Das fremde Glück Von diesen kleinen Dingen leben wir, Nicht von den großen, die so selten kommen: Oft war's nur irgendein Reflex, der dir Von einer Vase funkelnd aufgeglommen, Oft ferne ein Akkord auf dem Klavier, Vom Abend auf die Fittiche genommen. Und neulich trat in meinen stillen Raum Ein fremdes Glück und lächelte von Wangen Zwei junger Menschen, die im frühen Traum Der ersten Liebe hoffend noch befangen – Und grüßte mich wie einen, den man kaum Erkennt, weil schwere Zeit an ihm vergangen. Laß sein, mein Herz, das noch von Jugend wirr Und trunken ist, sich tätig aufzuschwingen –! Kommt einst der Tag, an dem du müd und irr Am eigenen Geschicke und Gelingen, Vielleicht, daß dann das fremde Glück zu dir Sich segnend neigt und lächelt deinem Ringen – Denn später, wenn wir müde, leben wir Nur mehr von solchen fremden lieben Dingen...
Was sich küßt und paart, ist ewig in Trug verstrickt.
Sie wird mir einst begegnen, irgendwann, Wie einem auf verdrossnen Wanderungen Ein Lied einfällt, daß er als Kind gesungen; Seither sind viele tot, und er ist Mann. Und ist davon beglückt, daß er's noch kann; Denn während er zur Klarheit sich gerungen, Ist manche Saite in ihm abgesprungen… Sie wird mir einst begegnen – irgendwann Und wird mich fragen nicht: Woher? Wohin? Und wird nicht in mich drängen: Weile, raste! Einer wie ich ist immer nur zu Gaste – Und größer wird sie sein durch Demutsinn Als jene, die wie Krämer Liebe geben: Nur Zug um Zug und Leben gegen Leben.
Durch Einsamkeit Durch Einsamkeiten, Durch waldwild' Geheg, Über nebelnde Weiten Wandert mein Weg – Fern über dem Berge An ruhsamer Flut Harrt meiner ein Ferge … Der rudert mich gut – An ein stilles Geländ, Ewig gemieden Und ewig ersehnt – Zum Frieden …
Die Frau des Alternden Es ist nicht mehr, wie in den ersten Jahren, Da sie einander liebten, überreich – Ein Frühherbstschimmer, wie der Reif so bleich, Ruht heute schon auf seinen müden Haaren, Doch sie blieb unversehrt und mädchengleich. Und immer noch, wenn sie auf Wiesen gehen, Und sie sich eng an seine Schulter lehnt, Weiß er, daß sie nichts anderes ersehnt, Als dies: mit ihm auf ihren jungen Zehen Durchs Land zu schreiten, das sich blühend dehnt. Da ist sie noch ganz sein – auch in den Nächten, Wenn schwerer Duft von dunkeln Beeten weht. Und seiner Inbrunst, die schon fast Gebet, Begegnet sie im Golde loser Flechten Und gibt ihm reicher, als er selbst erfleht. Doch wenn des Abends einmal Geigen klingen, Und ihr geschmeidig schlanke Tänzer nahn, Da sieht sie ihn so fremd und fragend an, Und plötzlich ist sie voll von fernen Dingen, Wie einem andern Zauber aufgetan. Und wenn sie dann aus schmiegsamen Armen Zu ihm zurückkehrt, der so sehr allein, Hat sie ein Lächeln, heimlich, kühl und fein, Und Blicke voll verschwiegenem Erbarmen Und Worte wie Verzichten und Verzeihn.