Bruno Ertler (1889–1927)

3 Sprüche Realismus

Bitte Senke mir die Rosenkrone tief in meine Stirne. – Sehnsucht ließ zu dir mich finden und den fernen, müdgetäuschten, lieben, dummen Kinderglauben hast du wachgerufen – du – – wie zuweilen noch die Sonne eine Apfelblüte zaubert spät im Herbst. Oh, ich weiß es: Diese vollen, roten Tage, die nun kommen, tragen schwer – schwer an Lust und Weh – ich weiß es. Drücke mir der Liebe Rosenkrone tief in meine Stirne – tief – – dass ich ihre Dornen fühle.

Ertler, Gedichte. Eva – Lilith, 1919

Zwischenspiel VI Daß wir uns heute – heute erst fanden – Wie nenne ich sie mit brennenden Namen, die es verschuldet! Wie treff' ich uns mit zorniger Klage, die wir's geduldet! Denn was in uns beiden heute nach Offenbarung drängt, das hat sich vor Jahrmillionen in schaffenden Keimen vermengt. Ich bin das erfüllte Umschlingen und du das bereite Warten, ich bin dir Sonne und Regen und du die Erde im Garten. – Durch hundert blühende Tage und tausend Nächte voll Leid sind wir zu Menschen geworden mit Grauen und Seligkeit – und liefen aus fremden Weiten in eine Spitze zusammen und lodern aus feindlichen Polen in einiger, jauchzender Flamme!

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Oh, die ergebenen Frauen zu sehen, wie sie müde mit ihren Gatten gehen – und zu denken, daß sie vor kurzen Jahren starke, hochfordernde Mädchen waren, die nun alles vergaßen und alles verrieten und nicht mehr wünschen und kaum noch bieten – Und zu denken, daß du in nächster Frist auch eine von den Gelebten bist – – Und warst wie ein blühender Sang der Liebe – Oh, daß doch eine das Flammenlied bliebe!

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