur empor. Sonst ist licht- und farblos alles um mich her, nach der Schwestern Spiele nicht begehr ich mehr. Möchte lieber weinen still im Kämmerlein; seit ich ihn gesehen, glaub ich blind zu sein.

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Das Glück ist Liebe, die Lieb' ist Glück, Ich hab' es gesagt und nehm's nicht zurück.

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Was soll ich sagen? Mein Aug' ist trüb, Mein Mund ist stumm, Du heißest mich reden, Es sei darum! Dein Aug' ist klar, Dein Mund ist rot, Und was du nur wünschest, Das ist ein Gebot. Mein Haar ist grau, Mein Herz ist wund, Du bist so jung Und bist so gesund. Du heißest mich reden, Und machst mir's so schwer. Ich seh' dich so an Und zittre so sehr.

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Nun hast du mir den ersten Schmerz getan, Der aber traf. Du schläfst, du harter, unbarmherz'ger Mann, Den Todesschlaf. Es blicket die Verlaßne vor sich hin, Die Welt ist leer. Geliebet hab' ich und gelebt, ich bin Nicht lebend mehr. Ich zieh mich in mein Innres still zurück, Der Schleier fällt, Da hab' ich dich und mein vergangnes Glück, Du meine Welt!

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Zur Unzeit Ich wollte, wie gerne, dich herzen, Dich wiegen in meinem Arm, Dich drücken an meinem Herzen, Dich hegen so traut und so warm. Man verscheucht mit Rauch die Fliegen, Mit Verdrießlichkeit wohl den Mann; Und wollt ich an dich mich schmiegen, Ich täte nicht weise daran. Wohl zieht vom strengen Norden Ein trübes Gewölk herauf, Ich bin ganz stille geworden, Ich schlage die Augen nicht auf.

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Die Lieb' umfaßt des Weibes volles Leben, Sie ist ihr Kerker und ihr Himmelreich; Die sich in Demut liebend hingegeben, Sie dient und herrscht zugleich.

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Muß das Herz dir brechen, Bleibe fest dein Mut, Sei der Schmerz der Liebe Dann dein höchstes Gut.

Chamisso, Gedichte. Aus: Frauen-Liebe und Leben, 1830

Liebe ist kein Solo. Liebe ist ein Duett. Schwindet sie beim einen, verstummt das Lied.

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Treue Liebe Es schallten muntre Lieder Hell durch den Fichtenwald, Es kam ein muntrer Reiter Zum Försterhause bald. Frau Muhme, guten Morgen, Wo bleibt die Liebste mein? – Sie lieget, krank zum Sterben, Im obern Kämmerlein. Er stieg in bittern Tränen Die Treppe wohl hinauf, Er hemmte, vor der Türe Der Liebsten, ihren Lauf. Herein, herein, Geliebter, Zu schmerzlichem Besuch! Die heim du holen wolltest, Deckt bald das Leichentuch. Sie schläft in engem Sarge, Drauf liegt der Myrtenkranz; Du wirst nicht heim sie führen, Nicht bei Gesang und Tanz. Sie werden fort mich tragen, Und tief mich scharren ein, Du wirst mir Tränen weinen, Und eine andre frein. – Die du mich nie betrübet, Du meine Zier und Lust, Wie hast du jetzt geschnitten Mir scharf in meine Brust! Drauf sahen zu einander Die beiden ernst und mild, Verschlungen ihre Hände, Ein schönes, bleiches Bild. Da schied sie sanft hinüber, Er aber zog zur Stund Das Ringlein sich vom Finger Und steckt's in ihren Mund. Ob er geweinet habe, Als solches ist geschehn? – Ich selber floß in Tränen, Ich hab es nicht gesehn. Es gräbt der Totengräber Ein Grab, und noch ein Grab: Er kommt an ihre Seite, Der ihr das Ringlein gab.

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Morgentau Wir wollten mit Kosen und Lieben Genießen der köstlichen Nacht. Wo sind doch die Stunden geblieben? Es ist ja der Hahn schon erwacht. Die Sonne, die bringt viel Leiden, Es weinet die scheidende Nacht; Ich also muß weinen und scheiden, Es ist ja die Welt schon erwacht. Ich wollt, es gäb keine Sonne, Als eben dein Auge so klar, Wir weilten in Tag und in Wonne, Und schliefe die Welt immerdar.

Chamisso, Gedichte. Lieder und lyrisch epische Gedichte, 1837

Unablässig, unaufhaltsam, allgewaltig naht die Zeit.

Chamisso, Gedichte. Aus: Der alte Sänger, 1833

Im Schmerze wird die neue Zeit geboren.

Chamisso, Gedichte. Gelegenheitsgedichte. Aus: Auf den Tod von Otto von Pirch, 1833

Die Zeit bringt Rat, sie wird die Sache richten.

Chamisso, Gedichte. Sonette und Terzinen. Aus: Der Szekler Landtag, 1831

Ich habe der Zeit ihr Geheimnis geraubt, Von Gestern zu Gestern zurück sie geschraubt, Und schraube zurück sie von Tag zu Tag, Wie einst ich zu Adam gelangen mag.

Chamisso, Gedichte. Aus: Das Dampfross, 1831

Tragische Geschichte 's war einer, dem's zu Herzen ging, Daß ihm der Zopf so hinten hing, Er wollt es anders haben. So denkt er denn: wie fang ich's an? Ich dreh mich um, so ist's getan – Der Zopf, der hängt ihm hinten. Da hat er flink sich umgedreht, Und wie es stund, es annoch steht – Der Zopf, der hängt ihm hinten. Da dreht er schnell sich anders 'rum, 's wird aber noch nicht besser drum – Der Zopf, der hängt ihm hinten. Er dreht sich links, er dreht sich rechts, Es tut nichts Guts, es tut nichts Schlechts – Der Zopf, der hängt ihm hinten. Er dreht sich wie ein Kreisel fort, Es hilft zu nichts, in einem Wort – Der Zopf, der hängt ihm hinten. Und seht, er dreht sich immer noch, Und denkt: es hilft am Ende doch – Der Zopf, der hängt ihm hinten.

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Blauer Himmel. Heiter blick' ich, ohne Reue In des Himmels reine Bläue, Zu der Sterne lichtem Gold. Ist der Himmel, ist die Freundschaft, Ist die Liebe mir doch hold. Laure, mein Schicksal, laure! Keine Stürme, keine Schmerzen, Heit're Ruh' im vollen Herzen, Kann es aber anders sein? Blauer Himmel, treue Freundschaft, Reiche Liebe sind ja mein. Laure, mein Schicksal, laure! Hat das Schicksal arge Tücke, Sieh', ich fürchte nichts vom Glücke, Heiter bin ich, wie die Luft. Mein der Himmel, mein die Freundschaft, Mein die Liebe bis zur Gruft. Laure, mein Schicksal, laure!

Chamisso, Gedichte

Du Ring an meinem Finger Mein goldnes Ringelein, Ich drück dich fromm an die Lippen, Dich fromm an das Herz mein. Ich hatt' ihn ausgeträumet Der Kindheit friedlichen Traum ; Ich fand allein mich, verloren Im öden unendlichen Raum. Du Ring an meinem Finger, Da hast du mich erst belehrt, Hast meinen Blick erschlossen Des Lebens unendlichen Werth. Ich werd' ihm dienen, ihm leben, Ihm angehören ganz, Hin selber mich geben und finden verklärt mich in seinem Glanz. Du Ring an meinem Finger, Mein goldnes Ringelein, Ich drück dich fromm an die Lippen, Dich fromm an das Herz mein.

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Es ist nur so der Lauf der Welt Mir ward als Kind im Mutterhaus, Zu aller Zeit, Tag ein, Tag aus, Die Ruthe wohl gegeben. Und als ich an zu wachsen fing Und endlich in die Schule ging, Erging es mir noch schlimmer. Das Lesen war ein Hauptverdruß, Ach! wer's nicht kann und dennoch muß, Der lebt ein hartes Leben. So ward ich unter Schmerzen groß Und hoffte nun ein bess'res Loos, Da ging es mir noch schlimmer. Wie hat die Sorge mich gepackt! Wie hab' ich mich um Geld geplackt! Was hat's für Noth gegeben! Und als zu Geld ich kommen war, Da führt' ein Weib mich zum Altar, Da ging es mir noch schlimmer. Ich hab's versucht, und hab's verflucht, Pantoffeldienst und Kinderzucht Und das Gekreisch der Holden. O meiner Kindheit stilles Glück, Wie wünsch' ich dich jetzt fromm zurück! Die Ruthe war ja golden!

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Aus der Beeringsstraße Die Lieder, die mir unter Schmerz und Lust Aus jugendlichem Busen sich befreit, Nachklangen wohl, ich bin es mir bewußt, In Derer Herzen, denen sie geweiht; Sei still, mein Herz, und trage den Verlust, Sie klangen, sie verhallten in der Zeit; Mein Lieben und mein Leben sind verhallt Mit meinen Liedern, um mich ist es kalt. Das Leben hat, der Tod hat mich beraubt, Es fallen Freunde, sterben von mir ab, Es senkt sich tief und tiefer schon mein Haupt, Ich setze träumend weiter meinen Stab, Und wanke, müder, als wohl mancher glaubt, Entgegen meinem Ziele, meinem Grab. Es gibt des Kornes wenig, viel der Spreu: Ich pflückte Blumen, sammelte nur Heu. Das tat ich sonst, das tu ich annoch heute, Ich pflücke Blumen und ich sammle Heu; Botanisieren nennen das die Leute, Und anders es zu nennen trag ich Scheu; So schweift das Menschenkind nach trockner Beute Das Leben und die Welt hindurch, die Reu Ereilet ihn, und, wie er rückwärts schaut, Der Abend sinkt, das Haar ist schon ergraut. So, Bruder, schaudert's mich auf irrer Bahn, Wann düstre Nebel ruhn auf trübem Meer; Beeiste Felsen ruf ich liebend an, Die kalten Massen widerhallen leer; Ich bin in Sprach und Leben ja der Mann, Der jede Sylbe wäget falsch und schwer; Ich kehre heim, so wie ich ausgegangen, Ein Kind, vom greisen Alter schon umfangen. Wann erst der Palme luft'ge Krone wieder In tiefer Bläue schlankgetragen ruht, Aus heitrer Höh die mächt'ge Sonne nieder Zur wonn'gen Erde schaut in reiner Glut, Dann schmiegen sich durchwärmt die starren Glieder Und minder schwer zum Herzen fließt das Blut, Dann möchten auch die düstern Träume weichen Und ich die Hand dir sonder Klage reichen.

Chamisso, Gedichte. Im Sommer 1816