Adolf Friedrich von Schack (1815–1894)

7 Sprüche Romantik

Durch Liebe steigt aus den Ruinen Das Leben, das in Trümmern lag, Und leuchtet morgenglanzbeschienen Entgegen einem neuen Tag.

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Du willst, daß ich in Worte füge Du willst, daß ich in Worte füge, Was flüchtig ist wie Windeswehn, Und meiner Seele Atemzüge, Die leisen, kannst du nicht verstehn? Doch glaub! die Wonne wie die Klage, Die nur in Geistertönen lallt, Bleibt eine unverstandne Sage, Wenn ihr das Herz nicht wiederhallt. Ihr Sinn ist hin, ihr Laut verklungen, Sobald die Lippe sie erst nennt: Nicht eignet sich für Menschenzungen, Was nur der Himmel weiß und kennt.

Schack, A. F., Gedichte. Erstdruck der ersten Gedichtsammlung 1866; Erstdruck der zweiten Gedichtsammlung (Weihgesänge) 1878

Das Geheimnis Du fragst mich, Mädchen, was flüsternd der West Vertraue den Blütenglocken? Warum von Zweige zu Zweig im Geäst Die zwitschernden Vögel locken? Warum an Knospe die Knospe sich schmiegt, Und Wellen mit Wellen zerfließen, Und dem Mondstrahl, der auf den Kelchen sich wiegt, Die Violen der Nacht sich erschließen? O törichtes Fragen! Wem Wissen frommt, Nicht kann ihm die Antwort fehlen; Drum warte, mein Kind, bis die Liebe kommt, Die wird dir alles erzählen.

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Das erste Liebeswort Das war der süßeste der Laute! Sie sprach's, das erste Liebeswort; Im Herzen nun trag ich das traute Tiefselige Geheimnis fort. Allein, wo berg' ich meine Wonne, Daß ich sie wohl behüten mag? Dein Licht verhülle, läst'ge Sonne! Verstumme, lärmbewegter Tag! Weltfern sei meines Glückes Fülle Begraben, wo sie nichts verrät Und nur durch Nacht und heil'ge Stille Des süßen Wortes Nachhall weht.

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Dich ahnte meine Seele… Dich ahnte meine Seele lange, Bevor mein Auge dich gesehn, Und selig-süße Schauer bange Fühlt' ich durch all mein Wesen gehn. …Ich sog von unbekannten Blüten Den Duft, der mir entgegenquoll, Und nie erblickte Sterne glühten Zu Häupten mir geheimnisvoll. Doch immer sah ich deinen Schatten Nur trübe wie durch Nebelflor Dein Antlitz schien daraus in matten, Gebrochnen Zügen nur hervor. Und als der Schleier nun gesunken, Der dich vor mir verhüllt – vergib, Wenn lang ich sprachlos und wie trunken, Betäubt von all dem Glücke blieb!

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Wie wenn im frost'gen Windhauch tödlich des Sommers letzte Blüte krankt, und hie und da nur, gelb und rötlich, ein einzeln Blatt im Windhauch schwankt, so schaudert über meinem Leben ein nächtig trüber kalter Tag, warum noch vor dem Tode beben, o Herz, o Herz, mit deinem ew'gen Schlag! Sieh rings entblättert das Gestäude! Was spielst du, wie der Wind am Strauch, noch mit der letzten welken Freude? Gib dich zur Ruh, bald stirbt sie auch.

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Nicht eignet sich für Menschenzungen, Was nur der Himmel weiß und kennt.

Schack, A. F., Gedichte. Erstdruck der ersten Gedichtsammlung 1866; Erstdruck der zweiten Gedichtsammlung (Weihgesänge) 1878. Aus: Du willst, daß ich in Worte füge