Francesco Petrarca (1304–1374)

21 Sprüche Mittelalter

Das wissen alle Menschen, und du vor allem solltest es wissen, den es eine lange Erfahrung gelehrt hat, daß das höchste Glück ein Zustand voller Mühen und Sorgen, ja das Elend selber ist.

Internet

Soll ich das stolze, grausame, blinde Glück nicht hassen, das mit uns Menschen nach Willkür spielt?

Internet

Die Unvergleichliche Welch Ideal aus Engelsphantasie Hat der Natur als Muster vorgeschwebet, Als sie die Hüll' um einen Geist gewebet, Den sie herab vom dritten Himmel lieh? O Götterwerk! Mit welcher Harmonie Hier Geist in Leib und Leib in Geist verschwebet! An allem, was hienieden Schönes lebet, Vernahm mein Sinn so reinen Einklang nie. Der, welchem noch der Adel ihrer Mienen, Der Himmel nie in ihrem Aug' erschienen, Entweiht vielleicht mein hohes Lied durch Scherz. Der kannte nie der Liebe Lust und Schmerz, Der nie erfuhr, wie süß ihr Athem fächelt, Wie wundersüß die Lippe spricht und lächelt.

Internet

Gepriesen sei der Tag, der Mond, das Jahr, die Jahr- und Tageszeit, der Augenblick, das schöne Land, der Ort, da mein Geschick sich unterwarf ein schönes Augenpaar. Gepriesen sei die erste süße Qual der Strahlen ihres Blicks, die mich bezwangen, die Pfeile Amors, die mein Herz durchdrangen, die Herzenswunden tief und ohne Zahl. Gepriesen sei’n die Stimmen, die im Leeren verhallten, nach ihr rufend, dort und hier, das Seufzen, Weinen, Bitten und Begehren, gepriesen seien Feder und Papier, die ihren Ruhm verkünden und die schweren Gedanken, die ihr nah sind, einzig ihr.

Internet

Sagen zu können, wie man liebt, heißt wenig lieben.

Internet

Das Leben eilt dahin, und auch nicht eine kurze Zeit lässt es sich halten.

Internet

Wenn ich betrachte meines Lebens Dauer, der Jahre Flucht und wie ich mich verlor, das Feuer sank, in dem ich glühend fror, die Ruhe schwand der regungslosen Trauer, wie Liebeswahn und Hoffen mir erstorben, wie in zwei Teile uns der Tod geteilt - auf Erden dieser, der im Himmel weilt -, wie ich verlor, was ich so schwer erworben, dann schreck ich hoch und berge mein Gesicht und neide noch dem Ärmsten seine Not, so bin von Angst und Schmerz ich übermannt. Mein Stern, mein Los, o ihr, Geschick und Tod, o unerbittliches und süßes Licht, in welche Tiefe habt ihr mich verbannt!

Internet

Was ist denn … flüchtiger als das Leben, was ist uns schärfer auf den Fersen als der Tod?

Petrarca, F., Briefe. An Socrates in Avignon

Meine Freunde teile ich ein in solche, die ich bewundere, solche, die ich verehre, solche, die ich liebe, und solche, mit denen ich Mitleid habe.

Internet

Starre nicht auf den Ablauf der Zeit. Fülle sie mit Arbeit, und du wirst dich nicht über den Verlust an Lebenszeit beklagen.

Internet

Alles aber läßt sich in harter und beharrlicher Arbeit überwinden.

Internet

Es gibt ja nichts so Unwilliges wie das Alter.

Petrarca, F., Briefe. An Guido Scetten in Genua

Aber das ist ja das traurige Schicksal alternder Leute, daß sie so oft den Tod treuer Freunde zu beweinen haben.

Internet

Und wenn schon in keinem Lebensalter irgend etwas von langer Dauer ist, so ist im Alter alles auf das kürzeste befristet.

Petrarca, F., Briefe. An Socrates in Avignon

Man mag es gelernt haben, seine Gemütsbewegungen zu zähmen und zu verbergen, es fühlt sie doch, und kein Lebensalter ist so tief ermüdet und so gründlich von des Lebens Mühsalen aufgerieben wie eben das der Greise.

Internet

Aber kein Übel gibt es, das langes Leben nicht mit sich brächte.

Petrarca, F., Briefe. An Stefano Colonna den Alten in Rom

Auf dem Gipfel ist das Ziel und das Ende unseres Lebens, auf ihn ist unsere Wallfahrt gerichtet.

Internet

Denn voll erkannt kann Gott in dieser Welt nie werden, geliebt aber kann er werden, fromm und glühend. Und diese Liebe ist immer glücklich, die Erkenntnis aber kann bisweilen schrecklich und bitter sein – wie die der Teufel, die Gott in der Hölle erkennen und vor ihm zittern.

Internet

Du leidest an einer unheilvollen Seelenkrankheit. Die Modernen nennen sie Schwermut, die Alten hießen sie geistige Trägheit.

Petrarca, Gespräche über die Weltverachtung (Secretum meum oder De secreto conflictu curarum mearum), entstanden 1347-53 (fiktive Dialoge zwischen einem Franciscus und Augustinus)

Der Krieg schafft schon Gefährten, Schrecken erregt nur das alltägliche Gerede.

Petrarca, F., Briefe. An Kaiser Karl IV. in Prag

Wie ein Baum hart wird und dann die Unbilden des Himmels und die Unwetter in den Lüften erträgt, genau so erträgt der Mensch, sobald er härter geworden, Beschwerden der Welt und Stürme des Geschicks, die er nicht ertragen hätte, solange er noch zarter war.

Petrarca, F., Briefe. An Guido Scetten in Genua