August von Platen-Hallermünde (Graf Platen) (1796–1835)

39 Sprüche Klassik

Wer wußte je das Leben recht zu fassen, Wer hat die Hälfte nicht davon verloren Im Traum, im Fieber, im Gespräch mit Toren, In Liebesqual, im leeren Zeitverprassen?

Platen, Gedichte. Sonette

Einmal will ich, das versprech ich, ohne Liebgekose leben, Wann die Blumen hier im Garten nach den Tafeln Mose leben; Hör ich abends auf den Straßen einen Vogel, eine Flöte, Sag ich bei mir selbst: Es möge dieser Virtuose leben! Freund! es ist der Lenz gekommen, unsre Wege sind verschieden: Lebe wie die keusche Lilje, laß mich wie die Rose leben! Laßt mich euren Rat vernehmen, was das Beste sei von Zweien: Weise leben, lose reden? Weise reden, lose leben? Wollt ihr mich durchaus verkennen, tut es immerhin, denn immer Werd ich, ob ich lächle drüber oder mich erbose, leben!

Platen, Gedichte. Ghaselen

Die Liebe scheint der zarteste der Triebe, Das wissen selbst die Blinden und die Tauben, Ich aber weiß, was wen'ge Menschen glauben, Daß wahre Freundschaft zarter ist als Liebe.

Platen, Gedichte. Sonette, 1834

Um aber irgendein Verhältnis von jeder Bitterkeit, von jedem Mißverständnisse auf immer zu bewahren, gibt es nur ein Mittel, und dies heißt Zutrauen. Ohne dasselbe geht jede Freundschaft in kurzer Zeit zu Grabe.

Platen, Tagebücher

Sieh deine Freunde weder zu oft, noch zu selten.

Platen, Lebensregeln, 1817. [69]

Im Wasser wogt die Lilie, die blanke, hin und her, Doch irrst du, Freund, sobald du sagst, sie schwanke hin und her! Es wurzelt ja so fest ihr Fuß im tiefen Meeresgrund, Ihr Haupt nur wiegt ein lieblicher Gedanke hin und her!

Platen, Gedichte. Motto zu den Ghaselen

Wo nehmen denn die Dichter die Gedanken her? Viel weiß man, wenn man das nur weiß.

Platen, Die verhängnisvolle Gabel. Ein Lustspiel in fünf Akten, 1826. Vierter Akt. Damon

Religion in des Griechen Gemüt war sittliche Handlung, aber sie ward Handwerk, schwatzender Pöbel, in dir!

Platen, Gedichte. Ausgabe 1834. Epigramme

Ich möchte, wenn ich sterbe, wie die lichten Gestirne schnell und unbewußt erbleichen, Erliegen möcht ich einst des Todes Streichen, Wie Sagen uns vom Pindaros berichten. Ich will ja nicht im Leben oder Dichten Den großen Unerreichlichen erreichen, Ich möcht, o Freund, ihm nur im Tode Gleichen; Doch höre nun die schönste der Geschichten! Er saß im Schauspiel, vom Gesang beweget, Und hatte, der ermüdet war, die Wangen Auf seines Lieblings schönes Knie geleget: Als nun der Chöre Melodien verklangen, Will wecken ihn, der ihn so sanft geheget, Doch zu den Göttern war er heimgegangen.

Platen, Gedichte. Sonette

Traum ist alles Irdischen Erscheinung, Wahn ist jede liebende Vereinung, Und was Wahrheit wird genannt, ist Meinung.

Platen, Gedichte. Ausgabe 1834. Lieder und Romanzen

Nur Einsamkeit ist Vollgenuß des Lebens; Wo sind zwei Herzen, die sich ganz verstehen?

Platen, Gedichte. Aus: In Rousseau's Stube auf der Petersinsel, 1816

Das Alter wägt und mißt es, Die Jugend spricht: So ist es.

Platen, Gedichte. Spruch

Und seh' ich die Morgensonne erwachen, Wenn der Frühling kommt, die Gärten lachen, Die Herde weidet, die Schwalben bauen, Und ich wandle dahin auf den bunten Auen, [...] Da zeigt mir der Teppich des reichen Gefildes Den Abdruck jenes unendlichen Bildes. Und ist das Abendrot spät verschwunden, Und nahen die stillen, die traulichen Stunden, Und ich schaue hinaus, wie der Himmel glüht, Wenn die Saat der Welten dem Auge blüht, [...] Da fühl' ich noch mächtigerdeineSpur, Erhabene Seele der schönen Natur!

Platen, Der Sieg der Gläubigen, vollendet 1817, Erstdruck 1857 (posthum). Der Ketzer

Wäre der Geist nicht frei, dann wäre es ein großer Gedanke, daß ein Gedankenmonarch über die Seelen regiert.

Platen, Gedichte. Ausgabe 1834. Epigramme

Es ist weder möglich, noch denkbar, daß du mit menschlichem Verstande die Gottheit und die ursprüngliche Erschaffung der Dinge begreifen könnest, da du nur einen so kleinen Teil des Universums übersiehst und selbst diesen nur sinnlich und von außenher erkennst.

Platen, Lebensregeln, 1817. [3]

Wenn du zwischen Wahrheit und Lüge in die Enge kommst, entscheide dich ohne Nachsinnen für die Wahrheit. Sie ist immer die bessere, gesagt zu werden.

Platen, Lebensregeln, 1817. [43]

Wenigen Sterblichen ist es um Wahrheit; aber den Meisten Irgend um eine Partei, irgend ein Dogma zu tun.

Platen, Gedichte. 1829

Die Wahrheit hat von jeher bloß den Schurken wehgetan.

Platen, Der romantische Ödipus. Ein Lustspiel in fünf Akten, 1829. 3. Akt, Ödipus