Reifes Glück Meine Blütenjahre sind ungenutzt dahingeflossen; denn das Glück hielt seine Pforten neidisch vor mir zugeschlossen. Lachend schaut es durch den Spalt, nun des Sommers Rosen starben – und von seinem Erntefelde beut es mir die reifen Garben.
Zieh mich noch einmal an deine Brust, erstick mich in lodernden Küssen: Wir haben vom ersten Blick ja gewußt, wie bald wir scheiden müssen. Wir haben geschwelgt in heißem Genuß, als gält' es ein ewiges Meiden, und doppelt geküßt jeden feurigen Kuß, als wär's der letzte vorm Scheiden! Bei dem die Minne am längsten wohnt, nicht der mag am besten fahren – wir haben genossen in einem Mond Die Seligkeit von Jahren!
Kein Glück Kein Glück! So hat die Alte mir mit fahlem Lächeln prophezeit, wer in der Liebe Spuren geht, des Weggenoß heißt Herzeleid. Kein Glück! Ich ging durch Klamm und Kluft stieg gipfelauf in Mittagglast und trank der Sonne rotes Blut und mit mir trank der bleiche Gast. Kein Glück! Ich trug den Demantkranz, das Purpurkleid im Märchenschloß, und steh nun doch an Abgrunds Rand – und leise lacht mein Weggenoß.
Wer in der Liebe Spuren geht, des Weggenoß heißt Herzeleid.
Liebe In kindlicher Seele erdämmert die Liebe, wie Grünes der Erde im Frühling entkeimt. Im Herzen der Jungfrau da knospet die Liebe, von künftiger Herrlichkeit sinnend sie träumt. Bis daß sie im Herzen des Weibes entfaltet zu üppigster Blüte berauschend erprangt. Im Herzen der Mutter zur edelsten Reife, zur Krone des Alls, zur Vollendung gelangt.
Suleika Nicht im Rosenschmuck der Jugend fand ich dich und liebt ich dich, grau schon ringelten die Locken um der Stirne Weisheit sich, doch in deinem Kusse lodert ungezähmte Jugendkraft, stimmt die Harfe meiner Seele zur Musik der Leidenschaft. – Deine grauen Haare bergen, was in deiner Seele ruht, wie die Asche des Vulkanes Zeuge ist der innern Glut, und aus deiner Augen Tiefen, sprühet blitzend, göttlich rein, ewig junges Leben kündend, deines Geistes Feuerschein.
Letzte Liebe So weiß ich, daß in blauer Ferne dein Herz in Liebe für mich schlägt, daß dich bis hoch ins Reich der Sterne der Sehnsucht Engelsfittich trägt; so seh ich noch im welken Garten dich, lächelnder Gedanken voll, der letzten Rosenknospe warten, weil sie für mich erblühen soll Und mag auf unserer Sehnsucht Flammen hier niedertaun der Reif der Nacht, mag schonungslos die Welt verdammen den Traum, der uns so selig macht, – vergeblich wird sie drohn und schelten: in Treuen bleib ich dir geeint und will's dir königlich vergelten, daß du um mich – um mich geweint. Da bricht aus winterlichem Schweigen ein lichter Sonnenblitz hervor, da lacht auf halbentlaubten Zweigen ein sommerlicher Rosenflor, und aus dem fast erstarrten Herzen, wie einst zur holden Maienzeit, entspringt ein Strom von Lust und Schmerzen, ein heißer Quell der Zärtlichkeit. So mag die Liebe dich behüten, sie, – die nichts Böses sinnt und sucht –; wirst atmen mit dem Duft der Blüten zugleich den Duft der reifen Frucht. So mag denn gleich der goldnen Sage von Frühlingsglück und Auferstehn durch unsrer Jugend Spätherbsttage der Traum der letzten Liebe gehn.
Für heut Ich will dir keine Freude rauben und binde dich mit keiner Pflicht; ich baue nicht auf Treu und Glauben, ein festes Wort begehr ich nicht! Für all die Liebe laß mich danken, die du mir reich und glühend gibst, – und mag dein Herz schon morgen wanken: Ich weiß, daß du mich heute liebst! Noch schäumt der Wein im Goldpokale, noch duftet frisch der Blütenstrauß, die Jugend gießt die volle Schale des Glücks ob unsern Häupten aus; – mit allen seinen Glutgedanken zu eigen nimm mein tiefstes Sein… und mag der Erdball morgen wanken. Für heut, Geliebter, bist du mein!
Das ist der Schatten Magst du mich ganz in deine Flammen hüllen und mag das Blut, das deinen Leib durchmißt, mein Herz durchpulsen, meine Adern füllen – es bleibt ein Rest, ein Rest, der du nicht bist! Das ist der Schatten unsrer Sonnenliebe, auf unsern Himmelstraum, der Erdenspott. Wenn dieser Rest, du, dieser Rest nicht bliebe: wir wären Gott. –
Flamme Was sträubst du dich der süßen Glut, die züngelnd schon dein Haupt versengt, die liebeheißen Atems dich mit Flammenarmen eng umdrängt?! Die Glut bin ich – und du bist mein! wirf ab, wirf ab das Alltagskleid: gib deine ganze Seele hin in ihrer nackten Herrlichkeit! Umschlingen will ich glühend dich und pressen dich ans heiße Herz, die Kette schmelzen, die dich band, in meinem Kuß wie tropfend Erz! Und flüstern will ich dir ins Ohr ein Wörtlein, zaub'risch wunderfein, daß du nichts andres denken sollst, als mich allein, als mich allein.
Ohne Liebe Dein Fuß zertrat den Veilchenstrauß, den eine Kindeshand gewunden, ins Leben stürmtest du hinaus; hoch stieg dein Stern, – im eignen Haus nur hast du nie das Glück gefunden. Und nun dein Stolz in Scherben bricht, – was liegt daran, ob selbst verschuldet, – nun tröstet dich kein traut Gesicht: du nahmst ins Haus die Liebe nicht, die alles hofft und trägt und duldet. O, wär der Weg nicht meilenweit, nicht alle Brücken abgebrochen, ich ständ noch heute dir zur Seit. mit einem Gruß der Jugendzeit an deine trotzge Brust zu pochen. doch unausfüllbar gähnt die Kluft, mag noch so bang das Herz erbeben, – verweht ist lang der Veilchenduft, und keines Gottes Stimme ruft die toten Blüten mehr ins Leben.
Träume nur, Seele… In den verdämmernden Herbsttag hinein zauberst du lachenden Sonnenschein, und aus der Blätter vergilbendem Flor blühen dir duftige Veilchen empor, träumende Seele – Tönt denn der Glocken dumpfhallender Klang dir wie ein schmetternder Lerchengesang? Siehst du der Erde verweintes Gesicht, fühlst du die eisigen Nebel denn nicht, träumende Seele? – Träume nur, träume… der Frühling ist weit; Rosen hat's nimmer im Winter geschneit – dumpf; nur und klagend, verweht vom Nordwest, läuten die Glocken zum Totenfest. Träume nur, Seele…