Hast du ein schweres Ungemach zu tragen, Wie traurig, wenn es Andere mit geschlagen! Und wenn ein großes Glück dein Herz bewegt, Wie traurig, wenn es keiner mit dir trägt!
Einmal wird jeder Mensch glücklich. Freilich, vielesterbendarüber weg – und vielelebendarüber weg.
Vielleicht hat das Glück es gut gemeint, Wenn es versagt, was wir erbitten – Und vielleicht wollt' es als unserFeindMit seinen Gaben uns überschütten; Es ward in Palästen schon viel geweint Und viel schon gelacht in ärmlichen Hütten.
Das Glück Es zog des Wegs eine lärmende Schaar, Die das Glück zu suchen gegangen war. – Ein Weib stand am Wege, verschleiert und stumm; Sie stürmten weiter und sah'n sich nicht um! – Das Weib schlug lächelnd den Schleier zurück; Sie waren vorbei schon. Es war das Glück.
Ist das Glück dir auch gewogen, Ob dir’s nützt, musst du erst zeigen; Hast du Fiedel auch und Bogen, Deshalb kannst du noch nicht geigen.
Viele hörte ich sagen: »Dann wäre ich glücklich!« Aber: »Jetzt bin ich glücklich« vernahm ich noch nie.
Das Glück zu haben ist Himmelsgunst; – Es recht zu genießen ist Menschenkunst.
Wer immer nur am eig'nen Glück sich freute, Viel ist's nicht, was der Einzelne gewann; Es wird erst mehr, hat er auch andere Leute, An deren Freude er sich freuen kann.
Ein Glück, das dir nicht zugewandt, Willst du gewaltsam nun erjagen? Das heißt, du willst mit deiner Hand Aus einem Kiesel Funken schlagen.
Der Jugend erste Liebesschwüre, Beseelt vom heißesten Verlangen, Sind weiter nichts als Perlenschnüre, Der Liebsten um den Hals gehangen. Das Band zerreißt, die Perlen rollen, Wer reiht sie wieder auf die Schnur? Gleichgültigkeit und leises Grollen, – Vorbei die Lieb', verweht der Schwur.
Auf einen Humoristen Ich will mein Streben als belohnt betrachten, Erkannt was ich gemeint, Wenn von den Vielen, die mich einst belachten, Mich Einer nur beweint.
Ins Album Ich wünsche dir viele Freunde, die alle Zeit Dir gerne zu helfen sind bereit. Und dann wünsche ich dir – zu viel scheint es fast – Dass du nie ihre Hilfe nötig hast.
Sprach einer, der in langen Jahren An Weisheit viel gesammelt ein: Ich ließ' die ganze Weisheit fahren, Könnt' ich noch einmal töricht sein.
Der Humor Es zog durch die Straßen der lust'ge Humor. Ihm folgte laut lachend ein Menschenchor. Sie freuten der Späße sich, die er trieb, Und wie er auf die Narren hieb. Nun trat in sein Haus er, in sein Gemach, Und ein paar Menschen schlichen ihm nach. Ist er draußen so fröhlich – fiel ihnen ein –, Wie lustig muß er erst zu Hause sein! Doch es machte starr sie, was sie geschaut: Der Humor saß im Winkel und weinte laut.
Das ist des Witzes leichte Beute: Er macht sich lustig über Leute, Doch der Humor ist d'rauf bedacht, Daß er die Leute lustig macht.
Klag' nicht, wenn dir für Viele zu sorgen gegeben, – Am schlimmsten kommt manalleindurch's Leben.
Die, denen das wichtigste Streben bleibt, Wie man sich am schnellsten die Zeit vertreibt, Sie bedenken doch wohl in keinem Falle, Wie schnell die Zeit vertreibt uns Alle.
Wie du sie selber benutzest, die Zeit, Ist sie, dir zu dienen oder zu schaden, bereit.
Es ist die Zeit – hab' ich gefunden – Ein großer Charlatan. Warum? Man sagt, die Zeit heilt alle Wunden, Jedoch sie bringt uns Alle um.
Es blüht auf öder Haide Ein winzig Blümelein; Es blickt aus tiefstem Leide Ein stiller Hoffnungsschein. – Es dörrt ein Blatt die Sonne Am blühendsten Rosenstrauch; Es zieht durch die höchste Wonne Ein leiser Wehmutshauch.
Nicht nach dem Umfang seines Vermächtniß' Wird dem Dichter der Nachwelt Dank; – Mehr ist ein Lied in der Menschen Gedächtniß, Als dicke Bände im Bücherschrank.