Alexander Otto Weber (1868–1939)

13 Sprüche Realismus

Ein jeder trägt sein Glück in sich, doch nur die wenigsten finden es, weil sich die Menschen so selten selbst kennen.

Weber, Ohne Maulkorb. Gereimte Satiren, 1905

Die Liebe ist eine Geisteskrankheit, bei der man an der fixen Idee leidet, jemanden für's Leben besitzen zu müssen, der uns bis dahin völlig gleichgültig war, und nach dem Besitz noch gleichgültiger werden wird.

Weber, Frech und froh. Gereimte Satiren, 1906

Das Menschenleben – das Nichts, das der Löwe richtiger einschätzt als der Mensch.

Weber, Durch die Lupe, 1907

Das Leben ist eine Skatpartie. Das Geschick allein hilft nicht. Aber selbst wenn die Minderbegabten oft die meisten Wenzel haben, können sie nur durch ihr Glück das Spiel auch noch nicht gewinnen.

Weber, Ohne Maulkorb. Gereimte Satiren, 1905

Das ist der Zwiespalt hier auf dieser Erden Und macht das Spekulieren diffizil: Das Leben ist nicht wert gelebt zu werden, Jedoch vom Sterben hat man auch nicht viel!

Weber, Das Salz des Erde. Neue umgearbeitete Ausgabe, 1910

Religion ist Gefühls- nicht Verstandessache; die Religion ist die beste, die sich am wenigsten an das Gefühl wendet. Aus diesem Grunde halte ich die protestantische für die schlechteste.

Weber, Ohne Maulkorb. Gereimte Satiren, 1905

Moderne Erziehung – aus dem Apfelbaum Spalierobst machen.

Weber, Durch die Lupe, 1907

Mit seiner Braut möchte man bis ans Ende der Welt gehen. Hat man sie geheiratet, bedauert man, daß die Welt kein Ende hat.

Weber, Durch die Lupe, 1907

Bevor du freist, bedenk das eine: Ein Ehepaar hat meist vier Beine, Und außerdem zwei Köpfe immer, Und das ist schlimmer.

Weber, Durch die Lupe, 1907

Der erste Eindruck Die Liebe ist, was man empfindet, Solang' man sich nicht eh'lich bindet, Denn wird die Liebe erst zur Pflicht, So ist sie keine Liebe nicht! Wie oft hab' ich nicht schon geschrieben, Man kann nur ohne Fesseln lieben, Doch trotzdem gibt es selbst noch heute Zur Eh' geneigte Liebesleute. Da dichtet man durch ganze Nächte, Weil man die Leute retten möchte, Schreibt sich am Geist und Finger Schwielen, Es hört nicht einer von den vielen. So hatte es in stiller Nacht Auf sie 'nen Eindruck jüngst gemacht; Na, so 'was kommt zuweilen vor, Sie hieß Babette, er Theodor. Nun ist solch' Eindruck je nach Lage, Das steht wohl außer jeder Frage, In vielen Fällen Grund zur Ehe, Trotzdem ich ihr entgegenstehe. So war es auch in diesem Falle, – die Dummen werden ja nie alle – Er nahm sie dieses Eindrucks wegen, Und ihre Tante gab den Segen. Der Onkel sprach beim Hochzeitsfeste, Der erste Eindruck sei der beste, Womit er sich jedoch blamierte, Denn jener Eindruck war der vierte. Zu Ende ging die Hochzeitsfeier, Angeblich reißt danach der Schleier, Doch eingeweihte Kreise wissen, Meist ist er vorher schon gerissen. Dann macht man eine Hochzeitsreise Und sucht auch noch auf and're Weise, Durch das, was uns die Freunde schenken, Den Katzenjammer abzulenken. So kamen sich fast glücklich vor, Zunächst Babette und Theodor. Doch täglich ward die Freude kleener, Und beide dachten: Schön ist schöner! Babette fühlt' sich unverstanden, Und Theo war meist nicht vorhanden, Und täglich kam er heim erst morgen Und tausend and're Ehesorgen, Die teils der Gattin, teils dem Gatten Den Liebes-Himmel tief beschatten. Der Eindruck war schon arg verblaßt, Die Liebe Pflicht und deshalb Last, Ich hatte wieder einmal recht, Die Ehe paßt zur Liebe schlecht. Und kann ich bei den Ehegründen Den Eindruck auch verzeihlich finden, Ich bleib' dabei, wird Liebe Pflicht, Dann ist es keine Liebe nicht.

Weber, Durch die Lupe, 1907

Die Wahrheit – die Lüge, an die die jeweilige Mehrheit glaubt.

Weber, Ohne Maulkorb. Gereimte Satiren, 1905

Der Krieg – Massen-Raubmord.

Weber, Ohne Maulkorb. Gereimte Satiren, 1905

Nur die Not zeigt den wahren Charakter.

Weber, Durch die Lupe, 1907