Mensch, deine Seligkeit kannst du dir selber nehmen, So du dich nur dazu willst schicken und bequemen.
Die Liebe, wenn sie neu, braust wie ein junger Wein; Je mehr sie alt und klar, je stiller wird sie sein.
Mensch, was du liebst, in das wirst du verwandelt werden. Gott wirst du, liebst du Gott, und Erde, liebst du Erden.
Liebe, dir ergeb ich mich, Dein zu bleiben ewiglich.
Fürwahr, die Tugend lebt, ich sags ohn Deutelei: Lieb, und so siehest du, daß Lieb ihr Leben sei.
Wer nichts begehrt, nichts hat, nichts weiß, nichts liebt, nichts will, Der hat, der weiß, begehrt und liebt noch immer viel.
Lieb üben hat viel Müh: wir sollen nicht allein Nur lieben, sondern selbst, wie Gott, die Liebe sein.
Der Liebe Mittelpunkt ist Gott und auch ihr Kreis, In ihm ruht sie, liebt alls in ihme gleicherweis.
Die Lieb ists schnellste Ding, sie kann für sich allein In einem Augenblick im höchsten Himmel sein.
Aus Liebe gehn und stehn, Lieb atmen, reden, singen Heißt seine Lebenszeit wie Seraphim verbringen.
Nicht alles Gut ist gut; Mensch, überred dich nicht, Was nicht im Lieböl brennt, das ist ein falsches Licht.
Das Maß der Seligkeit mißt ihr die Liebe ein; Je völler du von Lieb, je selger wirst du sein.
Liebe, die du mich zum Bilde Deiner Gottheit hast gemacht, Liebe, die du mich so milde Nach dem Fall hast wieder bracht. Liebe, dir ergeb ich mich, Dein zu bleiben ewiglich.
Die Lieb ist unser Gott, es lebet alls durch Liebe: Wie selig wär ein Mensch, der stets in ihr verbliebe!
Willst du die falsche Lieb von wahrer unterscheiden, So schau, sie sucht sich selbst und fället ab in Leiden.
Kein Tod ist herrlicher, als der ein Leben bringt. Kein Leben edler, als das aus dem Tod entspringt.
Aus Gott wird man geborn, in Christo stirbet man Und in dem heilgen Geist fäht man zu leben an.
Nicht du bist, der da lebt: denn das Geschöpf ist tot; Das Leben, das in dir dich leben macht, ist Gott.
Die Ros ist ohn warum; sie blühet, weil sie blühet, Sie acht nicht ihrer selbst, fragt nicht, ob man sie siehet.
Ein Kampfplatz ist die Welt; das Kränzlein und die Kron Trägt keiner, der nicht kämpft, mit Ruhm und Ehrn davon.