Edward Young (1683–1765)

19 Sprüche Aufklärung

Das Leben lügt, gleich verstockten Verbrechern, bis auf den letzten Augenblick; und bekennt seine Betrügereien nicht eher, als bis es stirbt. Seine kleinen Freuden verlöschen eine nach der andern und lassen endlich den armen Menschen in einer völligen Nacht zurück.

Young, Klagen oder Nachtgedanken (The Complaint or Night-Thoughts), 1742-45

Das Leben stirbt, sobald es verglichen wird. Das Leben lebt erst jenseits des Grabes.

Young, Klagen oder Nachtgedanken (The Complaint or Night-Thoughts), 1742-45

[Man kann den Wert des menschlichen Lebens mit einem treulosen Gläubiger vergleichen:] Es hält unsere Jugend und unsre männlichen Jahre von einem Tage zum andern mit Lügen hin; endlich gesteht es den Betrug, und gibt unserm Alter eine völlige abschlägige Antwort.

Young, Klagen oder Nachtgedanken (The Complaint or Night-Thoughts), 1742-45. 8. Nacht, Fußnote. Übersetzt von J. A. Ebert, 1790

Der Mensch braucht nur wenig; und auch dieses Wenige nicht lange.

Young, Klagen oder Nachtgedanken (The Complaint or Night-Thoughts), 1742-45

Man badet zweimal nicht im selben Bach, erwacht nicht zweimal zu demselben Leben.

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Niemand schlummert sich fromm. Nur durch Mühe und Sorgen und mancherlei Künste erreichen wir den steilen Gipfel. Hier ist die Szene des Kampfes, nicht der Ruhe.

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Wie die Bienen Nektar saugen aus duftenden Blumen: so die Menschen aus der Freundschaft, Weisheit und Wonne; Zwillinge von Natur; sie sterben, wenn sie sich trennen.

Young, Klagen oder Nachtgedanken (The Complaint or Night-Thoughts), 1742-45. Übersetzt von Johann Christian Steingrüber 1792

Hoffe in niemandem einen Freund zu finden, als wer einen Freund in dir gefunden hat.

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Erwäge Alles mit dem Freund; doch weil Auf jedem Zweige dir nicht Freunde wachsen, Nicht jeder Freund gesund am Markte ist, Erwäge deinen Freund erst mit dir selbst; Steh still und forsche, prüfe, rasch nicht wählend, Mit Argwohn nicht auf den Gewählten blickend; Entschlossen im Entschluß: erkennend, eh' Du Freund dich nennst, dann trauernd bis zum Tode. Das ehrt den Freund, doch dich ehrt es noch mehr.

Young, Klagen oder Nachtgedanken (The Complaint or Night-Thoughts), 1742-45

Werde zu spät nicht weise, schlecht steht Narrheit dem Greise.

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Verschwendete Zeit ist Dasein, gebrauchte Zeit ist Leben.

Young, Klagen oder Nachtgedanken (The Complaint or Night-Thoughts), 1742-45. 2. Nacht. Originaltext: Time wasted is existence, used is life.

Der Mensch flieht vor der Zeit, die Zeit vor dem Menschen.

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Wir bemerken die Zeit nur aus ihrem Verluste.

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Das Beste zu hoffen, ist fromm, tapfer und weise.

Young, Klagen oder Nachtgedanken (The Complaint or Night-Thoughts), 1742-45. 3. Nacht. Übersetzt von J. A. Ebert, 1756

Der Mensch hört früher auf zu fühlen als zu hoffen.

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Nichts ist dem Menschen so wenig eigen als die Freuden, die er besitzt; nichts so sehr sein, als die Freuden jenseits des Grabes.

Young, Klagen oder Nachtgedanken (The Complaint or Night-Thoughts), 1742-45. 5. Nacht

Über die Torheiten unserer Jugend erröten wir nicht, aber über die Torheiten unseres Alters.

Weiß (Hg.), Tausend und Ein Gedanke. Aphorismen für Geist und Herz, zusammengestellt von Heinrich Weiß, 6. Auflage 1904 (EA: 1880)

Eine Seele ohne Gedanken muß, wie ein Gebäude ohne Einwohner, bald in Verfall geraten.

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Ein ernsthaftes Gemüt ist der natürliche Boden zur Hervorbringung aller Tugenden, und der einzige Charakter, der dem Menschen Ehre macht.

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