Christian Fürchtegott Gellert (1715–1769)

17 Sprüche Aufklärung

Viel besser ohne Glück als ohne Liebe sein!

Gellert, Fabeln und Erzählungen, 1746-54. Das Glück und die Liebe

Lebe, wie du, wenn du stirbst, wünschen wirst, gelebt zu haben.

Gellert, Geistliche Oden und Lieder, 1757

Kann mich der Tod so bald entseelen, Was nützt mir alles Glück der Welt? Um froh zu sterben, will ich leben.

Gellert, Fabeln und Erzählungen, 1746-54. Zweites Buch. Aus: Alcest

Wer dir als Freund nichts nützen kann, kann allemals als Feind dir schaden.

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Der wahre Freund Der ist mein Freund, der mir stets den Spiegel zeigt, den kleinsten Flecken nicht verschweigt, mich freundlich warnt, mich ernstlich schilt, wenn ich nicht meine Pflicht erfüllt'. Das ist mein Freund – so wenig wie er's scheint! Doch der, der mich stets schmeichelnd preist, mir alles lobt, nie was verweist, zu Fehlern mir die Hände beut, und mir vergibt, eh' ich bereut – das ist mein Feind – so freundlich er auch scheint!"

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Ich will lieber durch den Überfluß der Freundschaft fehlen als durch den Mangel.

Gellert, Die Betschwester, 1745. Originaltext

Der Gesetze der Weisheit und Moral sind nicht viele; nur der Erklärungen, Beweise und Anwendungen dieser Gesetze gibt es viele.

Schlegeln/Heyern (Hg.), C. F. Gellert's Moralische Vorlesungen. Erster Band, nach des Verfassers Tod hg. von Johann Adolf Schlegeln und Gottlieb Hegerecht Heyern, Leipzig 1770

Mein erst Gefühl sei Preis und Dank!

Gellert, Geistliche Oden und Lieder, 1757

Das Hospital Elmire war zur Witwe worden Und nahm sich vor, nicht mehr zu frein. Allein sie war noch jung; was macht man ganz allein? Ich dächte doch, sie könnte wieder frein; Der Witwenstand ist ein betrübter Orden! Elmire sah's und schritt zur zweiten Wahl; Allein sie war das erstemal Nicht gar zu wohl verwahret worden. Denn leider sind die Zeiten so betrübt, Daß es viel böse Männer gibt. Elmire tat daher ein feierlich Gelübd', Indem sie sich zur zweiten Ehe schickte: Sie wollte, wenn es ihr mit ihrem Manne glückte, Ein Hospital für fromme Männer baun; Denn sie war reich. Und kurz, sie ließ sich wieder traun. O welche Lust erfolgt oft nach dem Leide! Das war ein Mann, ein allerliebster Mann! Fromm wie ein Kind, gefällig wie die Freude, Und der auf nichts, als ihr Vergnügen sann. Wie hätte sie sich ihn denn besser wünschen mögen? Sie ließ geschwind den Grund zum Hospitale legen. - Vier Wochen strichen hin. Nun war der Grund gelegt, Und bald wird man das erste Stockwerk sehen: Doch nein, Elmire kömmt, und heißt, vom Zorn bewegt, Die Maurer auseinandergehen. Wie? Sollt' es nicht mehr gut in ihrer Ehe stehen? Das kann nicht möglich sein, sie sind ja kaum getraut! Nun kurz und gut, es ward nicht fortgebaut; Und ungefähr nach einem halben Jahre Lag dieser Mann auch auf der Bahre. Der liebe Mann! Die Frau schwört Stein und Bein, Ihr Leben lang nicht mehr zu frein; Und doch war sie nach zweiundfünfzig Wochen - Der Bau muß ja vollendet sein! - Bereits das dritte Mal versprochen. Oh, das war erst ein würdiger Gemahl! Verständig, zärtlich und verbindlich, Nicht eigensinnig, nicht empfindlich; Er bat da nur, wo jener wild befahl; Die Blicke seiner Frau erfüllt er als Befehle - Kurz, beide waren recht ein Herz und eine Seele. Die gute Frau! Ich gönn ihr diesen Mann. Allein sie wollte doch nicht trauen. Sie fing nicht gleich wie eh'mals an zu bauen. Ich lobe sie darum, und hätt es selbst getan. Der Henker mag den Männern trauen, Wenn man so leicht zweimal sich irren kann. Sie fand nunmehr nach einem halben Jahre Den Gatten noch so liebenswert Als an dem Tag, da er, gefragt vor dem Altare, Ihr durch ein seufzend Ja sein zärtlich Herz erklärt. Der Bau wird fortgesetzt. Ich seh' Elmiren kommen. Wie freundlich sieht sie diesmal aus! »Ach Meister, fördert doch das Haus! Warum habt Ihr's denn angenommen? Ich geb' Euch ja das Geld voraus; Laßt doch noch mehr Gesellen kommen!« Ei, das geht gut! Ich kann mich nicht genug erfreun; Das muß ein rechter Ehmann sein! Die Mäurer fördern sich, und binnen vierzehn Tagen Sieht man das erste Stockwerk stehn; Und nun läßt sich Elmire wieder sehn. Man sieht's ihr an, sie hat etwas zu sagen; Vielleicht sah sie die Mäurer müßig stehn? Denn leider pflegt's so herzugehn. Vielleicht hat man am Bau etwas versehn? Das sollte mich doch selbst verdrießen. Jetzt öffnet sie den Mund; nun wird sich's zeigen müssen. »Ach«, fängt sie heftig an zu schrein, »Hört auf, und reißt den Plunder ein! Ich lasse keinen Stein mehr tragen; Wofür verbaut' ich denn mein Geld? Für Männer, die die Weiber plagen? Denn and're gibts nicht auf der Welt.« Die böse Frau! Man sollte sie verklagen.

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Die glückliche Ehe Gedankt seis dir, Gott der Ehen! Was ich gewünscht, hab ich gesehen: Ein grenzenlos beglücktes Paar; Ein Paar, das ohne Gram und Reue, Bei gleicher Lieb und gleicher Treue Durch deine Bande selig war. Ein Wille lenkte hier zwei Seelen. Was sie gewählt, pflegt er zu wählen, Was er verwarf, verwarf auch sie. Ein Fall, wo andre sich betrübten, Stört ihre Ruhe nie. Sie liebten Und fühlten nicht des Lebens Müh. Da ihn kein Eigensinn verführte, Und sie kein eitler Stolz regierte: So herrschte weder sie noch er. Sie herrschten, aber bloß mit Bitten; Sie stritten; aber wenn sie stritten, Kam bloß ihr Streit aus Eintracht her. Der letzte Tag in ihrem Bunde, Der letzte Kuß von ihrem Munde Nahm wie der erste sie noch ein. Sie starben. Wann? Wie kannst du fragen? Acht Tage nach den Hochzeitstagen; Sonst würde dies ein Märchen sein.

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Die Seele der Ehe ist die Gleichheit der Gemüter.

Gellert, Die Betschwester, 1745

Vergiß die Alten nicht; sie lehren stets die Welt.

Schwabe (Hg.), Belustigungen des Verstandes und Witzes, 1741-45. Auf das Jahr 1743. Aus: Sendschreiben, an den jungen Herrn von H.

Die Himmel rühmen des Ewigen Ehre, Ihr Schall pflanzt seinen Namen fort. Ihn rühmt der Erdkreis, ihn preisen die Meere, Vernimm, o Mensch, ihr göttlich Wort. Wer trägt der Himmel unzählbare Sterne? Wer führt die Sonn’ aus ihrem Zelt? Sie kommt und leuchtet und lacht uns von ferne, Und läuft den Weg gleich wie ein Held. Vernimm’s, und siehe die Wunder der Werke. Die die Natur dir aufgestellt! Verkündigt Weisheit und Ordnung und Stärke Dir nicht den Herrn, den Herrn der Welt?

Gellert, C. F., Gedichte. Aus: Die Ehre Gottes aus der Natur, 1757

Gott erfüllt, was er verspricht, Dies ist meine Zuversicht.

Gellert, Geistliche Oden und Lieder, 1757

Ein Mensch, der Gott gehorcht, erwählt das beste Teil; Ein Mensch, der Gott verläßt, verläßt sein eignes Heil.

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Ein Tier folgt den Fesseln der Natur, ein Mensch dem Licht der Seelen.

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Wärst du so klug, die kleinen Plagen des Lebens willig auszustehn, so würdest du dich nicht so oft genötigt sehn, die größern Übel zu ertragen.

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