An A.B. *** Was kann in Eile man zu ihr in Versen sagen? Ich bin der Wahrheit ziemlich treu. Fehlt mir die Zeit, muß ich: Du bist die Schönste!, sagen; und wenn ich Zeit hab- bleibt's dabei.
Ich hatte einst ein Liebchen, seht, und habe gern mit ihr gespielt, und ihr doch nicht den kopf verdreht- ich habe nie so hoch gezielt.
An *** Nein, nein, ich gebe mich, ich kann und darf es nicht, der Liebe nicht mehr hin, ich muß ihr widerstehen; mein Herz verlangt nach Ruh, verlangt nach Gleichgewicht, es soll hinfort nicht mehr entflammen und vergehen; genug hab ich geliebt; doch warum wird mir leicht, warum will sich mein Geist in flüchtigen Träumen lösen, wenn es geschieht, daß stumm an mir vorüberstreicht ein junges, himmlisches, unschuldig reines Wesen, und naht und sich verliert?... Ist's meinem Blick verwehrt, in traurig-süßer Lust dem Mädchen zu begegnen, ihr leise nachzugehn und, still in mich gekehrt, mit Freude und mit Glück das Leben ihr zu segnen und für sie zu erflehn das wohl der ganzen Welt, der Seele heitere Ruh, ein schattenloses Leben, ach, auch das Glück des Manns, dem sie so wohlgefällt, daß er gewillt ist, ihr den Namen Frau zu geben.
… des Weibes Lieb' ist seichte; Kurz trauert sie, zerriß ein Band. Die Liebe weicht der langen Weile, Dann schärft sie neue Liebespfleile.
Sie sagte statt des leeren "Sie" Das traute "Du" mir aus Versehen – Und schon verheißt die Phantasie Erhörung meines Liebesflehen! Ich schau sie an glückseliglich, Nach jedem ihrer Blicke geizend; Ich spreche laut: "Wie sind Sie reizend!" Und denke still: "Wie lieb ich dich!"
O Stunde seliger Vereinung, Wo du erschienst mit holdem Gruß, Gleich einer flüchtigen Erscheinung, Der reinsten Schönheit Genius! In hoffnungslosen Sehnsuchtqualen, In dieses Lebens Wogenprall, Sah ich dein Engelsauge strahlen Und hörte deiner Stimme Schall. Es schwanden Jahre. Meine Qualen Begrub des Lebens Wogenschwall, Und deiner Engelsaugen Strahlen Vergaß ich, deiner Stimme Schall! Verbannt, in düstrem, dumpfem Sehnen Floß träg und kalt dahin mein Blut – Ach, ohne Gottheit, Leben, Thränen, Begeisterung und Liebesglut! Da schlug die Stunde der Vereinung Und du erschienst mit holdem Gruß, Gleich einer flüchtigen Erscheinung, Der reinsten Schönheit Genius. Nun schlägt mein Herz in trunknem Sehnen Und feurig schießt dahin mein Blut – Mich rufen Gottheit, Leben, Thränen, Begeisterung und Liebesglut!
Ein Geständnis Vor Wut möcht ich und Scham vergehn, Daß ich von Liebe zu dir spreche - Doch meine Thorheit, meine Schwäche Muß ich zu Füßen dir gestehn. Das paßt recht schlecht zu meinen Jahren! Zeit wär's, vernünftiger zu sein! Doch in der Liebe wohlerfahren, Kenn ich auch ihrer Krankheit Pein: Dir fern – muß ich voll Sehnsucht klagen, Dir nah – muß schweigend dulden ich, Und mächtig drängt's mich, dir zu sagen: Ich liebe, holder Engel dich! [...]
Ja, wer vom Schicksal ausersehn zu einem sturmbewegten Leben, dem darf kein Weib zur Seite stehn in seinem Kämpfen, seinem Streben.
Glücklich, wer jung in seinen Tagen; glücklich, wer, mit der Zeit gestählt, gelernt, des Lebens Ernst zu tragen.
Täuscht das Leben dich, verzage, Zürne nicht, so weh es tut! Faß am Trauertage Mut: Glaub, es kommen Freudentage. Zukunft unser Herz erfüllt, Leid nimmt Gegenwart gefangen: Alles ist so rasch vergangen; Was vergangen ist, wird mild.
Vorgefühl Wieder hüllen Wolkenmassen Über mir den Himmel ein; Meines Schicksals neidisch Hassen Dräut mit kaum verschmerzter Pein ... Tret' ich meinem Los entgegen Mit verachtungstrotz'gem Mut? Wird auch jetzt die Seele hegen Stolz, Geduld und Jugendglut? Matt bin ich vom Sturm des Lebens, Zittern macht mich kein Orkan! Ach, vielleicht strebt nicht vergebens Sichrem Hafen zu mein Kahn! ... Doch mit schmerzumflorten Blicken Ahn' ich naher Trennung Qual – Und ich eile, dir zu drücken Deine Hand zum letztenmal. Flüstre „Lebe wohl!“ mir herzlich, Du mein holdes Engelsbild! Hebe oder senke schmerzlich Deinen Blick so lieb und mild – Ewig wird das Deingedenken Stolze Kraft und Hoffnungsmut Meiner müden Seele schenken, Als Ersatz der Jugenglut.
Mein ist alles! sprach das Gold; Mein ist alles! sprach der Stahl. Alles kauf' ich! sprach das Gold; Alles nehm' ich! sprach der Stahl.