Ernst von Feuchtersleben (1806–1849)

34 Sprüche Romantik

Was ist Glück? Übereinstimmung eines Charakters mit seinem Schicksale. So kann es von Natur gegeben, vom Geiste geschaffen werden.

Feuchtersleben, Blätter aus dem Tagebuche des Einsamen (in: Beiträge zur Literatur, Kunst-, und Lebenstheorie), 1841

Das ist das Wahrzeichen, wodurch der gemeine und höhere Mensch sich unterscheiden – daß Jener sein Glück nur dann findet, wenn er auf sich selbst vergißt, Dieser, wenn er zu sich selbst wiederkehrt; Jener, wenn er sich verliert, Dieser, wenn er sich besitzt.

Feuchtersleben, Zur Diätetik der Seele, 40. Auflage 1874 (EA: 1838)

Du schmachtest nach der Freundin Blick als nach des Lebens schönstem Glück? Glaub mir: so schaut dich niemand an, wie jener, dem du wohlgetan.

Feuchtersleben, Gedichte, 1836

Rinne, Strom des Lebens, Rinne nur so zu! Rannst doch nicht vergebens, Flücht'ge Welle, du! Liebe war am Quelle, Liebe war im Hain - Liebe wird, o Welle! wo du landest, sein.

Feuchtersleben, Gedichte, 1836

Liebe war am Quelle, Liebe war im Hain – Liebe wird, o Welle! Wo du landest, sein.

Feuchtersleben, Gedichte, 1836

Wie lang suchst du dein Ziel? Erstreb's! Das Leben liegt vor dir: Erleb's!

Feuchtersleben, Gedichte, 1836

Genieße deine Kraft; Man lebt nur, wenn man schafft.

Feuchtersleben, Gedichte, 1836

Man lerne einsehen, daß das Leben zwar eine Gabe, vor allem aber ein Auftrag ist.

Feuchtersleben, Zur Diätetik der Seele, 40. Auflage 1874 (EA: 1838)

Ein Album ist der Menschen inn'res Leben, Das aufbewahrt in Gottes Händen bleibt, Ein leeres Blatt wird Jeglichem gegeben, Und Jeder ist nur, was er darauf schreibt.

Feuchtersleben, Gedichte aus dem Nachlass (in: Sämmtliche Werke in sieben Bänden, 2. Band), 1851

Das Leben ist kein Traum. Es wird nur zum Traume durch die Schuld des Menschen, dessen Seele dem Rufe des Erwachens nicht folgt.

Feuchtersleben, Zur Diätetik der Seele, 40. Auflage 1874 (EA: 1838)

Das ganze Geheimnis sein Leben zu verlängern, besteht darin: es nicht zu verkürzen.

Feuchtersleben, Zur Diätetik der Seele, 40. Auflage 1874 (EA: 1838)

Eine Kunst, das Leben zu verlängern? Lehrt den, der es kennengelernt hat, lieber die Kunst, es zu ertragen!

Feuchtersleben, Zur Diätetik der Seele, 40. Auflage 1874 (EA: 1838)

Der Morgen weht mit zarten Lüften, Und spielt mit Gras und Blatt und Blüt', Und haucht aus tausend süßen Düften Erinnerung in mein Gemüt. Wie bald verweht des Lebens Morgen! Kein Frühling macht uns wieder jung. Was bleibt uns zwischen Pein und Sorgen Als du – als du, Erinnerung? Momente kommen gut und herzlich, Und man vergißt das schlimme Jahr, Ach, man gedenkt entzückend-schmerzlich Der Stunden, die man glücklich war. Das Leben ist ein Kranz von Blüten, Tief zwischen Dornen eingewebt, Nur die erringen, die sich mühten, Nur wer geweint hat, hat gelebt.

Feuchtersleben, Gedichte, 1836. Melancholie. 1. Morgens

Nicht, wie man des Lebens Tage Kümmerlich verläng're, frage! Frage, wie man sie ertrage?

Feuchtersleben, Gedichte, 1836

Wer sich nicht oft gern täuscht, der hat die rechte Weisheit noch nicht.

Feuchtersleben, Blätter aus dem Tagebuche des Einsamen (in: Beiträge zur Literatur, Kunst-, und Lebenstheorie), 1841

Keiner geht zum Himmel ein, Der nicht war auf Erden; Weise will ein jeder sein, Niemand will es werden.

Feuchtersleben, Gedichte, 1836

Im ganzen entsteht alles Irren aus der Zerspaltung unseres Wesens, unserer Vermögen. In keinem Momente soll der Mensch ganz Wille, ganz Intelligenz usw., immer soll er ganz Mensch sein. Hier liegt die Differenz aller Philosopheme. Die echte Weisheit ist ein allseitiger Zustand.

Feuchtersleben, Aphorismen (in: Beiträge zur Literatur, Kunst- und Lebens-Theorie), 1837

Echte Lebensweisheit ist der Bewegung hold, nicht dem Stillstande.

Feuchtersleben, Zur Diätetik der Seele, 40. Auflage 1874 (EA: 1838)

Berufstätigkeit ist die Mutter eines reinen Gewissens; ein reines Gewissen aber die Mutter der Ruhe, – und nur in der Ruhe wächst die zarte Pflanze des irdischen Wohlseins.

Feuchtersleben, Zur Diätetik der Seele, 40. Auflage 1874 (EA: 1838). Tagebuchblätter

Entschiedene, eingreifende Aktivität ist dem Manne von Natur zugewiesen; passives Weben und Leben dem Weibe. Beide Gesetze dürfen nicht ungestraft überschritten werden.

Feuchtersleben, Zur Diätetik der Seele, 40. Auflage 1874 (EA: 1838)

Unsere Zeit, rasch und weitaussehend, verschmäht die Übergänge; die Übergangspunkte aber sind die Lebenspunkte.

Feuchtersleben, Blätter aus dem Tagebuche des Einsamen (in: Beiträge zur Literatur, Kunst-, und Lebenstheorie), 1841