Ernst Wilhelm Lotz
Wir fanden Glanz Wir fanden Glanz, fanden ein Meer, Werkstatt und uns. Zur Nacht, eine Sichel sang vor unserm Fenster. Auf unsern Stimmen fuhren wir hinauf, Wir reisten Hand in Hand. An deinen Haaren, helles Fest im Morgen, Irr flogen Küsse hoch Und stachen reifen Wahnsinn in mein Blut. Dann dursteten wir oft an wunden Brunnen, Die Türme wehten stählern in dem Land. Und unsre Schenkel, Hüften, Raubtierlenden. Stürmten durch Zonen, grünend vor Gerüchen.
Bist du es denn? Groß aus dem Weltraum nachts, der Spiegel ist, Tönt dein zerwehtes Bildnis in meine Seele. Die Sterne durchziehen harfend deine Brust. Du aber ... Du glänzt vielleicht versehnt im weißen Federbett Traum liegt dir hart im Schoß. - Oder ein junger Liebling Zieht fühlsam mit zeichnendem Finger Die festen Runden deiner Brüste nach. Ihr seid sehr heiß Und schöne Raubtierflecken zieren eure Rücken.
Meiner Frau In deinem Zimmer fand ich meine Stätte. In deinem Zimmer weiß ich, wer ich bin. Ich liege tagelang in deinem Bette Und schmiege meinen Körper an dich hin. Ich fühle Tage wechseln und Kalender Am Laken, das uns frisch bereitet liegt. Ich staune manchmal still am Bettgeländer, Wie himmlisch lachend man die Zeit besiegt. Bisweilen steigt aus fernen Straßen unten Ein Ton zu unserm Federwolkenraum, Den schlingen wir verschlafen in die bunten Gobelins, gewirkt aus Küssen, Liebe, Traum.
Aufbruch der Jugend Die flammenden Gärten des Sommers, Winde, tief und voll Samen, Wolken, dunkel gebogen, und Häuser, zerschnitten vom Licht. Müdigkeiten, die aus verwüsteten Nächten über uns kamen, Köstlich gepflegte, verwelkten wie Blumen, die man sich bricht. Also zu neuen Tagen erstarkt wir spannen die Arme, Unbegreiflichen Lachens erschüttert, wie Kraft, die sich staut, Wie Truppenkolonnen, unruhig nach Ruf der Alarme, Wenn hoch und erwartet der Tag überm Osten blaut. Grell wehen die Fahnen, wir haben uns heftig entschlossen, Ein Stoß ging durch uns, Not schrie, wir rollen geschwellt, Wie Sturmflut haben wir uns in die Straßen der Städte ergossen Und spülen vorüber die Trümmer zerborstener Welt. Wir fegen die Macht und stürzen die Throne der Alten, Vermoderte Kronen bieten wir lachend zu Kauf. Wir haben die Türen zu wimmernden Kasematten zerspalten Und stoßen die Tore verruchter Gefängnisse auf. Nun kommen die Scharen Verbannter, sie strammen die Rücken, Wir pflanzen Waffen in ihre Hand, die sich fürchterlich krampft, Von roten Tribünen lodert erzürntes Entzücken, Und türmt Barrikaden, von glühenden Rufen umdampft. Beglänzt von Morgen, wir sind die verheißnen Erhellten, Von jungen Messiaskronen das Haupthaar umzackt, Aus unsern Stirnen springen leuchtende, neue Welten, Erfüllung und Künftiges, Tage, sturmüberflaggt!