Das Glück, das glatt und schlüpfrig rollt, tauscht in Sekunden seine Pfade, ist heute mir, dir morgen hold und treibt die Narren rund im Rade. Laß fliehn, was sich nicht halten läßt, den leichten Schmetterling laß schweben, und halte dich nur selber fest; Du hältst das Schicksal und das Leben.
Wer großes Glück kann tragen, Der hat ein starkes Herz Und mag es mutig wagen Mit jedem Spiel und Scherz; D'rum wird auf steilsten Höhen Des Ruhmes Kranz gereicht; Denn Unglück zu bestehen Macht Gott im Himmel leicht.
Nichts süßer ist als Liebespein, Nichts lustiger als Liebesklagen, Nichts fröhlicher als Liebesnot, Nichts seliger als Liebestod.
O Liebe, sprudelnder Bronnen; der wallet von Tiefe zur Höh'! Wie hast du glühender Wonnen; wie hast du frierendes Weh!
Kind, Jugend, Schönheit, Lust entschwindet, Nur Liebe blüht ein ew'ger Mai.
Wer nie im Zorn erglühte, Kennt auch die Liebe nicht. Die Lieb' ist süße Blüthe, Die bitterm Zorn entbricht. Wie Rosen blühn aus Dornen Und wunderlieblich stehn, So steht auf scharfen Zornen Auch Liebe wunderschön.
Es ist kein köstlicheres Ding als die Liebe. Denn sie war Gottes Gesellin von Anfang, und noch täglich wirkt ihre heilige Kraft Wunder und Glauben.
Liebesnähe Lieb' sei ferne, Ist doch immer da, Gleich dem Licht der Sterne Ewig fern und nah. Schließt Gedanken Wohl ein Kerker ein? Glück und Stunden wanken, Das Gefühl ist mein. Leuchte, Sonne! Wandle, frommer Mond! Meines Busens Wonne Hoch mit Göttern thront. Frühling, scheine! Winter, stürme kalt! In der Brust dies eine Nimmer wird es alt. Holde Treue, Weiß und engelrein! Wie des Himmels Bläue Bleibt dein lichter Schein. Sei denn ferne Liebe, sei sie nah, Gleich dem Licht der Sterne Immer ist sie da.
Lebenslied. Steh und falle mit eignem Kopfe, Thu das Deine, und thu es frisch! Besser stolz an dem irdnen Topfe Als demüthig am goldnen Tisch: Höhe hat Tiefe, Weltmeer hat Riffe, Gold hat sorgliches Schlangengezisch. Bau dein Nest, weil der Frühling währet, Lustig bau’s in die Welt hinein. Hell der Himmel sich droben kläret, Drunten duften die Blümelein – Wagen gewinnet, Schwäche zerrinnet: Wage! dulde! die Welt ist dein. Steh nicht horchend was Narren sprechen; Jedem blüht aus der Brust sein Stern. Schicksal webt sich an stygischen Bächen, Feigen webt es sich schrecklich fern: Steige hinnieder! Fasse die Hyder! Starken folget das Starke gern. Wechselnd geht unter Leid und Freuden Nicht mitfühlend der schnelle Tag; Jeder suche zum Kranz bescheiden, Was von Blumen er finden mag; Jugend verblühet, Liebe verglühet: Lebe! halte! doch lauf nicht nach.
Trage frisch des Lebens Bürde, Arbeit heißt des Mannes Würde, Kurzer Bach fließt Erdenleid, Langer Strom die Ewigkeit.
Die Lippe ist der Wetzstein des Geistes, über die Lippe muß der Gedanke oft hin- und herlaufen, damit er Glanz, Farbe und Gestalt gewinne.
Geht nun hin und grabt mein Grab! Denn ich bin des Wanderns müde. Von der Erde scheid' ich ab; Denn mir ruft des Himmels Friede, Denn mir ruft die süße Ruh' Von den Engeln droben zu. Geht nun hin und grabt mein Grab! Meinen Lauf hab' ich vollendet, Lebe nun den Wanderstab Hin, wo alles Ird'sche endet, Lege selbst mich nun hinein In das Bette sonder Pein. Was soll ich hienieden noch In dem dunkeln Thale machen? Denn wie mächtig, stolz und hoch Wir auch stellen unsre Sachen, Muß es doch wie Sand vergehn, Wenn die Winde drüber wehn. Darum, Erde, fahre wohl, Laß mich nun in Frieden scheiden! Deine Hoffnung, ach, ist hohl, Deine Freuden selber Leiden, Deine Schönheit Unbestand, Eitel Wahn und Trug und Tand. Darum, letzte gute Nacht, Sonn' und Mond und liebe Sterne! Fahret wohl mit Eurer Pracht; Denn ich reis' in weite Ferne, Reise hin zu jenem Glanz, Drinnen ihr verschwindet ganz. Die ihr nun in Trauer geht, Fahret wohl, ihr lieben Freunde! Was von oben niederweht, Tröstet ja des Herrn Gemeinde. Weint nicht ob dem eiteln Schein! Ew'ges kann nur droben sein. Weinet nicht, daß ich nun will Von der Welt den Abschied nehmen, Daß ich aus dem Irrthum will Aus den Schatten, aus den Schemen, Aus dem Eiteln, aus dem Nichts Hin ins Land des ew'gen Lichts! Weinet nicht! mein süßes Heil, Meinen Heiland hab' ich funden, Und ich habe auch mein Theil In den heil'gen Todeswunden, Woraus einst sein theures Blut Floß der ganzen Welt zu gut. Weint nicht! mein Erlöser lebt; Hoch vom finstern Erdenstaube Hell empor die Hoffnung schwebt, Und der Himmelsheld, der Glaube; Und die ew'ge Liebe spricht: Kind des Vaters, zittre nicht!
Du schaust zum Goldpalast hinauf, Als könnt' ihn Unglück nicht erreichen; O wisse, gleich läuft Schicksals Lauf, Aus jedem Hause trug man Leichen, Aus jedem Auge ward geweint, Durch jeden Busen bebten Schrecken! Freu' dich der Sonne, die dir scheint, Laß dunkle Zukunft Gott dir decken!
Erziehen soll nicht ein Ziehen und Zerren sein, sondern ein Leiten an unsichtbarer Hand.
Mit ungehemmten Flügeln dringen Wir jung wie Adler in die Luft; Doch jeder Tag kürzt uns die Schwingen, Und endlich sinken wir gelähmt zur Gruft.
Frühling im Alter Singen die Vöglein im grünen Wald, Klingen die Bächlein bergunter, Lockt es den Alten mit Lustgewalt, Klopfet das Herz ihm so munter: Denket der Wonnen verschiedener Lenze, Denket der Kränze und denket der Tänze, Fallen auch Tränen herunter. Singet und klinget! Das Heute ist mein. Heut' will ich singen und klingen Lustig mit spielenden Kindern feldein, Fröhlich mit fröhlichen Dingen, Will mir bekränzen die Locken, die greisen: Bald muß ich hinnen und wandern und reisen, Wo mir die Vögel nicht singen.
Auf! Wirf dein schlechtes Grämen, Dein eitles Sorgen weg! Verscheuche alle Schemen, Die irren deinen Weg! Du sollst im Lichte schreiten, Und der dich frei gemacht, Das große Licht der Zeiten, Schloß ewig deine Nacht.