Stumme Liebe Selig, willenlos dahingegeben, Ruht der schlanke Leib in meinen Armen, Und die feuchten, vollen Lippen suchen Leise die meinen. Aber keine Liebesworte schauern Aus bedrängtem Busen weich ans Ohr mir; Nur die dunklen, angstvoll großen Augen Leuchten vor Liebe. Schweigend pressen sich die heißen Hände, Sprechen sich die Geister und die Herzen, Und geheimnisvoll beschleicht die Seele Ahnung des Glückes.
Widmung (An A.L.) Wenn grauenhaft Dir meine Verse scheinen Und ungelenk und wüst, o so verzeih'! Du weißt es ja, es ist mit mir vorbei, Und hast Du Lust, so kannst Du mich beweinen. Dir lagen offen meiner Seele Schlünde, Du hast mein reines Wollen ganz gesehn, Du sahst auch dann mein Ich zu nichts vergehn, Zuerst im Elend, dann im Rausch der Sünde. Nimm diese Verse denn als Liebeszeichen, Als letztes wehmutsvolles Grüßen an, Von einem seelensiechen, armen Mann, Der Alles oder gar nichts wollt' erreichen.
Liebe Du hast deinen brünstigen Leib mir geschenkt, Mit rasender Wollust das Hirn mir durchtränkt – Ich aber ich dürste nach Liebe. Der Wollust berauschender Opiumwein, Er lullt ja die brennende Sehnsucht nur ein, Die brennende Sehnsucht nach Liebe. Im Wahnwitzgejauchz' dionysicher Gier Aufzittert noch immer, noch immer in mir – Die schreiende Sehnsucht nach Liebe.
Mir ist es gleich Ich weiß, daß deine Liebe Verkäuflich ist; Ich weiß, daß dir der Reichste Der Liebste ist; Ich weiß, daß diese schäumenden Ekstasen Erheuchelt sind, Daß sie nur künstlich deinen Leib durchrasen, Mein bleiches Kind; Ich weiß, daß dieses traumverlorne Flüstern, Daß dieser liebesirre, heiße Blick Ein wohlgeübtes und ein oft erprobtes Komödienstück; Und dennoch fühl' ich mich an deinem Busen Beglückt und reich; Ob Wahrheit oder Lüge diese Liebe, Mir ist es gleich!
Reinigung Und als Du leise mich geküßt Und Dich mir angeschmiegt, War mir's, als ob ich weinen müßt' – Mein Lieb, Du hast gesiegt. Der brandigen Gedanken Heer Vertrieb Dein junger Mut, Mein ganzes Herz begierdeleer In Deinen Händen ruht. O hab' mich lieb und bleib' bei mir Und mach' mich ganz gesund, Zeitlebens will ich's danken Dir Aus tiefstem Herzengrund.
Du weißt es nicht Du weißt es nicht, wie wohl es tut, Wenn Deine feste, kühle Hand, Die mir so manche Qual gebannt, In meiner ruht. Dann ist's, als ob versiegen wollt' Der Glutstrom, der mein Herz durchrollt, Dann naht so selig kühl, Starkflutend, ein Gefühl, Als könnt' auch ich auf Erden Noch einmal friedlich werden, Als könnt' ich überwinden Und jene Stätte finden, Auf der mir sternenweit Die Lust und auch das Leid.
Vergeblich! Ich habe gewartet von Tag zu Tag, Ob nicht ein Zeichen mir werden mag; Ich habe gewartet, gläubig und fromm, Und habe gebetet: O komm, o komm! Doch ein Tag zog nach dem andern vorbei, – Vergeblich erklang meiner Sehnsucht Schrei… Das alte Leben von Neuem beginnt, Der Strom meiner Liebe – im Schmutze verrinnt.
B.R. Und wenn ich lang' auch ferne blieb, Ich hab' Dich heut' wie vordem lieb: Wir haben ja beide das Leben beweint, In Tagen der bittersten Qual uns vereint. Was aber der Schmerz zusammengeschweißt, Im Leben nimmer und nimmer zerreißt. Und wenn ich lang' auch ferne blieb, Ich hab' Dich heut' wie vordem lieb Und hab' in mancher stillen Nacht – An Dich gedacht.
Entgöttert O daß ich doch von dir geschieden wäre, Als ich am Gipfel meines Glückes stand; Nur süße Schmerzen hätt' ich dann gekannt, Nicht diese grenzenlose, wüste Leere. Denn all mein Lieben ist zu nichts zerronnen, Und all mein Glück zerfiel in eklen Staub; Daß Du, auch Du, mein Lieb, der Sünde Raub, – O daß ich die Erkenntnis nie gewonnen. Der Dich so süß verklärt, der Heil'genschimmer, Verblichen ist er, und ein Phosphorlicht Mit bläulichgrünen Strahlen Dich umflicht, – Ich aber glaub' an reine Liebe nimmer.
Confiteor Sieh', Du mußt es mir vergeben, Wenn ich manchmal schroff und hart: Toll und traurig war mein Leben, Eine wüste Pilgerfahrt. Schwer hab ich nach Haus' gefunden, Bitter mußt' ich irre geh'n, Und ich kenne Stunden … Stunden, Wo Gespenster auferstehen.
Und meine Seele Und meine Seele Trat vor mich hin In kotbesudeltem Purpurgewande Und sah mich an, Todestraurig, Mit schwimmenden Augen ... Und klagend klangen die Worte: Siegt die Gemeinheit? Siegt die Not des Daseins? Muss ich sterben? Und ich nickte, Langsam, Wortlos-ergeben, Dreimal.