Erik Axel Karlfeldt (1864–1931)

4 Sprüche Realismus

Dann zog er hinab ins Tal eine Vollmondnacht, eine Goldmondnacht. Die stumme Nachtigall in seinem Herzen erwacht. Er sagt zu der armen Gefangenen: Flieg hinaus in den grünen Hain! Ich bin voll von dem Neuen, dem Vergangenen, ich bin jung von berauschender Pein. Der Frühling aus fernen Weiten stand wie neu erweckt am Hang, und er sang wie in Nachtigallenzeiten seines Herzens Überschwang.

Internet

Wohl mir, nach all dem Spielen, Schweifen: du bist der Ernst, und du bist mein; um unsere Liebe auszureifen, braucht's keiner Sonne warmen Schein! Hörst du die Winde heulen, pfeifen? Hochzeitlich dringt's zu uns herein! Wir lachen, wenn die Balken knarren, denn unser Glück hat feste Sparren.

Internet

Serenade Wenn Birkenblätter wie goldner Schaum wirbeln auf welkenden Matten, spinn unter Dach deinen friedlichen Traum in Mitternachts Wolkenschatten. Wenn der Wind an deinem Fenster erscheint, ein schneebleicher Freiersmann, träume, daß er es gut mit dir meint und dir nichts anhaben kann. Träume vom spielenden Sonnenstaub, dem heiteren, sommerwarmen, und daß du, umhegt von grünem Laub, geschlafen in meinen Armen.

Internet

Ich bin eines Singenden Stimme in dunklen, tiefen Schächten, dort hört kein Ohr, ist alles echolos, bin ein irrendes Licht überm See in gespenstigen Nächten, ein Trugschein, der im Dunkel lischt: in einem feuchten Schoß. Ich bin ein treibendes Blatt in des Herbstes leeren Reichen, ich wirble hin, der Sturm läßt mich nicht ruhn. Ob ich hafte am Berg, ob versinke in grundlosen Teichen, das weiß ich nicht, mich kümmert's nicht – kann nichts dagegen tun.

Internet