Friedrich Jacobs (1764–1847)

8 Sprüche Klassik

Das Tun der Menschen hienieden ist dem Tun der Arbeiter an einem großen Baue gleich, welche früh und spät mit regen Händen das Werk fördern, dessen ganzen Umfang nur der eine kennt, der den Riß entwarf und der dann jedem sein einzelnes Geschäft zuteilte, dem einen ein größeres, ein kleineres dem andern.

Jacobs, Rosaliens Nachlaß, 1812

Hoffnung ist das tägliche Brot des Unglücklichen.

Jacobs (Hg.), Aehrenlese aus dem Tagebuche des Pfarrers von Mainau, 2 Bde., 1823-25

Für ein Herz, das sich der Dankbarkeit nicht entschlagen kann, ist es das größte Mißgeschick, Menschen verpflichtet zu sein, die es verachten muß.

Jacobs (Hg.), Auswahl aus den Papieren eines Unbekannten, 3 Bde., 1818-22

Der Ehestand ist die Grundlage der Sitten, er nährt und erhält sie, erweckt und erleichtert die Tugend. Unzählige Opfer der Selbstsucht, an die der Hagestolze kaum denkt, und die er sich nicht zumutet, werden von dem Hausvater mit Freudigkeit dargebracht, um Frau und Kinder willen.

Preuß (Hg.), Alemannia oder Sammlung der schönsten und erhabensten Stellen aus den Werken der vorzüglichsten Schriftsteller Deutschlands zur Bildung und Erhaltung edler Gefühle. Ein Handbuch auf alle Tage des Jahres für Gebildete, 3 Bde., 1821-27

Das Alter will die Menschen vom Leben entwöhnen, wie die Amme das Kind von der Brust, durch allmähliges Entziehen.

Jacobs (Hg.), Aehrenlese aus dem Tagebuche des Pfarrers von Mainau, 2 Bde., 1823-25

Nichts ist ehrwürdiger als ein Greis, der die Prüfungen der Eitelkeit, der Wollust, des Hochmutes, der Rangsucht, des Geldgeizes rüstig überstanden, und seine Argo durch all diese Klippen ohne Leck geführt hat. Die Anzahl solcher Greise ist sehr gering. Die meisten Menschen, die nicht an ein Ruder angeschmiedet, sondern freie Herrn ihres Fahrzeuges sind, bleiben gleich beim Ausfahren an einem jener Riffe hängen.

Jacobs (Hg.), Auswahl aus den Papieren eines Unbekannten, 3 Bde., 1818-22

Es ist nicht schimpflich, bisweilen, wie Achill, unter Weibern zu sitzen und sich des Lebens zu freuen. Aber sich auch dann noch unter ihnen zu verbergen, wenn die Tuba zu Taten ruft, das ist schimpflich.

Jacobs (Hg.), Aehrenlese aus dem Tagebuche des Pfarrers von Mainau, 2 Bde., 1823-25

Es gibt ebensowenige Menschen, die den Mut haben, groß im Guten, als groß im Bösen zu sein. Ein wenig Ruchlosigkeit mit ein wenig Religion; etwas Ehrbarkeit und etwas Liederlichkeit; ebensoviel Bosheit als Gutmütigkeit; das ist ohngefähr das Rezept, nach welchem die meisten menschlichen Charaktere gemischt sind.

Jacobs (Hg.), Aehrenlese aus dem Tagebuche des Pfarrers von Mainau, 2 Bde., 1823-25