Liebe, das ist die gierig quellende Lust am Dasein. Wessen Seele davon erfüllt ist, an dem hat alle Skepsis ihre Macht, das Rätsel des Lebens seinen Sinn verloren. Liebe allein bildet das Leben fort, ist die zeugende Kraft. In Seelen voll Liebe sind alle Leiden in Freuden, alle Fragen in Taten verwandelt und gelöst.
Wir haben alle nichts und sind alle – ein jeder von uns – auf die Gnade des andern angewiesen, desjenigen, den wir lieben. Denn Liebe ankert im Grunde und fragt nicht nach dem Glanze der Oberflächen, wo alles Haben sich abspielt.
Das Leben will nicht Belehrung sein, nicht Zwecke haben, nicht Gabe werden, nicht bestimmt sein von tausend Blicken hier hin und dort hin.
An Vaters Sterbebett Ich saß an meines Vaters Sterbebett und sah sein stilles bleiches Angesicht. Im Zimmer dunkelte die Mitternacht. Ein schwacher Schimmer kam vom kleinen Licht. Den Blick nach oben und die Lider zu, so röchelte, der da im Bette lag, und bleich und groß und hehr schien das Gesicht, und einsam, totenstumm war das Gemach. Und ich – ich grub im Rätselgrund: "Wer ist es, der hier stöhnt? – Was schwindet hin? Wer ist, der um den letzten Atem ringt?" Und rang, umnachtet von dem Rätselsinn, Und Tausend - Ungezählte sah'n mich an aus fremden Zügen, die ich Vater nannte, ein ewiger Zug war's, der gestorben war, ewig der eine doch, der herzverwandte. Der Vater und des Vaters Vater war's, der noch im Bilde blickte von der Wand. Und jeder hatte einmal so erschaudernd gegriffen nach des Vaters Sterbehand; und einmal auch im Leben hatte jeder die Hand nach seines Sohnes Liebe ausgestreckt; und alle stummen Trauertränen hatten den finstern Gast, den Tod nicht fortgeschreckt. Du warst es ewig, du, der Ich sich nannte, und der doch immer nur der eine ist, der ewig ruhelos in die Ewigkeit verbannte, und den der Todmann sanft zur Ruhe küßt, damit er fort und fort im Staube schreite, am Rätsel löse und am Schauen webe. Damit er allen Erdentiefen Sinn, damit er tiefsten Gottesgrund erlebe –. Ich bin es, der hier stöhnt und der hier sinnt, ich reiche selbst im Leid mir Liebe zu, ich schloß die Augen längst, – immer weiter führt mich mein Rätsel weg aus ew'ger Ruh'.