Des Mannes Seele beugt sich schauernd vor dem Heiligtum der hingebenden weiblichen Liebe.
Ströme des Mitleids, mit denen man ein Herz begießt, in welchem die Liebe gestorben ist, sind nicht mehr im Stande auch nur ein Blättchen der Wunderblume hervorzutreiben, die sich freiwillig erschließen muß, um Himmel und Erde mit ihrem Dufte zu erfüllen.
Wahre Freude, wahres Leid Nein, es sind nicht Berg und Thäler, Die uns Fried' und Freude geben, Freude geben nur die Menschen, Die mit uns auf Erden leben. Nein, es sind nicht Frost und Hitze, Die uns Noth und Schmerzen geben, Schmerzen geben nur die Menschen, Die mit uns auf Erden leben. Und es giebt auch solche Menschen, Die uns freuen und betrüben; Das sind die allerschlimmsten, Die wir lieben, die wir lieben.
Naturbeschreibung Manches Antlitz ist ja sauber, Manches Kind so übel nicht, Doch es fehlt der süße Zauber, Der sogleich zum Herzen spricht. Auf mein Mädchen paßt das nicht! Ihr Gesichtchen das ist sauber, Ihr Gesichtchen hat den Zauber, Welcher Leib und Seel' umflicht. Manches Kind mit rothem Munde Spricht gar klüglich hübsch und fein; Kommt nur nicht vom Herzensgrunde, Dringt auch nicht zum Herzen ein. Auf mein Mädchen paßt das nicht! Jeder Laut der süßen Kehle Ist ein Stückchen ihrer Seele, Mich ergreift, was sie nur spricht. Manches Mädchen mag man leiden, Manchem Kinde ist man gut, Aber muß man morgen scheiden, Wird nicht trüber drum der Muth. Auf mein Mädchen paßt das nicht! Sollt' es einmal mir geschehen, Daß ich von ihr müßte gehen, Sicher mir das Herz zerbricht.
Reiche Beschäftigung Abends, wenn ich zur Ruhe geh', Denk' ich an meine Grete, Morgens, wenn ich früh aufsteh' Mach' ich's, wie Abends späte. Zwischendurch so am Vormittag, Denk' ich, was sie wohl treiben mag. Mittags- aber und Vesperzeit Sind dem Gedanken an sie geweiht. Sagt mir nun um des Himmels willen, Wo bleibt mir Zeit, meine Akten zu füllen? "Ei so setze die Nacht daran, Nachts man trefflich schaffen kann." Ja wie sollt' ich die Nacht versäumen? Muß doch von meiner Grete träumen.
Ewige Liebe Was soll ich andres sagen, Dir, mein geliebtes Kind, Als immer nur das eine: Ich bin dir treu gesinnt. Dein Name steht geschrieben Mir tief ins tiefste Herz. Mit goldnen Flammenzügen, Die fester stehn als Erz. Wir wollen uns gehören Von nun in Ewigkeit, Dich freue, was mich freuet, Dein Leiden sei mein Leid. Der Leib wird welken, sterben, Die Seele nicht verdorrt, Lieb' ist der Seele Blume Und blüht im Himmel fort.
An sie Wenn dieser Strauß, den ich gebunden, Sich schüchtern vor dein Auge wagt, Vielleicht daß er von einst'gen Stunden, Von seligen, dir Kunde sagt. Daß er von dem, der ferngegangen, Erinnerung dir wiedergibt, Der einst in deinem Bann gefangen Ach viel geträumt und viel geliebt. Und durftest du es nicht erwidern, Das Flehen meiner tiefen Lust, Die Seele öffne meinen Liedern, So ruht mein Herz in deiner Brust.
Menschenseele, Menschenliebe, Spielgenossen, selig Paar, werdet je des alten Spiels ihr müde werden? Nimmerdar! Ob Jahrtausend nach Jahrtausend durch die Welten wandeln mag, immer wo die Liebe aufsteht, ist der erste Schöpfungstag!
Verzweiflung Wenn ich sonst im alten Buch gelesen, Daß die Liebe Menschen hingerafft, Sprach ich wohl, ein Märchen ist's gewesen, Liebe hat ja nicht zum Tödten Kraft. Anders, anders lehrte sie's mich kennen; Qualen fand ich, ihre Freuden nicht. Hör' ich heut der Liebe Freuden nennen, Denk' ich, ach, daß man in Märchen spricht.
Liederschmuck Mein Herz ist von der Liebe Zur Liebsten so erfüllt, Daß sie in tausend Tropfen Darüber strömt und quillt. Und jeder dieser Tropfen Glänzt wie ein Edelstein, Und all' die tausend Tropfen Die fange ich mir ein. Und füge sie zusammen Zu einem dichten Kranz, Um meiner Liebsten Stirne Wind' ich den lichten Glanz. Daß rings die Erde lachet, Wenn sie vorübergeht, Und alles steht und staunet; "Seht die Holdselige, seht! Das ist gewiß 'ne Fürstin, Von Ländern reich und hehr?" Nein, eines Dichters Liebste – Und das ist noch viel mehr!
Liebe, das ist der große Strom der Wonne, An dem die Blumen unseres Lebens blühn.
Bitteres Gedenken Rosen ging ich aus zu pflücken, Morgens, da der Tag erwacht, Und im Pflücken und im Bücken, Immer hab' ich Dein gedacht. Dein gedacht' ich, mein vergaß ich, Nicht vor Dornen auf der Hut, Und ein Dorn, ein böser, stach mich In den Finger bis aufs Blut. Immer denk ich jener Stunde Und ich weine, wenn ich's thu', Daß mir solche bittre Wunde Dein Gedenken fügte zu.
Erfahrung heißt reich werden durch Verlieren.
Alt sein heißt ja nicht schwach sein; es heißt nur doppelt wach sein für das, was wahr und echt. Du lebenslang ein Wäger des Echten und sein Heger, just dir steht Altsein recht!