Friederike Kempner (1828–1904)

6 Sprüche Romantik

Der Lenz ist gekommen Und mit ihm das Glück, Doch wer es nicht glaubet, Dem weicht es zurück. O, weiche nicht, bleibe O, weich' nicht zurück, Was einer auch treibe, Er brauchet das Glück.

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Gibt's ein Glück? Gab's ein Glück? Ich bezweifl' es sehr! Gibt es ohne Sturm und Angst Irgendwo ein Meer?

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O mag ein Engel Dir die Schrift diktieren O mag ein Engel Dir die Schrift diktieren, Daß jedes Wort mir Wonne sei und Lust, Ein Engel Deine Feder führen, Ein Zauber drinnen leben unbewußt! Damit, wenn ich das Siegel löse, Das Glück sich ungetrübt daraus ergießt, Und keine Wolke, keine böse, Mein Geist von Deinem Geiste liest.

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Alles Träumen Tauget nichts, Wert ist's kaum Des Stückchen Lichts Alles schwindet Um uns her, Groß ist nur der Vergangenheit Meer. – Tief gelegen Hinter mir, Ist der Traum, Der goldne mir. Alles Träumen Tauget nichts, Wert ist's kaum Des Stückchen Lichts.

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Das Vöglein Vöglein, Vöglein mit den Schwingen, Mit den Äuglein schwarz und klein, Laß uns mit einander singen, Laß uns liebe Freunde sein! Vöglein hüpfte auf den Bäumen, Endlich es mit Sang begann: Du kannst nur von Freiheit träumen, Dich seh' ich als Fremdling an! Mensch, auch Du hast Deine Schwingen, Äuglein klar und hell und rein, Könntest Freiheit dir erringen, Dann erst laß uns Freunde sein!

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Gegen die Vivisektion Ein unbekanntes Band der Seelen kettet Den Menschen an das arme Tier, Das Tier hat seinen Willen – ergo Seele – Wenn auch 'ne kleinere als wir. Ein Mensch, mißbrauchend die Gewalt und Stärke, Ein lebend Herz zerreißend – wie? Wer gleicht denn hier dem wilden Tiere, Ist es der Mensch, ist es das Vieh?

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