Epikur von Samos
Der Weise ist glücklich, selbst wenn er gefoltert wird und dabei stöhnt und klagt.
Wer einmal weise geworden ist, kann nicht in die entgegengesetzte Seelenstimmung verfallen und kann sie sich auch nicht willkürlich einbilden.
Es ist sinnlos, von den Göttern zu fordern, was man selber zu leisten vermag.
Man kann mit Zeus an Glückseligkeit wetteifern, wenn man Gerstenbrot und Wasser hat.
Mach dir deine eigenen Götter und unterlasse es, dich mit einer schnöden Religion zu beflecken.
Jedermann geht aus dem Leben, wie wenn er eben erst geboren wäre.
Selten tritt dem Weisen das Schicksal in den Weg.
Man muß sich im Unglück trösten durch die Freude an dem Verlorenen und durch die Erkenntnis, daß sich Geschehenes nicht ungeschehen machen läßt.
Für Leute, die denken können, bildet der dauernd gesunde Zustand des Leibes und die zuverlässige Hoffnung betreffs seiner die höchste und sicherste Freude.
Du entsprichst in deinem Alter meiner Lehre und hast unterscheiden gelernt, was es bedeutet, für sich selbst und für Hellas zu philosophieren. Ich wünsche dir Glück dazu.
Nicht der Jüngling ist glücklich zu preisen, sondern der Greis, der gut gelebt hat. Denn wer noch in frischer Jugendkraft steht, wird vielfach vom Geschick bald in der, bald in jener Richtung umhergetrieben; der Greis dagegen ist im Alter wie in einem Hafen gelandet und hat einen Reichtum, auf den er früher kaum zu hoffen wagte, hinter sicherem Damm geborgen.
Die Übel will die Gottheit entweder nicht beseitigen oder sie kann es nicht; oder sie kann es, aber will es nicht; oder sie will es weder, noch kann sie es; oder sie will und kann es. Wenn sie es kann und nicht will, so ist sie mißgünstig: eine Eigenschaft, die ihr billigerweise fremd sein sollte. Wenn sie es weder will noch kann, so ist sie mißgünstig und schwach, also auch keine Gottheit. Wenn sie es aber will und kann, was allein der Gottheit würdig ist, woher kommen dann die Übel, oder warum werden sie nicht von ihr beseitigt?
Wenn die Gottheit den Gebeten der Menschen folgen würde, so würden alle Menschen allzu schnell umkommen: soviel Schlimmes erbitten sie fortwährend füreinander.
Wie man unter Meeresstille das versteht, daß nicht einmal der schwächste Luftzug die Flut bewegt, so erscheint der Zustand der Seele ruhig und still, wenn keinerlei Störung mehr da ist, durch die er in Erregung geraten könnte.
Wir wollen nicht das Fleisch als Ursache der großen Übel bezichtigen und die Unzuträglichkeiten nicht auf die Verhältnisse schieben, sondern wir wollen die Ursache davon lieber in der Seele suchen, alles törichte Streben und Hoffen auf Augenblicksgüter abschütteln und ganz nur uns selbst gehören.
Eine kleine Seele wird durch Glück übermütig, durch Unglück niedergeschlagen.
Wir schätzen unseren Charakter als etwas, das uns zu eigen ist, mag es gut sein und von den Menschen bewundert werden oder nicht; so müssen wir auch den Charakter unserer Nächsten schätzen, wenn sie anständig sind.