Carl Siebel (1836–1868)

5 Sprüche Romantik

Holzhacker Er hackt sein Holz jahrein, jahraus, Müht sich vom frühsten Morgen; Und sie besiegt im kleinen Haus Die tausend großen Sorgen. Tropft abends ihm der heiße Schweiß Von seiner Stirne nieder; Sie trocknet sanft, sie trocknet leis Die furchenreiche wieder. – So haben sorgen sie gemußt Seit langen, harten Jahren. Und keiner hat es wohl gewußt, Wie glücklich beide waren.

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O, spiele nicht mit Herzen, Mit Herzen lieb und wahr; Sie sind die schönsten Blumen Der Schöpfung wunderbar.

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Vergangenheit War's nicht ein schöner Morgen? War's nicht ein Maientag, Wo ich, im Glück geborgen, Im Arm der Liebe lag? War nicht es sternenhelle, Und sonnenhell zugleich? Lag nicht an armer Schwelle Ein unermeßlich Reich? Zog nicht vom Himmel nieder Unsterblich tausendmal Die Göttin ew'ger Lieder Mit Kränzen ohne Zahl? Ihr wiegt das Haupt verneinend, Zieht mich zur Welt zurück – Mir selbst gestorben scheinend – Alt Glück, du bist mein Glück! –

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Menschen: Wilde, wilde Meereswogen, Von dem Monde angezogen, Von dem Sturme fortgetrieben, Von der Erde eingesogen.

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Ideale Es hängt die schönste Frucht am Baum Und winkt dir lächelnd zu; Du strebst empor, doch ach, der Baum Wächst schneller stets als du. Und dennoch strebst du immerfort, Bis einst du müd und matt; Dann fällt auf deinen Ruheort Vielleicht ein welkes Blatt.

Bern (Hg.), Deutsche Lyrik seit Goethe's Tode, 1878