Zufälliger Spruch von Alexander Otto Weber

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Der erste Eindruck Die Liebe ist, was man empfindet, Solang' man sich nicht eh'lich bindet, Denn wird die Liebe erst zur Pflicht, So ist sie keine Liebe nicht! Wie oft hab' ich nicht schon geschrieben, Man kann nur ohne Fesseln lieben, Doch trotzdem gibt es selbst noch heute Zur Eh' geneigte Liebesleute. Da dichtet man durch ganze Nächte, Weil man die Leute retten möchte, Schreibt sich am Geist und Finger Schwielen, Es hört nicht einer von den vielen. So hatte es in stiller Nacht Auf sie 'nen Eindruck jüngst gemacht; Na, so 'was kommt zuweilen vor, Sie hieß Babette, er Theodor. Nun ist solch' Eindruck je nach Lage, Das steht wohl außer jeder Frage, In vielen Fällen Grund zur Ehe, Trotzdem ich ihr entgegenstehe. So war es auch in diesem Falle, – die Dummen werden ja nie alle – Er nahm sie dieses Eindrucks wegen, Und ihre Tante gab den Segen. Der Onkel sprach beim Hochzeitsfeste, Der erste Eindruck sei der beste, Womit er sich jedoch blamierte, Denn jener Eindruck war der vierte. Zu Ende ging die Hochzeitsfeier, Angeblich reißt danach der Schleier, Doch eingeweihte Kreise wissen, Meist ist er vorher schon gerissen. Dann macht man eine Hochzeitsreise Und sucht auch noch auf and're Weise, Durch das, was uns die Freunde schenken, Den Katzenjammer abzulenken. So kamen sich fast glücklich vor, Zunächst Babette und Theodor. Doch täglich ward die Freude kleener, Und beide dachten: Schön ist schöner! Babette fühlt' sich unverstanden, Und Theo war meist nicht vorhanden, Und täglich kam er heim erst morgen Und tausend and're Ehesorgen, Die teils der Gattin, teils dem Gatten Den Liebes-Himmel tief beschatten. Der Eindruck war schon arg verblaßt, Die Liebe Pflicht und deshalb Last, Ich hatte wieder einmal recht, Die Ehe paßt zur Liebe schlecht. Und kann ich bei den Ehegründen Den Eindruck auch verzeihlich finden, Ich bleib' dabei, wird Liebe Pflicht, Dann ist es keine Liebe nicht.
Weber, Durch die Lupe, 1907
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