Ernst Eckstein (1845–1900)

8 Sprüche Romantik

Das Märchen vom Glück Sie sind allein, denn die Mutter kehrt Zu Nacht erst vom Felde zurück… Durchs Fenster rauschet die Linde, Und die Alte erzählet dem Kinde Das sonnige Märchen vom Glück. Sie erzählt vom verwunschenen Königssohn Und der boshaft grollenden Fee, Vom Schloß am Felsenstrande Vom wilden Wogengebrande Und der Fischerhütte am See. Und der Prinz vertrauerte Jahr um Jahr Als Schlange im dumpfigen Grund… Er wand sich in glühenden Ketten; Ein Kuß nur konnte ihn retten, Ein Kuß von rosigem Mund. Des Fischers liebliches Töchterlein Trug hohen, herrlichen Sinn; Sie sprengte die Ketten von Golde; Er aber machte die Holde Zu seiner Königin! Großmutter schweigt, und das Spinnrad schnurrt, Und das Mägdlein sitzt wie gebannt; Und es faltet die Hände im Schoße Und heftet das Auge, das große, Starr träumend an die Wand. Großmutter, wie schön, o wie einzig schön! Großmutter, o wäre das wahr! Großmutter, mir würde nicht bange, - Wie gerne umarmt ich die Schlange Trotz Schauer und Todesgefahr! Warum nur hat man das alles erdacht, Wenn's nie sich auf Erden begab… ? Mir wird in der Seele so wehe, Wie in des Kirchhofs Nähe, Wie vor des Vaters Grab! Sei stark, du zitterndes Kinderherz, Und dränge die Thränen zurück! Uns alle hat es belogen, Uns alle hat es betrogen, Das sonnige Märchen vom Glück!

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Der Engel des Glücks pocht nur einmal an unsere Pforte; wehe dem Verblendeten, der nicht öffnet!

Eckstein, Margherita, 1874

Länder und Geschlechter verjüngen sich – aber der Frühling des menschlichen Glückes blüht nur einmal…. Der Rest ist Asche!

Eckstein, Ein Winternachtstraum, 1872

Wo noch Liebe ist, da kann alles wieder gut werden.

Eckstein, Der Leuchtturm von Livorno, 1871

Jähe, sinnliche Glut kann durch einen einzigen Blick entzündet werden, aber die Liebe bedarf der Zeit, wie die Flamme der Nahrung.

Eckstein, Am Grabmal des Cestius, 1874

Der Glanz ist öde, der Ruhm ist kalt, Ohne der Liebe Allgewalt.

Eckstein, Murillo. Ein Lied vom Guadalquivir, 1880. Neunter Gesang

Hoffe wenig und wirke viel – das ist der kürzeste Weg zum Ziel.

Tonger (Hg.), Lebensfreude. Wollen u. Wirken. Unser Leben. Sprüche und Gedichte, gesammelt von P. J. Tonger (Ausgabe der ersten drei Einzelbändchen in einem Bande), Köln, um 1917. Lebensfreude

Ist dir nie im lauten Gewühl des Tages ein Klang, ein Wort oder irgend ein anderer oft nur flüchtiger Eindruck vor die Seele getreten, den du trotz der Mannigfaltigkeit der dich umgebenden Verhältnisse, trotz des drängenden Ernstes deiner Geschäfte, trotz deines Glücks oder deines Kummers nicht wieder vergessen konntest? – Nicht das Große, sondern das Kleine beherrscht unsere Stimmungen, und solche unscheinbare Momente lassen uns oft auf Tage lang nicht aus ihren Banden.

Eckstein, Am Grabmal des Cestius, 1874