Ägyptisches Totenbuch
Manche Dinge bleiben immer wahr. Leben und Tod. Erde und Himmel. Die Geschenke der Göttin: Intuition und Liebe.
Ein Mensch, der sein Ende kennt, spürt das Leid von morgen, aber die Freude von heute. Er schaut zum Himmel und lebt ohne Reue. Er trauert, denn deshalb ist er ein Mensch. Er wird das Herz und die Zunge Gottes. Aus der Sterblichkeit schafft er etwas Unsterbliches.
Ich kenne jenen Berg Bachu, auf den sich der Himmel stützt: Er ist aus Tjhstein, 300 Ruten beträgt seine Länge. 120 Ruten sind seine Breite. Suchos, der Herr von Bachu, ist im Osten dieses Berges, sein Tempel ist aus Karneol. Eine Schlange ist auf dem Scheitel jenes Berges, 100 Ellen in ihrer Länge, davon sind vorn drei Ellen aus Feuerstein. Ich kenne den Namen dieser Schlange: "der auf seinem Berge, der in seinem Feuer" ist ihr Name. Aber zur Zeit des Abends wendet sie ihr Auge gegen Re, da gibt's ein Stillstehen unter der Schiffahrtsmannschaft und großes Staunen auf der Fahrt. Da beugt sich Seth ihr entgegen. Der Spruch, den er als Zauber sagt: "Ich trete dir entgegen, damit die Fahrt in Ordnung kommt. Du, den ich von fern gesehen habe, schließe dein Auge! Ich habe dich gefesselt, ich bin der Männliche, verhülle dein Haupt, damit du wohlbehalten bist und ich wohlbehalten bin. Ich bin der Zauberreiche". Dann geht das Auge des Re (das Sonnenschiff) ein zum Leben.
Ich bin das Gestern, das Heute und das Morgen, und ich habe die Macht, auch ein zweites mal geboren zu werden. Ich bin die göttliche, verborgene Seele, die die Götter schuf und die Bewohner der Tiefe, des Ortes der Toten und des Himmels versorgt .... Huldige dem Herrn des Schreines, der im Zentrum der Erde steht. Er bin ich, und ich bin er!