Christoph Martin Wieland (1733–1813)

27 Sprüche Aufklärung

Das wahre Glück, das Eigentum der Weisen, Steht fest, indeß Fortunens Kugel rollt.

Wieland, Musarion, oder die Philosophie der Grazien, 1768

Wenn wir nicht glücklich sind, so ist es doch schön, wenn wir es zu sein verdienen.

Wieland, Krates und Hipparchia. Ein Seitenstück zu Menander und Glycerion, 1804. XXII. Diogenes an Krates

Es ist [...] keine verdrießlichere Lage in der Welt, als diejenige, worin ein Liebhaber ist, der einer dritten Person (zumal wenn sie nur wenig empfindlich ist) von seiner Neigung Rechenschaft geben soll.

Wieland, Der Sieg der Natur über die Schwärmerei oder die Abenteuer des Don Sylvio von Rosalva, 1764

Allein, macht die Begier verwegen, So macht die Liebe blöd.

Wieland, Musarion, oder die Philosophie der Grazien, 1768

Es hat der Natur nun einmal beliebt, zwei so ungleichartige Wesen, als Mann und Weib es sind, durch den Zauberring der Liebe auf längere oder kürzere Zeit an einander zu ketten. Zwei Wesen, die von keiner einzigen Sache in der Welt dieselbe Vorstellung haben, und keinen einzigen Augenblick dasselbe fühlen; die einander nie verstehen, nie begreifen, nie errathen können, und sich also unaufhörlich an einander irren müssen, zwei solche Wesen so zusammenzustimmen, daß sie, indem jedes seine eigene Melodie spielt, beide eben dasselbe zu hören glauben, was kann wunderbarer sein?

Wieland, Menander und Glycerion, 1803. Glyceria an Menander

O Liebe, süßes Labsal aller Leiden Der Sterblichen, du wonnevoller Rausch Vermählter Seelen! welche Freuden Sind deinen gleich?

Wieland, Oberon, Erstdruck 1780

Des Weibes Liebe hat ein Falkenauge.

Wieland, Geron, der Adeliche, 1777

Die Liebe gibt dem sanften Weibe Mut, Was Männer schauern macht, mit Lächeln zu ertragen.

Wieland, Clelia und Sinibald oder die Bevölkerung von Lampeduse. Ein Gedicht in zehn Büchern, 1783. Zehntes Buch

Ist Lieben Schuld, so mag der Himmel mir verzeihen!

Wieland, Oberon, Erstdruck 1780. Siebenter Gesang, 26.

Das Liebesbündnis schöner Seelen Knüpft oft der erste Augenblick.

Wieland, Idris und Zenide. Ein heroisch-comisches Gedicht, 1767

Der Pfau gefällt dem Pfau, die ungestalte Eule Find't ihren Gatten schön, glaubt daß er lieblich heule.

Wieland, Idris und Zenide. Ein heroisch-comisches Gedicht, 1767. Dritter Gesang, 10. Vers

Wie unglücklich würden neunundneunzig von hundert Teilen des menschlichen Geschlechts sein, wenn die mitleidige Natur nicht von Zeit zu Zeit etliche Tropfen aus diesem ihrem Zauberbecher [der Freude] auf die Beschwerden ihres Lebens fallen ließe!

Wieland, Sokrates mainomenos oder die Dialogen des Diogenes von Sinope. Aus einer alten Handschrift, 1770; späterer Titel: Nachlass des Diogenes von Sinope. Gedanken über eine alte Aufschrift, 1795

Das Thier sucht seine Nahrung, gräbt sich eine Höhle oder baut sich ein Nest, wird von einem blinden Triebe zur Erhaltung seiner Gattung genöthigt, schläft und stirbt. Was thut der größte Theil der Menschen mehr?

Wieland, Geschichte des Agathon, 2 Bde., 1766-67; umgearbeitet 1773 und 1794

Denn nur zum Sterben ward dies Leben uns gegeben, Und was der Tod uns schenkt, das ist das wahre Leben.

Wieland, Zwölf moralische Briefe in Versen, 1752. 10. Brief

Wie oft sehen wir Personen kommen und wieder abtreten, ohne daß sich begreifen läßt, warum sie kamen, oder warum sie wieder verschwinden?

Wieland, Geschichte des Agathon, 2 Bde., 1766-67; umgearbeitet 1773 und 1794. Band 1

Nichts halb zu tun ist edler Geister Art.

Wieland, Oberon, Erstdruck 1780. Fünfter Gesang

Ohne Arbeit ist keine Gesundheit der Seele noch des Leibes, ohne diese keine Glückseligkeit möglich.

Wieland, Der goldne Spiegel oder Die Könige von Scheschian, 1772

Teure Hoffnung, du bist schon ein Anfang der Glückseligkeit, die du versprichst.

Wieland, Geschichte des Agathon, 2 Bde., 1766-67; umgearbeitet 1773 und 1794

Religion [ist] eine Angelegenheit des Herzens, nicht des Kopfes.

Wieland, Über den freien Gebrauch der Vernunft in Glaubenssachen samt einer Beilage, 1788. XXXVIII.

Des Schicksals Zwang ist bitter: Doch seiner Oberherrlichkeit Sich zu entziehn, wo ist die Macht auf Erden? Was es zu tun, zu leiden uns gebeut, Das muß getan, das muß gelitten werden.

Wieland, Oberon, Erstdruck 1780. Fünfter Gesang, 60.

Die Erziehung [...] ist die erste, die wichtigste, die wesentlichste Angelegenheit des Staats, die würdigste, die angelegenste Sorge des Fürsten!

Wieland, Der goldne Spiegel oder Die Könige von Scheschian, 1772