Adolf von Wilbrandt (1837–1911)

3 Sprüche Romantik

Arbeit und Genuß sind Zwillingsbrüder, eins im andern lebend.

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Lied des Alten Bald vergilbt das grüne Gras, Rothe Rosen werden blaß, Und dein Flöten und Schalmei'n, Hirte du, Hirte, wird vergessen sein. Ueber Nacht die Blüthe fällt, Uebers Jahr dein braunes Zelt; Nachtigallenlied verhallt, Und dein Haar, Und dein Haar erbleicht wie bald! Deine Früchte höhlt der Wurm, Deine Linde bricht der Sturm, Deine Liebe freit der Tod: Doch er läßt, Doch er läßt dir deine Noth!

Wilbrandt, A., Gedichte, 1874. Originaltext

Wahrheit Du suchst das Glück? Die Wahrheit – spricht der Meister – Die Wahrheit ist des Menschen höchstes Glück! – Der Jüngling hört es, und die Welt umkreist er, Wirft seinen Forscherblick In alle Bücher hochgeborner Geister, – Und kehrt erschöpft, enttäuscht, ein früh Ergreister, In seines Lehrers stilles Haus zurück. Und sieht ihn bitter an und spricht: Was führst du mich den Weg so hoffnungslosen Strebens, Die Wahrheit zu finden, hoffen wir vergebens: Auf dieser Erde, weiß ich, weilt sie nicht! – Der Meister lächelnd: Trauriges Geschick! Doch sprich, wer bin ich, daß dumirdrum grolltest? Hieß ich dich wollen, was du wolltest? Die Wahrheitsuchen, ist des Menschen Glück; Wer lehrte dich, daß du siefindensolltest?

Wilbrandt, A., Gedichte, 1874