Franz Werfel (1890–1945)

5 Sprüche Moderne

Wir aber, die wir das Leben verteidigen wollen, wir müssen uns sammeln, wir müssen eine Masse bilden, eine aufrührerische Irredenta der Weltfreundschaft gegen die Weltverödung.

Werfel, Zwischen Oben und Unten. Essays, 1946 (posthum). Realismus und Innerlichkeit

Die Gesichtszüge der Zeit verraten eine düster kaltschnäuzige Anbetung alles Unangenehmen.

Werfel, Zwischen Oben und Unten. Essays, 1946 (posthum). Von der reinsten Glückseligkeit

Da der Mensch selbst nur ein Kurzschluß ist zwischen Oben und Unten, so bringt ers zu nichts besserem als zum Funken, der alle Sicherungen durchbrennt, das heißt zum Gedanken.

Werfel, Zwischen Oben und Unten. Essays, 1946 (posthum). Originaltext

Ehespruch Jeder Mensch ist eine Melodie. Lieben heißt: sie innehaben. Ich bin für dich, du bist für mich ein Lied. Geschlossenen Auges sing ich dich, In meiner Seele mich an dir zu laben. Doch wehe, wenn wir uns vergessen, Fehlt Ton um Ton des Lieds, umsonst gesucht, Dann ist die Liebe ohne Zucht, Ein Zwang, der ichbesessen Zwei Einsamkeiten ineinanderflucht.

Werfel, F., Gedichte. In: Das lyrische Werk, S. Fischer 1967

Das Maß der Dinge Allesist, wenn du liebst! Dein Freund wird Sokrates, wenn du's ihm gibst. Herz, Herz, wie bist du schöpferisch! Du schwebst! Die Erde wird himmlisch. Einst kamst du, ein Kind, zu grünem Waldweiher. Sahst schaudernd den geheimnisvollen Algen-Schleier. Du streicheltest der Weidenkatzen tierisch-süßen Samt – Wie tiefsinns-selig bebte deine Knabenhand! In deinem Aufschwung, Mensch, wird alles groß! In deinem Abschwung alles hoffnungslos! Und nur die Seele, die sich liebend selbst vergaß, Ist aller Dinge Maß und Übermaß.

Werfel, F., Gedichte. In: Das lyrische Werk, S. Fischer 1967