Anatole France (1844–1924)

35 Sprüche Romantik

Nur wer gegen sich selbst milde ist, kann es auch gegen andere sein.

France, Der kleine Peter, 1918

Man stirbt in Glückes Fülle am vergangenen Leid.

France, Aufruhr der Engel (La révolte des anges), 1914 (dt. 1917)

Was man so die Launen des Schicksals nennt, das ist in Wahrheit nichts andres als die Rache der göttlichen Weisheit an den Plänen der falschen Weisen, mit denen sie ihr Spiel treibt.

France, Nützliche und erbauliche Meinungen des Herrn Abbé Jérôme Coignard, gesammelt von seinem Schüler Jacques Tournebroche, übersetzt von Friedrich von Oppeln-Bronikowski, München 1924. Die Akademiker

Der Erzieher soll das Kind zwei Dinge lehren: den Frieden und die Arbeit. Und ein Ding verabscheuen lehren: den Krieg.

Internet

Das Geheimnis des rechten Altwerdens liegt in einem Satz: Die Zeit geht sanft nur mit denen um, die mit der Zeit sanft umgehen.

Internet

Die Menschen haben aus ihm (Gott) eine verhasste Figur gemacht. Wie kann man zu so einem unsympathischen Wesen beten?

Internet

Die Wahrheit kann auch eine Keule sein, mit der man andere erschlägt.

Internet

Ich liebe die Wahrheit. Ich glaube, die Menschheit braucht sie, sicher aber braucht sie noch viel mehr die Lüge, die ihr schmeichelt, Trost spendet und ihr endlos Hoffnung macht. Ohne Lüge würde sie umkommen vor Verzweiflung und Langeweile.

Internet

Die hellste Wahrheit erscheint wie ein leeres Geschwätz, wenn sie aufgezwungen wird.

Internet

Der Krieg ist gar keine Kunst, und der Zufall entscheidet allein über das Schlachtenglück. Von zwei Generälen, die einander gegenüberstehen und die beide dumm sind, muß notgedrungen einer den Sieg davontragen.

Internet

Es ist seit Homer eine seltsame Narrheit der Dichter, daß sie die Kriege feiern.

Internet

Der Krieg ist trotz seiner Schrecken eigentlich nicht unpopulär. Er begünstigt und entwickelt Triebe, die bei den Menschen sonst zu schlummern pflegen. Die Rohheit, der Blutdurst, die Freude, ja sogar der Rausch des Tötens wurzeln so tief im Innersten der Sterblichen, daß sie leicht wieder zutage treten.

France, in: Marcel Le Goff: Gespräche mit Anatole France, 1914-1924, übersetzt von Ernst Klarwill, München 1925

Gern sieht man hervorragenden Menschen niedrige Gesinnung und Erbärmlichkeit des Herzens nach. Man duldet es, daß sie feig oder boshaft waren, und selbst ihr Glück schafft ihnen nicht allzuviel Neider, wofern man nur erkennt, daß es unverdient war.

Internet

Ich glaube, daß die Menschen zu allen Zeiten so gewesen sind wie heute, egoistisch, gewalttätig, geizig und mitleidlos.

France, Die rote Lilie (Le lys rouge), 1894