Denn Jeder hofft doch, daß das Glück ihm lache, Allein das Glück, wenn's wirklich kommt, ertragen, Ist keines Menschen, wäre Gottes Sache.
Glücklichen ist's nicht verliehen Zu begreifen fremdes Weh.
Ein Tor, wer immer stille steht, Drum Lebewohl, und reisen wir! Ich lobe mir, ich lobe mir, Die Liebe, die auf Reisen geht! Drum säume nicht, Und träume nicht, Wer meinen Wink versteht!
Denn ach, die Menschen lieben lernen, Es ist das einz'ge wahre Glück!
Wen der Pfeil des Schönen je getroffen, Ewig währt für ihn der Schmerz der Liebe!
Mein Herz ist zerrissen, du liebst mich nicht! Du ließest mich's wissen, du liebst mich nicht! Wiewohl ich dir flehend und werbend erschien, Und liebebeflissen, du liebst mich nicht! Du hast es gesprochen, mit Worten gesagt, Mit allzugewissen, du liebst mich nicht! So soll ich die Sterne, so soll ich den Mond, Die Sonne vermissen? Du liebst mich nicht! Was blüht mir die Rose, was blüht der Jasmin? Was blühn die Narzissen? Du liebst mich nicht!
Laß tief in dir mich lesen, Verhehl auch dies mir nicht, Was für ein Zauberwesen Aus deiner Stimme spricht? So viele Worte dringen Ans Ohr uns ohne Plan, Und während sie verklingen, Ist alles abgetan. Doch drängt auch nur von ferne Dein Ton zu mir sich her, Behorch ich ihn so gerne, Vergeß ich ihn so schwer! Ich bebe dann, entglimme Von allzurascher Glut: Mein Herz und deine Stimme Verstehn sich gar zu gut!
Du scheust, mit mir allein zu sein, Du bist so schroff: Gibt nicht der Liebe Lust und Pein Zum Reden Stoff? Wo nicht, was gilt der Lieb ein Wo, Ein Wie, ein Was? Zu lieben und zu schweigen, o Wie lieb ich das! Ich schweige, weil so kalt du scheinst, Und unerweicht, Mein Auge spricht, es spricht dereinst Mein Kuß vielleicht.
Du liebst und schweigst – O hätt ich auch geschwiegen, Und meine Blicke nur an dich verschwendet! O hätt ich nie ein Wort dir zugewendet, So müßt ich keinen Kränkungen erliegen! Doch diese Liebe möcht ich nie besiegen, Und weh dem Tag, an dem sie frostig endet! Sie ward aus jenen Räumen uns gesendet, Wo selig Engel sich an Engel schmiegen. Drum laß des Wahns mich, daß du liebst, mich freuen, Damit die Seele nicht mir ganz veröde, Und meinen Glauben möge nichts zerstreuen! O Glück, verweigre nicht mir allzuschnöde Den Tag, an welchem seinem Vielgetreuen Die ganze Seele zeigt der schöne Spröde!
Lebenswechsel Einst litt ich Schmerzen der Liebe, sie gingen vorüber; Seitdem hab' ich jedoch Stunden und Tage vergähnt.
Ich bin wie Leib dem Geist, wie Geist dem Leibe dir! Ich bin wie Weib dem Mann, wie Mann dem Weibe dir! Wen darfst du lieben sonst, da von der Lippe weg Mit ew’gen Küssen ich den Tod vertreibe dir? Ich bin dir Rosenduft, dir Nachtigallgesang, Ich bin der Sonne Pfeil, des Mondes Scheibe dir: Was willst du noch? was blickt die Sehnsucht noch umher? Wirf alles, alles hin: du weißt, ich bleibe dir!
Lieben! Ihr fragt mich, was unglücklicher Liebe Gewinn sei? Ist nicht Liebe für sich schon ein lebend'ger Gewinn?
Lieb' und Lieblichkeit umfächeln Deine Stirne voll Verstand: Ganz bezwingt mich dieses Lächeln, Diese schöne weiche Hand! Deine Hand in meine flechten Durft' ich, was ich längst erbat: Stets gehört zu Deinen Knechten, Wer ans Herz gedrückt sie hat! Schlag', o Herz, entgegen zucke Eine Hand so voll und weich: Ach, in jenem Händedrucke Lag ein ganzes Himmelreich! Ach, es thun sich immer wieder Meinem innern Auge kund Diese Hände, diese Glieder, Dieses Lächeln, dieser Mund! Ewig werd' ich dich vermissen, Ewig fehlst du meinem Glück: Die du ganz an dich gerissen, Meine Seele gieb zurück!
Wenn ich in Labyrinthe Des Sinnens mich verlor, Dringt plötzlich oft ein Seufzer Aus voller Brust hervor. Denn was ich auch betrieben, Bedünkt mich hohler Schein, Uns glücklich macht nur lieben, Ach, und geliebt zu sein?
Lied Oft, wenn wir lang im Dunkel schweifen Durch eine tiefverhüllte Nacht, Dann werden uns die Purpurstreifen Aurorens plötzlich angefacht. Verzweifle keiner an den Wegen, Die das Verhängnis mächtig geht, Sie bringen uns dem Glück entgegen, Das wunderbar am Ziele steht. Und hat dich Mißgeschick betroffen, Und hat dich mancher Schmerz verletzt, Hör dennoch nimmer auf zu hoffen, Und die Erfüllung naht zuletzt. Es quälen uns so manche Plagen, Eh' uns der Götter Gunst beglückt, Wir müssen manche Dornen tragen, Eh' uns der Kranz der Freude schmückt. So wechselt's in den ird'schen Dingen, Das ist der Fluch der flücht'gen Zeit, Und will ich morgen fröhlich singen, So muß ich kläglich weinen heut. Zwar kommt Erhörung oft geschritten Mit ihrer himmlischen Gewalt, Doch dann erst hört sie unsre Bitten, Wenn unsre Bitten lang verhallt.
Wer in der Brust ein wachsendes Verlangen Nach schönen Augen fühlt und schönen Haaren, Den mahn ich ab, der nur zu viel erfahren Von Schmerz und Qual durch eitles Unterfangen. Dem jähen Abgrund nur mit Not entgangen, Was blieb mir aus unendlichen Gefahren? Im Aug die Spur von hingeweinten Jahren, Und in der Brust ein ungeheures Bangen. Naht nicht der jähen Tiefe, junge Herzen! Des Ufers Liljen Glühn von falschem Feuer, Denn ach, sie locken in das Meer der Schmerzen! Nur Jenen ist das Leben schön und teuer, Die frank und ungefesselt mit ihm scherzen, Und ihnen ruft ein Gott: Die Welt ist euer.
Was ich soll? Wer löst mir je die Frage? Was ich kann? Wer gönnt mir den Versuch? Was ich muß? Vermag ich's ohne Klage? So viel Arbeit um ein Leichentuch!
Was forscht ihr früh und spat dem Quell des Übels nach, da doch kein anderes ist, als Kreatur zu sein?