Christian Wernicke (1661–1725)

4 Sprüche Aufklärung

Die Unbeständigkeit des Glücks ist unser Glück.

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Sicherheit im Glück Sag' einem, der erfreut dem Glück im Schooße lieget, Daß dessen Stille stets die Sicherheit betrüget, Daß es uns, ehe wir es recht erkannt, verläßt; Er höret dich nicht mehr, denn junge Hochzeitgäst' Den Wächter, der des Nachts die Stunden rufet, hören; Er spottet deiner Gunst und lachet deiner Lehren, Und alle deine Wort' entführt der schnelle Wind. Ein Glücklicher ist taub, sowie das Glück ist blind.

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Schuldner oder Gläubiger Manch ungehobelt Holz wird zum Merkur gemacht, Weil mancher theure Mann, aus aller Höfling' Acht, Sich sonst bei keinem Maß, als seinem Schatten mißt. Viel hebt das Glück empor, viel' hält es auch zurück; Doch wer die Welt recht kennt, der findet, daß das Glück Mehr Schulden ausstehn hat, als es selbst schuldig ist.

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15. Schiffahrt des Lebens Wir irren auf der See der Welt, Weil eine Fluth die andre schwellt, Kein Vorgebürg' erscheint zur rechten noch zur lincken; Wir sein der Wellen Gauckelspiel, Süd', Ost, Nord, West gilt uns gleich viel, Weil wir den Haven nur erreichen, wenn wir sincken.

Wernicke, C., Gedichte und Epigramme. Überschrifften in zehn Büchern. Erstdruck Amsterdam, 1697. Der Uberschriffte vierdtes Buch. Originaltext