Arthur Holitscher (1869–1941)

5 Sprüche Realismus

Verstehen ist wohl eher Lieben als Verzeihen.

Holitscher, A., Essays. Kenntnis fremder Völker, 1904

Die Arbeit der im wahren Sinne Arbeitenden ist es, auf die sich jeder, der Bescheid weiß, zu konzentrieren hat. Das Unernste, das Verwerfliche, die Mache, wenn noch so viel Geschrei um sie herum und aus ihnen heraus erschallt, wenn sie sich noch so interessant und spannend geben, sie sollen verachtet sein und bleiben.

Holitscher, A., Essays. Es ist leider wieder Herbst

Eines der schönsten Geschenke, das die Welt dem arbeitenden Menschen machen kann, ist: daß sie ihn spüren läßt, wie er wirkt. Daß seine Arbeit nicht im Leeren verpufft. Daß seine Arbeit, die sein Schicksal ist, das Schicksal fremder Menschen beeinflußt und fremde Tatkraft anspornt.

Holitscher, A., Essays. Mehr anonyme Briefe!

Maßstab des Weltgeschehens ist das eigene Schicksal. Dem Menschen ist keine andere Möglichkeit gegeben, das Weltall und seine geheimnisvolle Struktur zu erkennen, als: das eigene Leben, das ein Teil dieses Weltalls ist, den eigenen Lebenstrieb zu belauschen.

Holitscher, A., Essays. Vor einem Bild des Bauern-Brueghel

Die Formel eines solchen, für alle Zeiten wesentlichen Menschen ist: was geschieht, geht ihn zutiefst an. Er nimmt nicht nur teil an dem, was geschieht: ob er es verdammen muß oder nicht, er bekennt sich zu dem, was geschieht: ob er es bekämpfen oder von Mitleid geschüttelt beklagen muß, er ist zu sehr aus dem Stoff der Zeit, des Lebens geschaffen, und wenn es nur das Närrische ist, was ihn an dem Geschehen reizt, er wird nicht die Zähne blecken wie ein zynischer Wolf, sondern lachen, wirklich, aus voller Kehle dazu lachen.

Holitscher, A., Essays. Frans Masereel