Alphonse de Lamartine (1790–1869)

13 Sprüche Klassik

Lieben und geliebt zu werden ist menschlich. Aber lieben um der Liebe Willen ist engelsgleich.

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Was ist unser Leben als eine Reihe von Präludien, zu jenem unbekannten Lied, dessen erste feierliche Note der Tod anschlägt.

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O tränenwertes, wahres Bild des Lebens! Die Freude tritt zur Tür herein, aus der Kaum ging der Schmerz! Das Glück nimmt ein das Bett, Woraus entwichen die Verzweiflung kaum! Was wird, besetzt die Stelle des Gewes'nen; Des Lebens Becher ist stets gleich gefüllt, Nur daß ihn eine Hand ergreift, die andre Ihn wegstellt. Ach! wenn oftmals unser Auge Die Glückesschalen, welche überschäumen Zu müssen scheinen, gründlich prüfen könnte: Ergäbe dann sich nicht, daß jede Lust Des einen Menschen, mit des andern Asche Und Tränen sich vermengt?

Lamartine, Jocelyn, 1836

Leben muß strömen. Wasser, das nicht fließt, bedeckt sich mit Schaum und fault.

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Es ist in den unteren Klassen nicht so viel Zeit zur Bildung vertrauter Freundschaft nötig, als in den höheren. Die Herzen öffnen sich hier ohne Mißtrauen und löten sich schnell zusammen, da man hinter dem Gefühle keine eigennützigen Zwecke argwöhnt.

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Wehe den Menschen, die in jeder Beziehung ihrer Zeit voraus sind; sie erliegen ihrer Zeit!

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Die Zeit hat kein Gestade: Sie flieht und wir mit ihr.

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Der heiligste, der gerechteste, der frömmste Gedanke, wenn er durch die unvollkommene Menschennatur hindurchgeht, kommt nur in Fetzen und Blut daraus hervor. Selbst diejenigen, welche ihn gefaßt, erkennen ihn nicht mehr an und verleugnen ihn.

Lamartine, Geschichte der Girondisten (Histoire des Girondins), 8 Bde., übersetzt von Georg Herwegh 1847

Gott ist nur ein erdachtes Wort, die Welt uns zu erklären.

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Ich habe Gott überall gesehn und nie verstanden.

Lamartine, Poetische Meditationen (Méditations poétiques), 1820. Die ersten Meditationen: Der Mensch

Wie wäre Gott so grausam, wäre er nicht so groß!

Lamartine, Poetische Meditationen (Méditations poétiques), 1820. Erste Meditationen

Der Mann erkennt das Wesen der Wahrheit und bildet sie aus dem Grunde seiner Seele heraus, die Frau allein erfaßt sie mit Leidenschaft.

Lamartine, Geschichte der Girondisten (Histoire des Girondins), 8 Bde., übersetzt von Georg Herwegh 1847

Für die Wahrheit erschuf Gott das Genie.

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