Friedrich Pesendorfer (1867–1935)

11 Sprüche Realismus

Ein wenig Liebe Ein wenig Sonnenschein und Tau Braucht jedes Blümlein auf der Au. Das kleine Herz ein wenig Liebe, Denn sonst verwelkt's im Weltgetriebe.

Pesendorfer, Mein Spruchbüchlein, 1913

Es sät die Liebe, die echte, Im stillen des Guten Saat, Denn wissen soll nicht die Rechte, Was Edles die Linke tat.

Pesendorfer, Mein Spruchbüchlein, 1913

Lebensverlängerung Ärger und Sorgen Dem Nächsten spare, Kannst ihm das Leben Verlängern auf Jahre.

Pesendorfer, Mein Spruchbüchlein, 1913

Ein Schatz. Unendlich reich ist der Ärmste auch, Ein Schatz liegt ihm in Händen, O möchte er durch guten Gebrauch Den Schatz, die Zeit, verwenden!

Pesendorfer, Mein Spruchbüchlein, 1913

Hoffnung Die Blutkoralle glüht Im dunklen Meeresschoße, Am kalten Fels noch blüht Die schöne Alpenrose, Manch Blümlein, rot und weiß, Im wilden Heidengrunde; So sproßt ein Hoffnungsreis Aus jeder Herzenswunde.

Pesendorfer, Mein Spruchbüchlein, 1913

Der letzte Kampf Gar manchen Kampf das Leben bringt, Und unermüdlich heißt es streiten, Wenn nur der letzte Kampf gelingt, Dann bleibst du Sieger aller Zeiten.

Pesendorfer, Mein Spruchbüchlein, 1913

Treibhauspflanzen Nur selten gedeihen im großen und ganzen Verzärtelte Kinder und Treibhauspflanzen.

Pesendorfer, Mein Spruchbüchlein, 1913

Was Ehen trennt. Durch Frauenklatschsucht, Männerzorn- und -flüche Ging Eheglück schon oftmals in die Brüche.

Pesendorfer, Mein Spruchbüchlein, 1913

Eine glückliche Ehe Das ist die lieblichste Musik, Die schönsten Harmonien, Wenn Mann und Weib in Leid und Glück Sich treu durchs Leben ziehen.

Pesendorfer, Mein Spruchbüchlein, 1913

Leib und Seele Des herrlichsten Leibes Schimmer Verblaßt wie im Herbste das Laub, Doch Seelenadel fällt nimmer Dem Leid und dem Alter zum Raub.

Pesendorfer, Mein Spruchbüchlein, 1913

Und wärest du… Und wärest wie Krösus du reich an Besitz Und ein Shakespeare an Geist und Witz, Ein Schlachtengenie wie Napoleon, Ein großer Erfinder wie Edison, Und wärest du einer der sieben Weisen, Ja, würde dich die Welt umkreisen: Fehlt dir Charakter – ohne Zweifel Bist und bleibst du der ärmste Teufel.

Pesendorfer, Mein Spruchbüchlein, 1913