Carl Ludwig Schleich (1859–1922)

42 Sprüche Realismus

Verschlafe, wenn du Talent dazu hast, ruhig die volle Hälfte deines Lebens: du wirst die andere Hälfte doppelt gelebt haben.

Schleich, Die Weisheit der Freude, 1920

Es gehört Mut zu dem Bekenntnis, glücklich zu sein, die meisten sind nur aus Furcht bescheiden. Der alte Aberglaube an den Neid der Götter macht viele zu Heuchlern und Verleugnern ihres Frohsinns.

Schleich, Erlebtes, Erdachtes, Erstrebtes, 1928

Des Mannes Liebe ist ein versprühender Funke, das ganze Leben der Frau verglüht an der entzündeten Flamme.

Schleich, Erlebtes, Erdachtes, Erstrebtes, 1928

Das Weltall hat nichts Höheres zu verschenken als Liebe, eigentlich ist der nur lebend, der da liebend lebt.

Schleich, Erlebtes, Erdachtes, Erstrebtes, 1928

Uns fehlt eine Politik der Liebe, eine Partei des Sichverzeihens.

Schleich, Die Weisheit der Freude, 1920

Kinder und Greise haben ein Recht, geliebt zu werden, die dazwischen haben das Recht, ja, die Pflicht, zu lieben.

Schleich, Erlebtes, Erdachtes, Erstrebtes, 1928

Die Liebe ist ein Gottesbeweis, kein Teufel hätte uns so etwas Himmlisches gegönnt.

Schleich, Erlebtes, Erdachtes, Erstrebtes, 1928

Die Liebeslieder sind alle zu laut, die Sprache der Liebe ist: Flüstern.

Schleich, Erlebtes, Erdachtes, Erstrebtes, 1928

Wie groß, wie sicher fühlt man sich in der Welt, wenn man liebt, und wie hilflos müßten wir sein, wenn wir uns vorstellen könnten, niemanden mehr zu lieben.

Schleich, Erlebtes, Erdachtes, Erstrebtes, 1928

Der Mann hat ein sicheres Maß für die Größe seiner Liebe zu einer Frau: in dem Grade seiner Dankbarkeit für die gewährte Gunst.

Schleich, Die Weisheit der Freude, 1920

[Die] Liebe, diese[r] allmächtige[n] Gärtnerin, die die Saaten des Lebens erfinderisch mischt und unaufhörlich durcheinander wirbelt.

Schleich, Erlebtes, Erdachtes, Erstrebtes, 1928

Ein Mann kann durch vieles glücklich werden, die Frau nur durch Liebe.

Schleich, Die Weisheit der Freude, 1920

Was würden wir antworten, wenn der Weltgeist uns vor die Frage stellte: "Kein Unglück mehr − dann aber auch keine Liebe." − Die echte Liebe trüge das schwerste Geschick lieber gemeinsam mit dem Geliebten, als das höchste Glück allein.

Schleich, Aus dem Nachlass, 1927 (EA: 1923)

Ohne ein Leben nach dem Sterben bleibt dieses Leben ein phantastisches Chaos. Verstanden werden kann das Leben nur als Leben im Licht der Ewigkeit.

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Unser ganzes schnelles Leben ist am Ende überhaupt ein langsamer Opfertod gewesen für alles, was wir geliebt, erstrebt, erhofft haben.

Schleich, Das Ich und die Dämonien, 1920

Das Leben zu verlängern ist die Kunst, unsere Jugend zu erhalten. Jugend ist Eindrucksfähigkeit, Wirkungskraft, Bereitschaft, Sprungbereitschaft.

Schleich, Die Weisheit der Freude, 1920. Das Leben – ein Erleben

Es ist ein Tasten in der Welt, als wären wir alle abgestürzt und suchten in der Finsternis nach irgendeinem Stützpunkt zum Aufschwung.

Schleich, Erlebtes, Erdachtes, Erstrebtes, 1928

Unser Leben ist ein Erleben. Es ist so lang, als es Erlebnisse in sich schließt.

Schleich, Die Weisheit der Freude, 1920

Die gewaltigste Frage ist nicht die, ob wir sterben, sondern die: daß wir überhaupt leben.

Schleich, Erlebtes, Erdachtes, Erstrebtes, 1928

Das Leben passiert uns, wir sind sein Weg. Daran müssen wir sterben.

Schleich, Erlebtes, Erdachtes, Erstrebtes, 1928

Jedes Wesen ist von Gottes Gnaden.

Schleich, Aus dem Nachlass, 1927 (EA: 1923)