Christoph Martin Wieland (1733–1813)

27 Sprüche Aufklärung

Der Wohlstand eines Staates, die Glückseligkeit einer Nation hängt schlechterdings von der Güte der Sitten ab. [...] Die Erziehung allein ist die wahre Schöpferin der Sitten.

Wieland, Der goldne Spiegel oder Die Könige von Scheschian, 1772

Man hat sich schon so lange über die Leute aufgehalten, die ein unerklärbares inneres Licht zum Leitstern ihres Glaubens und Lebens machen; man hat sie in Schimpf und Ernste bestritten, zu Boden gespottet und zu Boden raisonniert: und dennoch haben unleugbar alle Menschen etwas, das die Stelle eines solchen innern Lichts vertritt, und das ist – das innige Bewußtsein dessen, was wir fühlen. Unter allen Kennzeichen der Wahrheit ist dies unleugbar das sicherste; vorausgesetzt, daß ein Mensch überhaupt gesund und des Unterschieds seiner Empfindungen und Einbildungen sich bewußt ist.

Wieland, Was ist Wahrheit? (Aufsatz), 1778

Eine innere Notwendigkeit treibt uns, in allem nach Wahrheit zu streben, auch wenn sie unsern Neigungen und Wünschen entgegen steht. Irrtum kann uns angenehm sein, aber nie befriedigen.

Wieland, Euthanasia. Drei Gespräche über das Leben nach dem Tode, 1805. Zweites Gespräch. Wilibald

Gewiß ist, daß die Verhältnisse der Seelenkräfte unter einander so fein sind, daß es sehr leicht ist, die Harmonie derselben zu verletzen.

Wieland, Platonische Betrachtungen über den Menschen, 1755

Meine Frau ist eine wahre Seelen-Apotheke.

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Denn dies haben die Krankheiten der Seele vor den körperlichen voraus, daß keine unheilbar ist, sobald der Patient geheilt sein will.

Wieland, Geschichte des Agathon, 2 Bde., 1766-67; umgearbeitet 1773 und 1794