Albert Traeger (1830–1912)

4 Sprüche Romantik

Ein Tag mit dir Du gleichst so ganz dem sonnenhellen Tag, Den ich mit dir wie einen Traum durchlebte, Der duftig über Tal und Höhen lag, Daß jedes Blatt in Sommerlust erbebte. Gedenk' ich dein, dann lächelt mir erhellt Von deinem Blick die heitre Welt entgegen. Die Blüte duftet und die Knospe schwellt, Auf jedem Halme ruht ein stiller Segen. Und in mir jauchzt es: sieh! der Sommer hat Sich ewig seine Heimat hier gegründet - Und ich vergesse, daß manch welkes Blatt Zu meinen Füßen schon den Herbst verkündet.

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Ein Gruß Bei Dir sah ich die Rosen blühen, Ich folgte Dir durch Wald und Au, Wir schauten still den Tag verglühen, Es kühlte uns des Abends Tau. Wie weich die Luft, wie zaubrisch helle! Dein Auge feucht, Dein Blick so mild Und auf des Stromes flücht'ger Welle Wiegt schaukelnd sich des Mondes Bild. Wie hab' ich ganz und voll genossen Des Sommers und der Liebe Lust! Die süßen Bilder sind zerflossen, Doch blieb die Freude in der Brust. Da ist kein Bangen und Verzagen, Kein Seufzen nach verlornem Glück; Ein jeder von den schönen Tagen Ließ Reiz und Duft in mir zurück. Sind längst entblättert auch die Rosen, Sie bluehen stets im Herzen mir; Die Welle rauscht, die Lüfte kosen Und alles träumt und spricht von Dir. Da hat der Tag nicht eine Stunde, In der ich treu nicht Dein gedacht Und macht der Mond die stille Runde, Sag' ich Dir leise: Gute Nacht! Nicht um Vergangnes laß mich klagen, Nein, hoffend mich der Zukunft weih'n; Du schiedest mit des Sommers Tagen – Mir bleibt der Trost: Auch Du denkst mein! Zwei Herzen, die sich ganz verstehen, Ob eines von dem andern schied; Ich weiß, ich muß Dich wiedersehen – Bis dahin grüße Dich mein Lied!

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Ob nachts auch thränenfeucht dein Pfühl, Und heiß die ruhelosen Lider, Einst wirst du schlummern sanft und kühl, Und keine Sorge weckt dich wieder. Vergehe nicht in Angst und Qual, Es eilt die Stunde, dich zu retten; Vier Bretter nur braucht's dünn und schmal, Ein müdes Menschenherz zu betten. Und du auch findest eine Hand, Die Augen sanft dir zuzudrücken, Mit einer Blume, einem Band Dir Deinen Sarg noch auszuschmücken. Der Tod bring Ruhe deinem Harm, Die dir das Leben nie vergönnte; Halt aus: es ist kein Mensch so arm, Daß er nicht endlich sterben könnte.

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Es ist kein Mensch so arm, Daß er nicht endlich sterben könnte.

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