Der ist beglückt, wem ewig unveraltet Erinn'rung stets zur Hoffnung sich gestaltet.
Siehst du das Kind dort auf der Wiese spielen? Es lächelt froh dem blauen Himmel zu; Was Freud' ihm gibt, das scheint es nur zu fühlen, Kein inn'rer Schmerz verkümmert seine Ruh. Und Blumen pflückt's mit kindlichem Verlangen, Nur wenn ein Dorn die zarte Hand gefangen, Schleicht das Gefühl der Unlust in sein Herz; Ein Veilchen winkt, sein Kummer ist vergangen. Die Lust wohnt in uns, außer uns der Schmerz.
Eine Rose wollte ich pflücken, Einsam aufgeblüht am Bach', Dir das schöne Haar zu schmücken, Als ihr Dorn mich blutig stach. O, gliche dies Bild meinen Tagen! Gern wollt' ich den blutigsten Stich Der neidenden Dornen ertragen, Sind nur alle Rosen für dich.
Mag der Herbst das welke Laub zerstreu'n Mag der Sturm die Blüthen dir entführen, Was du liebst, das bleibt auf ewig dein, Nimmer kann das Herz sich selbst verlieren.
Wer Lieb' entbehrt, dem ward nur Schlaf gegeben; Wer Liebe sucht, der kennt die Liebe nicht.
Nimm mir Alles, falsches Glück, Gieb mir Täuschung, Freud' und Schmerzen; Eines bleibt mir doch zurück: Hohe Lieb' in treuem Herzen. Deinem Zorn erbeb' ich nicht, Klage nicht um Ruhm und Freude; Muthig ist, wie Morgenlicht, Lieb' im Leide. Was sie schenkte, was sie nahm, Alles ist mir lieb und theuer, Und ihr tiefster, längster Gram Macht mich kühner nur und treuer. Gern erduld' ich ihre Noth, Lächle, wenn ich mich betrübe; Freundlich ist, wie Abendroth, Leid in Liebe.
Die Liebe sei dem Wahn der Erde Feind, Frei von Begier, von des Genusses Schmerzen, Ein süßer Traum, worin dem zarten Herzen Sein eignes Bild in fremder Form erscheint.
O wähne nicht, es sey ein eitler Trug, Daß man sich hier nur im Erinnern übe, Und daß für dich, für Alle, die ich liebe, Mein Herz schon einst in schönern Welten schlug. Du weißt es selbst, als du sie einst gefunden, Die jetzt dein Herz in süßen Banden hält, Die jetzt für dich rings um die ganze Welt Mit Liebessinn den zarten Flor gewunden, Der größern Reiz dem Reize noch gesellt, Und hinter dem, was sonst, vom Licht erhellt, Bedeutungslos dem Geist vorbeigeschwunden, Durch die Magie der Dämmerung gefällt, Du weißt es selbst, wie dir's im Busen tagte, Wie, eh dein Herz so bang und sehnsuchtsvoll Der Reizenden sich zu entdecken wagte, Dir jeder Zug in ihrem Antlitz sagte: Sie ist's die einst dich selig machen soll!
Wie auch die Töne sich verweben, Nur ein Akkord regiert das Leben; Gesetz und Kraft, Gefühl und Gott.
Kein Schicksal gibt's; es gibt nur Mut und Willen; sei stark durch dich, so ist die Palme dein.
Es wohnt ein Gott hoch über unserm Kreise, Ein Gott der Huld, ein starker Gott der Macht. Er ist allein der Ordnende, der Weise, Er wohnt im Licht und weiß, was er vollbracht. Mag wunderbar das dunkle Schicksal walten, Er wird es hell und freundlich einst entfalten, Denn er ist Gott, und unten wohnt die Macht.