Es ist des Unglücks eigentlichstes Unglück, Daß selten d'rin der Mensch sich rein bewahrt.
Was ist der Erde Glück? – Ein Schatten! Was ist der Erde Ruhm? – Ein Traum! Du Armer! Der von Schatten du geträumt! Der Traum ist aus, allein die Nacht noch nicht.
Kannst du Glück nicht fassen und erringen, so lern' entbehren es.
Die wahre Glückseligkeit Das ist wohl nicht das größte Gut, Ein neues Kleid, ein neuer Hut, Der hohe Rang, die goldne Dose! Der Hirt ist glücklicher auf Moose, Als du bei vollbesetztem Tisch, Bei Torten und dergleichen Wisch. Er kann bei seinem leichten Essen Den Kummer und den Gram vergessen, Und wie der Städter nicht sein Kind, Liebt er in Einfalt dort sein Rind. Dies Glück macht froh die, die es haben, Ihm raubens Motten nicht, nicht Schaben.
Du abscheuliches Ding! Ich glaube gar, ich bin in Dich verliebt! Seit gestern, da ich nämlich Deinen kritzligen Brief erhielt, hab ich ihn schon dreimal gelesen.
Das eben ist der Liebe Zaubermacht, Daß sie veredelt, was ihr Hauch berührt, Der Sonne ähnlich, deren goldner Strahl Gewitterwolken selbst in Gold verwandelt.
Licht und Schatten Schwarz ihre Brauen, Weiß ihre Brust, Klein mein Vertrauen, Groß doch die Lust. Schwatzhaft mit Blicken, Schweigend die Zung', Alt das Mißglücken, Wunsch immer jung; Arm was ich brachte, Reich meine Lieb', Warm was ich dachte, Kalt was ich schrieb.
Besser stünd' es dem, zu schweigen, der nicht weiß, wie Liebe spricht; kann der Blick nicht überzeugen, überred' die Lippe nicht.
Sehnsucht nach Liebe Alles liebet, alles scherzet In der fröhlichen Natur; Alles küsset, alles herzet Auf den Höhn, in Wald und Flur! Läßt der holde Lenz sich nieder, Sanft umschwärmt vom lauen West, Senkt der Vogel sein Gefieder, Bauet liebend sich ein Nest. Und der Löwe flieht das Morden, Das sonst höchste Lust ihm schafft; Er verläßt der Brüder Horden, Huldigt Amors Zauberkraft. Und dir soll ich mich entziehen, Die uns menschlich fühlen lehrt? Liebe! ach, dich soll ich fliehen, Die der Tiger selbst verehrt? Ich allein nur soll dich meiden, Holde Spenderin der Lust? Ich soll wilde Tiere neiden Um das Fühlen ihrer Brust? Nein! dem schönsten aller Triebe Sei mein fühlend Herz geweiht! Schenke mir Themirens Liebe, Amor, Gott der Zärtlichkeit!
Nach Frauenglut mißt Männerliebe nicht, wer Liebe kennt und Leben, Mann und Frau.
Der Mensch ist gut, ich weiß es; denn sie lebet. Ihr Herz ist Bürge mir für eine Welt!
Erinnerung Hab' ich mich nicht losgerissen, Nicht mein Herz von ihr gewandt, Weil ich sie verachten müssen, Weil ich wertlos sie erkannt? Warum steht mit holdem Bangen Sie denn immer noch vor mir? Woher dieses Glutverlangen, Das mich jetzt noch zieht zu ihr? Tausend alte Bilder kommen, Ach! und jedes, jedes spricht: Ist der Pfeil auch weggenommen, Ist es doch die Wunde nicht.
Ständchen Zögernd leise In des Dunkels nächt'ger Stille Sind wir hier; Und den Finger sanft gekrümmt, Leise, leise, Pochen wir An des Liebchens Kammertür. Doch nun steigend, Schwellend, schwellend, hebend Mit vereinter Stimme, Laut Rufen aus wir hochvertraut; Schlaf du nicht, Wenn der Neigung Stimme spricht! Sucht' ein Weiser nah und ferne Menschen einst mit der Laterne; Wieviel seltner dann als Gold Menschen, uns geneigt und hold? Drum, wenn Freundschaft, Liebe spricht Freundin, Liebchen, schlaf du nicht! Aber was in allen Reichen Wär' dem Schlummer zu vergleichen? Drum statt Worten und statt Gaben Sollst du nun auch Ruhe haben. Noch ein Grüßchen, noch ein Wort, Es verstummt die frohe Weise, Leise, leise, Schleichen wir uns, ja, schleichen wir uns wieder fort.
Sieh, man hat mir wohl erzählet, Daß es leichte Menschen gebe, Deren Liebe nicht bloß brennt, Auch verbrennt, und dann erlischt: Menschen, die die Liebe lieben, Aber nicht den Gegenstand.
Ein Held ist, wer das Leben Großem opfert. Wer's für ein Nichts vergeudet ist ein Tor.