Epikur von Samos

40 Sprüche

Der Weise ist glücklich, selbst wenn er gefoltert wird und dabei stöhnt und klagt.

Nestle, Die Nachsokratiker, 2 Bde., 1923. Aus unbestimmten Schriften [142]

Der Weise hat immer mehr Dinge, die er will, als solche die er nicht will.

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Wer einmal weise geworden ist, kann nicht in die entgegengesetzte Seelenstimmung verfallen und kann sie sich auch nicht willkürlich einbilden.

Nestle, Die Nachsokratiker, 2 Bde., 1923. Aus unbestimmten Schriften [141]

Es ist sinnlos, von den Göttern zu fordern, was man selber zu leisten vermag.

Epikur, Vatikanische Spruchsammlung (Gnomologium Vaticanum Epicureum). [65]

Man kann mit Zeus an Glückseligkeit wetteifern, wenn man Gerstenbrot und Wasser hat.

Nestle, Die Nachsokratiker, 2 Bde., 1923. Aus unbestimmten Schriften [102]

Mach dir deine eigenen Götter und unterlasse es, dich mit einer schnöden Religion zu beflecken.

Haringer (Hg.), Epikur. Fragmente zur Lebenskunst, 1947

Jedermann geht aus dem Leben, wie wenn er eben erst geboren wäre.

Nestle, Die Nachsokratiker, 2 Bde., 1923. Aus der Spruchsammlung 'Also sprach Epikuros' [60]

Selten tritt dem Weisen das Schicksal in den Weg.

Seneca, Von der Unerschütterlichkeit des Weisen oder Von der Stärke des Weisen (De Constantia Sapientis). 15. Kapitel. Übersetzt von J. M. Moser, 1828

Man muß sich im Unglück trösten durch die Freude an dem Verlorenen und durch die Erkenntnis, daß sich Geschehenes nicht ungeschehen machen läßt.

Nestle, Die Nachsokratiker, 2 Bde., 1923. Aus der Spruchsammlung 'Also sprach Epikuros' [55]

Für Leute, die denken können, bildet der dauernd gesunde Zustand des Leibes und die zuverlässige Hoffnung betreffs seiner die höchste und sicherste Freude.

Nestle, Die Nachsokratiker, 2 Bde., 1923. Aus der Schrift 'Über das höchste Gut' [77]

Du entsprichst in deinem Alter meiner Lehre und hast unterscheiden gelernt, was es bedeutet, für sich selbst und für Hellas zu philosophieren. Ich wünsche dir Glück dazu.

Nestle, Die Nachsokratiker, 2 Bde., 1923. Aus der Spruchsammlung 'Also sprach Epikuros' [76]

Nicht der Jüngling ist glücklich zu preisen, sondern der Greis, der gut gelebt hat. Denn wer noch in frischer Jugendkraft steht, wird vielfach vom Geschick bald in der, bald in jener Richtung umhergetrieben; der Greis dagegen ist im Alter wie in einem Hafen gelandet und hat einen Reichtum, auf den er früher kaum zu hoffen wagte, hinter sicherem Damm geborgen.

Nestle, Die Nachsokratiker, 2 Bde., 1923. Aus der Spruchsammlung 'Also sprach Epikuros' [17]

Die Übel will die Gottheit entweder nicht beseitigen oder sie kann es nicht; oder sie kann es, aber will es nicht; oder sie will es weder, noch kann sie es; oder sie will und kann es. Wenn sie es kann und nicht will, so ist sie mißgünstig: eine Eigenschaft, die ihr billigerweise fremd sein sollte. Wenn sie es weder will noch kann, so ist sie mißgünstig und schwach, also auch keine Gottheit. Wenn sie es aber will und kann, was allein der Gottheit würdig ist, woher kommen dann die Übel, oder warum werden sie nicht von ihr beseitigt?

Nestle, Die Nachsokratiker, 2 Bde., 1923. Aus unbestimmten Schriften [68]

Wenn die Gottheit den Gebeten der Menschen folgen würde, so würden alle Menschen allzu schnell umkommen: soviel Schlimmes erbitten sie fortwährend füreinander.

Nestle, Die Nachsokratiker, 2 Bde., 1923. Aus unbestimmten Schriften [73]

Wie man unter Meeresstille das versteht, daß nicht einmal der schwächste Luftzug die Flut bewegt, so erscheint der Zustand der Seele ruhig und still, wenn keinerlei Störung mehr da ist, durch die er in Erregung geraten könnte.

Nestle, Die Nachsokratiker, 2 Bde., 1923. Aus unbestimmten Schriften [93]

Die Seele eines guten Menschen ist eine uneinnehmbare Festung.

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Wir wollen nicht das Fleisch als Ursache der großen Übel bezichtigen und die Unzuträglichkeiten nicht auf die Verhältnisse schieben, sondern wir wollen die Ursache davon lieber in der Seele suchen, alles törichte Streben und Hoffen auf Augenblicksgüter abschütteln und ganz nur uns selbst gehören.

Nestle, Die Nachsokratiker, 2 Bde., 1923. Aus unbestimmten Schriften [98]

Eine kleine Seele wird durch Glück übermütig, durch Unglück niedergeschlagen.

Nestle, Die Nachsokratiker, 2 Bde., 1923. Aus unbestimmten Schriften [109]

Wir schätzen unseren Charakter als etwas, das uns zu eigen ist, mag es gut sein und von den Menschen bewundert werden oder nicht; so müssen wir auch den Charakter unserer Nächsten schätzen, wenn sie anständig sind.

Epikur, Vatikanische Spruchsammlung (Gnomologium Vaticanum Epicureum). [15]