Wo sind die Stunden Wo sind die Stunden Der süßen Zeit, Da ich zuerst empfunden, Wie deine Lieblichkeit Mich dir verbunden? Sie sind verrauscht, es bleibet doch dabei, Daß alle Lust vergänglich sei. Ich schwamm in Freude. Der Liebe Hand Spann mir ein Kleid von Seide; Das Blatt hat sich gewandt, Ich geh im Leide. Ich wein jetzund, daß Lieb und Sonnenschein Stets voller Angst und Wolken sein.
Niemand weiß Niemand weiß, wie schwer mir's fällt, Flammen in der Brust zu hegen, Und sie dennoch vor der Welt Nicht ans freie Licht zu legen. Feuer läßt sich nicht verhehlen, Denn sein Glanz ist allzu klar, Und die Glut verliebter Seelen Macht sich selber offenbar.
Vergänglichkeit der Schönheit Es wird der bleiche Tod mit seiner kalten Hand Dir endlich mit der Zeit um deine Brüste streichen. Der liebliche Corall der Lippen wird verbleichen; Der Schultern warmer Schnee wird werden kalter Sand. Der Augen süßer Blitz, die Kräffte deiner Hand, Für welchen solches fällt, die werden zeitlich weichen. Das Haar, das itzund kan des Goldes Glantz erreichen Tilgt endlich Tag und Jahr als ein gemeines Band. Der wohlgesetzte Fuss, die lieblichen Gebärden, Die werden theils zu Staub, theils nichts und nichtig werden, Denn opfert keiner mehr der Gottheit deiner Pracht. Diss und noch mehr als diss muß endlich untergehen, Dein Hertze kan allein zu aller Zeit bestehen Dieweil es die Natur aus Diamant gemacht.
Ist denn dein Hertze gar erfroren? Bist du aus Schnee und Eiß geboren? Hörst du mein Seuffzen nicht Und was mein Unmuth spricht? Soll ich dich Göttin nennen? So nimm des Himmels Wehmuth an, Der leichtlich sich erbarmen kan Und uns nicht ewig läst in Hoffnungs-Flammen brennen. Des Blutes Regung zu vermeiden Und gantz von Fleisch und Blut zu scheiden, Ist nirgends ein Gebot Es heissets auch nicht Gott; Sich selber zu verlassen Ist eine Flucht, so sträfflich ist, Und wer ihm solche Bahn erkiest, Den muß die Menschlichkeit als einen Unmensch hassen. Du kanst ja deiner nicht geniessen, Kein Mund weiß selber sich zu küssen. Der Schnee auf deiner Brust Bringt dir geringe Lust. Die fleischichten Granaten Seynd nicht allein vor dich erdacht Kein Mensch ist vor sich selbst gemacht; Es weiß der klügste Geist ihm hier nicht recht zu rathen. Die Rose suchet ihr Verderben, Die auff dem Stocke wünscht zu sterben Und nur ihr gantz allein Meynt angetraut zu seyn. Wilst du dich selbst begraben? Wer sich in sich umsonst verzehrt, Ist warlich seiner selbst nicht werth Und muß der Thorheit Schild an seiner Grabstatt haben. Bezwinge weißlich dein Gemüthe Und folge zeitlich dem Geblüte, Darein im Paradieß Gott selber Funcken bließ; Wer kan ihm widerstreben? Schau ich dein helles Antlitz an, So fühl ich, was der Himmel kan Und wünsch auf deiner Brust verparadiest zu leben.
Der Stände Gleichheit ist der Liebe Possenspiel.
Schickung muß der Hoffnung Hülfe senden, Sonst wird zuletzt auch Hoffnung zum Verdruß.
Ich will kein ander Wort um meinen Leichstein haben Als dies: der Kern ist weg, die Schalen sind vergraben.