Boethius
Hast du also das Glück dir zur Herringewählt, so füge dich ihren Launen.
Wer aber nennt ein Glück sein Eigen, das sich so zusammengesetzt, dass er nicht in irgendeiner Weise mit seiner Beschaffenheit zankt?
Von nur geringer Größe aber sind die Dinge, die den Glücklichsten die höchste Glückseligkeit entreißen.
Warum also, ihr Sterblichen, sucht ihr das Glück, das in euch liegt, außerhalb?
Wer kann Liebenden ein Gesetz vorgeben? Liebe in sich ist ein bedeutenderes Gesetz.
Die Freundschaft, dies heiligste Gut, gehört der Tugend, nicht dem Glücke zu.
Du beklagst nun verlorene Reichtümer und hast doch den kostbarsten Schatz von allen gefunden: Freunde.
Wie sehr die Schlechten also toben mögen, dem Weisen wird sein Kranz nicht herabfallen, nicht verwelken.
Wenn du dem Wind die Segel ließest, dann würdest du fahren, nicht wohin dein Wille strebte, sondern wohin das Wehen triebe; wenn du den Schollen den Samen vertrautest, würdest du tragende und unfruchtbare Jahre unter sich abwägen. Du hast dich dem Schicksal zur Herrschaft gegeben: du mußt dich in die Gewohnheiten dieses Herren schicken. Du versuchst, den Schwung des rollenden Rades aufzuhalten? Aber, törichtester aller Sterblichen, wenn es zu stehen beginnt, hört es auf, Geschick zu sein!
Alles Geschick ist von Grund auf gut.
Das Schicksal, meinst du, habe sich dir gegenüber gewandelt, doch du irrst. Das sind stets seine Sitten, entspricht seiner Natur. Bewahrt hat es gegen dich nur die Beständigkeit in seiner eigenen Wandelbarkeit.
Das Gute trägt seine Belohnung allein in sich selbst, ebenso wie die Schlechtigkeit ihre eigene Strafe ist.