Alois Essigmann (1878–1937)

20 Sprüche Realismus

Sein ist eben »sein« und nicht »Sein«. Will man es nicht als Zeitwort gelten lassen, so muß man es unter die Ewigkeitsworte einreihen.

Essigmann, Gott, Mensch und Menschheit. Aphorismen, 1916

Verletze lieber den Freund durch Wahrheit, als die Freundschaft durch Lüge.

Essigmann, Gott, Mensch und Menschheit. Aphorismen, 1916

"Mit der Dummheit kämpfen Götter selbst vergebens!" Und gegen Weisheit die Abgötter.

Essigmann, Gott, Mensch und Menschheit. Aphorismen, 1916

Zwischen Weisheit und Wissen klafft ein breiterer Abgrund als zwischen Religion und Kirche.

Essigmann, Gott, Mensch und Menschheit. Aphorismen, 1916

"Wer ist da in was getreten?" möchte man am liebsten fragen, wenn ›der Humor in seine Rechte getreten ist‹.

Essigmann, Gott, Mensch und Menschheit. Aphorismen, 1916

Taylorismus. Der vielgeschmähte Drill ist der Vater dieses Kindes der Wissenschaft.

Essigmann, Gott, Mensch und Menschheit. Aphorismen, 1916

Je mehr ein Gedanke sich ausbreiten soll, umso flacher muß er werden.

Essigmann, Gott, Mensch und Menschheit. Aphorismen, 1916

Ein guter Gedanke in schlechter Form? – Der muß gestohlen sein, denn denken heißt, eine Ahnung gestalten.

Essigmann, Gott, Mensch und Menschheit. Aphorismen, 1916

Religion ist die Kimm des Gedankenmeeres.

Essigmann, Gott, Mensch und Menschheit. Aphorismen, 1916

Religion: Suchen heißt finden, finden verlieren.

Essigmann, Gott, Mensch und Menschheit. Aphorismen, 1916

Zum Leben stärkt Klugheit, zum Sterben Weisheit.

Essigmann, Gott, Mensch und Menschheit. Aphorismen, 1916

Ehrfurcht vor Karl May! Das erzieht eine bessere Jugend als Kritik an Schiller.

Essigmann, Gott, Mensch und Menschheit. Aphorismen, 1916

Die Ehe ist für manch eine ein trauriges Erwachen. – Weil das Einschlafen so traurig ist.

Essigmann, Gott, Mensch und Menschheit. Aphorismen, 1916

Gott ist ein Suchen – finden ist ein Götze.

Essigmann, Gott, Mensch und Menschheit. Aphorismen, 1916

Glaubt Ihr, Gott lenke nur, wenn der Mensch denkt! – Da hätt' er ein Leben, wie der Herrgott in Frankreich.

Essigmann, Gott, Mensch und Menschheit. Aphorismen, 1916

Je größer der Mensch, desto größer sein Gott.

Essigmann, Gott, Mensch und Menschheit. Aphorismen, 1916

Wir treiben zu wenig innere Politik!

Essigmann, Gott, Mensch und Menschheit. Aphorismen, 1916

Durch einen Riß in der Seele kann der Teufel aus- und eingehen.

Essigmann, Gott, Mensch und Menschheit. Aphorismen, 1916

Bezwingen kann auch ein Talent, fesseln nur ein Charakter.

Essigmann, Gott, Mensch und Menschheit. Aphorismen, 1916

Das Talent kann es bis zum Künstler bringen, der Charakter zum Schöpfer werden.

Essigmann, Gott, Mensch und Menschheit. Aphorismen, 1916