Das Glück (An meine liebe Frau Therese) Das Glück, das immer vor mir schwand, Das ich verfolgte sonder Ruh', – Erreicht nun hab ich's ganz erkannt: Das Glück – bist du. –
An Frau D. Du hast gewogentlich erlaubt, Daß an dein kluges, holdes Haupt Ich Huld'gungsgrüße richte – Geziemlich – im Gedichte. Jedoch, was kann ich neu dir sagen? Du weißt es lange – sonder Fragen – Daß du bist anmutvoll und gütig Und ein klein wenig übermütig: Das andre schildre dir dein Mann, Der all das besser wissen kann.
Die Motte und die Kerze Fliege nur in dein Verderben, Das so schön, so lockend loht: Selig ist's, in Flammen sterben Aus des Herzens Machtgebot.
Was heißt lieben? "Sag' an, was nennst du lieben?" – Von Sehnsucht umgetrieben, Versunken ganz im andern, Durch Stadt und Felder wandern, – In langen, wachen Nächten Mit Gott und Menschen rechten, – Vom Kissen, dem vielheißen, Die nassen Augen reißen, – In tobendem Verlangen Die leere Luft umfangen, – Die Augen manchmal schließen, Der Bilder zu genießen, Die durch die Seele fließen, – In langen grauen Tagen Stumm, stolz die Pein ertragen – Und dennoch nie verzagen Und dennoch nie entsagen, Glück, Ehre, Leben wagen Und lieber doch verbrennen, Als diese Qual nicht kennen, Die Mark und Kraft zerrieben – Das, – etwa, – nenn' ich lieben!
Wie mag ein Herz, das liebet, doch überselig sein! Das tote Selbst zerstiebet, im andern lebt's allein. 's ist wie ein tiefer Bronnen, darin du untergehst, und in dem Reich der Wonnen beseligt auferstehst.
Die Zeichen der Liebe Was sind der Liebe Zeichen? Erröten und erbleichen, Erjauchzen und erbangen, Kömmt sie von fern gegangen: Bei ihres Namens Klange Ein Glutstrahl in die Wange, Still mit geschloss'nen Augen An ihren Zügen saugen, Das Licht, den Lenz, das Leben, Kurz, was da köstlich eben Ihr alles wollen geben, Nichts achten ihresgleichen Und niemals von ihr weichen, – Das sind der Liebe Zeichen.
Meine Sünde Soll ich ergründen Meine Sünden, Ich fand sie kleine Bis auf eine: Ich hab' ein Weib viel, viel mehr gern als den Himmel und Gott den Herrn.
Weheschrei Ich kann nicht mehr! Kann nicht mehr ringen Mit mir, mit Schicksal, Gott und Welt. Dies totgequälte Herz will springen: Zu stark die Sturmflut, die es schwellt. O hätt' ich einen Freund! nur einen! Er sollte mir ja helfen nicht: Möcht' nur an einem Herzen weinen Noch einmal, eh' das meine bricht.
Wenn eines Menschen Seele du gewonnen Und in sein Herz hast tief hineingeschaut Und ihn befunden einen klaren Bronnen, In dessen reiner Flut der Himmel blaut: Laß deine Zuversicht durch nichts dir rauben, Und trage lieber der Enttäuschung Schmerz, Als daß du grundlos ihm entziehst den Glauben – Kein größer Glück als ein vertrauend Herz! Laß adlermutig deine Liebe schweifen Bis dicht an die Unmöglichkeit heran: Kannst du des Freundes Thun nicht mehr begreifen, So fängt der Freundschaft frommer Glaube an.
Nichts ist untragbar, was notwendig ist. Auch der Winter ist tragbar. Und das Alter. Und der Tod. Sie kommen ohne zu fragen, wollt ihr's tragen? Sie kommen. Und wir tragen's.
Wo ist Gott? Im Meeresrauschen! Wo ist Gott? Im Eichenwald! Kehr in dich und lerne lauschen, Seinen Atem hörst du bald! Wo ist Gott? Im Duft der Linde Und im Lied der Nachtigall! Und im Hauch der Frühlingswinde, Überall im Weltenall!
Von der Wahrheit Wahrheit zog pilgernd durch das Land, Und weil sie auf Erden nicht Herberg fand, Hat sie die Schwingen aufgespannt Und flüchtete sich in der Dichtung Land.