Edith Stein (1891–1942)

16 Sprüche Moderne

Die Liebe selbst hat im Bereich des Endlichen verschiedene Arten und Formen: als Liebe des Niederen zum Höheren hat sie mehr vom Verlangen an sich und ist vornehmlich auf Empfang gestellt; als Liebe vom Höheren zum Niederen ist sie mehr freies Schenken aus eigener Überfülle. Immer muss sie aber Hingabe sein, um echte Liebe zu sein. Ein Begehren, das nur für sich gewinnen will, ohne sich selbst zu geben, verdient den Namen Liebe nicht. Man darf wohl sagen, dass der endliche Geist in der Liebe seine höchste Lebensfülle erreicht.

Stein, Endliches und ewiges Sein. Versuch eines Aufstiegs zum Sinn des Seins, 1951

Wir wollen jeden Tag ein neues Leben beginnen.

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Mein Leben beginnt jeden Morgen neu und endet jeden Abend; Pläne und Absichten darüber hinaus habe ich keine; d. h., es kann natürlich zum Tagewerk gehören, vorauszudenken [...], aber eine ›Sorge‹ für den kommenden Tag darf es nie sein.

Stein, E., Briefe. 12. Februar 1928

Sterben heißt, den Tod am eigenen Leib erfahren.

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Der Himmel nimmt einem nichts, ohne es unermeßlich zu vergelten.

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Gott erlegt uns keine Prüfungen auf, ohne uns zugleich die Kraft zu geben, sie zu ertragen.

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Wer Gott findet, der gelangt zu sich selbst und zu dem Quell des ewigen Lebens, der in seinem eigenen Innersten auf ihn wirkt.

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Das innerste Wesen der Liebe ist Hingabe. Gott, der Liebe ist, verschenkt sich an die Geschöpfe, die Er zur Liebe erschaffen hat.

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Ich weiß, daß ich jemanden in meiner Nähe habe, dem ich rückhaltlos vertrauen kann, und das ist etwas, was Ruhe und Kraft gibt.

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Meine Sehnsucht nach der Wahrheit war ein einziges Gebet.

Kral (Hg.), Christliches Zitatenlexikon, hg. von Josef Kral, 1950. Wiedergabe mit freundlicher Genehmigung des IGW Verlags

Wer die Wahrheit sucht, der sucht Gott, ob es ihm klar ist oder nicht.

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Die Seele kann nur zu sich selbst kommen, wenn es ihr gerade nicht um sich selbst zu tun ist.

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Worin kann das Leben der Seele bestehen, wenn sie [...] nicht bei sich verweilt, sondern in Auseinandersetzung mit der Welt sich nach außen betätigt; in der »Stimme des Gewissens«, die sie zum rechten Tun anleitet und vor dem unrechten zurückhält, die über ihre Taten, wenn sie vollbracht sind, das Urteil spricht und über die Verfassung, in der sie die Seele zurücklassen. Das Gewissen offenbart, wie die Taten in der Tiefe der Seele verwurzelt sind, und es bindet das Ich – trotz seiner freien Beweglichkeit – in die Tiefe zurück: die Stimme aus der Tiefe ruft es immer wieder dahin, wo es hingehört, um Rede und Antwort zu stehen über sein Tun und sich zu überzeugen, was es damit bewirkt hat – denn die Taten lassen ihre Spuren in der Seele zurück, sie ist nachher in einer anderen Verfassung, als sie vorher war.

Stein, Endliches und ewiges Sein. Versuch eines Aufstiegs zum Sinn des Seins, 1951. VII. Das Abbild der Dreifaltigkeit in der Schöpfung

Sich selbst und ihren Frieden kann die Seele nur in einem Reiche finden, dessen Herr sie nicht um seinetwillen, sondern um ihretwillen sucht.

Stein, Die ontische Struktur der Person und ihre erkenntnistheoretische Problematik, 1932

Innerhalb der Natur steht alles, was eine Seele hat, miteinander, und in entsprechend modifizierter Weise auch mit allem Unbeseelten, in einer ursprünglichen Verbindung.

Stein, Die ontische Struktur der Person und ihre erkenntnistheoretische Problematik, 1932

Wenn die Seele in sich selbst leer und in sich geschlossen ist, ja, wenn das eigene, geräuschvolle Ich ganz fort ist, dann ist Raum und Stille, dass anderes Platz finden und sich vernehmbar machen kann.

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