Humor Man spricht von Humor jetzt oft und viel Und denkt dabei nur an ein leeres Spiel. Mancher kursiert als Humorist, der nichts weiter als Spaßmacher ist, Nichts ahnt von dem inneren Widerspruch, von dem Zickzack, dem tiefen Bruch, Der durch das ganze Weltall dringt, Daß man immer fürchtet: es zerspringt, Während die also geborstne Welt Doch immer noch steht und zusammenhält... Hat aber einer die Geistesmacht, Die scharf durchschaut und doch heiter lacht, Bleibt er fest und verzweifelt nie, Hat er mehr als Witz, hat er Phantasie, Versteht er über sich selbst zu schweben, Sich selber dem Lachen preiszugeben: Dem sei es gegönnt von ganzem Herzen, Auf einmal einfach närrisch zu scherzen. Ohne versteckte Gedankentiefen Seine Freude zu haben am Naiven.
Der Humor ist voll Unschuld, aber er ist nicht die einfache Unschuld eines Kindes, sondern eine solche, die, durch innere Wehen, durch Zerrissenheit, Kampf, Schuldbewußtsein hindurchgegangen, sich wieder mit ihrem Gott versöhnt hat.
Der Humorist treibt immer Metaphysik. Wo der Naive ein Übel als einzelnes verschmerzt, der Witzige den Ärger los wird durch einen Witz, da denkt der Humorist weiter und sieht das allgemeine Elend und Übel, daß in Wahrheit nichts rein ist.
Du möchtest der Zeit nach immer leben, mein lieber Piepmeyer? Aber wenn du auf immer neuen Planeten ewig ein neues Zeitleben lebst, so kommt es in jedem derselben immer nur darauf an, ob du vermagst, ins Zeitlose emporzusteigen. Von der endlosen Zeit, mein Lieber, hast du gar nichts.
Kein Ende O sprich, warum denn soll ich leben, Was soll der Finger, der mir droht? Nichts ist mein Denken, Wollen, Streben, Und was ich bin, ist eitel Tod. Die Wonne beut mir ihre Schalen Und keine Freude spürt mein Herz; Ich lieg' in tausend heißen Qualen Und fleh' um einen Tropfen Schmerz. Ein neues Schwert ist jede Stunde, Das mich im tiefsten Busen trifft, Es wird an dem verfluchten Munde Der Liebe Becher selbst zu Gift. Nichts ruhet aus. In tollem Schwanken Wahnsinnig dreht die Welt um mich. Kein Ende haben die Gedanken, Und das, und das ist fürchterlich.
Kein Ende Nichts ruhet aus. In tollem Schwanken Wahnsinnig dreht die Welt um mich. Kein Ende haben die Gedanken, Und das, und das ist fürchterlich!
Der Pietist ist Religiöser von métier, der Pietist ist der Professionist der Religion, Pietist ist, wer nach Religion riecht.
Zwischen der zur Kirche verhärteten Religion und zwischen dem Staate gibt es so wenig irgendein gesundes Verhältnis, als zwei Füße in einem Schuh stecken.
Die Reformation vertauschte eigentlich nur eine Autorität mit der anderen: die Tradition mit der Bibel.
Der Glaube, womit die Religion glaubt, nicht das, was dieser Glaube glaubt, ist die Bedeutung der Religion.
Bald Es währt noch eine kurze Weile, daß du durch diese Straße gehst hinauf, herab die lange Zeile, und manchmal grüßend stillestehst. Bald wird der ein' und andre sagen: Den Alten sehen wir nicht mehr, er ging an kalt' und warmen Tagen doch hier sein Stündchen hin und her. Es sei! Des Lebens volle Schalen hab ich geneigt an meinen Mund, und auch des Lebens ganze Qualen hab ich geschmeckt bis auf den Grund. Getan ist manches, was ich sollte, nicht spurlos laß' ich meine Bahn; doch manches, was ich sollt' und wollte, wie manches ist noch ungetan! Wohl sinkt sie immer noch zu frühe herab, die wohlbekannte Nacht, doch wer mit aller Sorg und Mühe hat je sein Tagewerk vollbracht! Schau um dich! Sieh die hellen Blicke, der Wangen jugendfrisches Blut, und sage dir: In jede Lücke ergießt sich junge Lebensglut. Es ist gesorgt, brauchst nicht zu sorgen; mach Platz, die Menschheit stirbt nicht aus. Sie feiert ewig neue Morgen, du steige fest ins dunkle Haus!
Ich gehe an keinem gewaltsamen Unglück zugrund, sondern stolpere über einen Strohhalm.
Es ist auch deswegen in Ordnung, daß der Mensch endlich stirbt, er soll sich schon deswegen gern darein fügen, weil sich mit der Zeit gar zu viel Sach um ihn ansammelt. Man erfährt das beim Umzug. Nicht nur Bücher, – Briefe, Blätter, Blättchen, Zeitungsnummern, Büchsen, Schachteln, Salben, Pulver, tausend Geräte. ... Mach, geh fort, nimm Abschied auf einmal von all dem Quark!
Man sollte schlechterdings niemand heiraten lassen, der oder die nicht ein Examen über Erziehung bestanden hat. Das Wissen macht nicht alles, aber etwas, ja viel. Es ist niemand berechtigt, Kinder zu erzeugen, der nichts von Erziehung weiß.
Wie griff die holde Clelia Aus blinder Liebe fehl! O, sie ist ganz Camelia und er ist ganz Kamel!
Alter Geschlagen Hat mich das Alter und ich verstehe, Was ich sonst nur obenhin verstand, Wie es gemeint ist, wenn man redet Von müden Greisen. Müde vor allem sind mir die Beine Und nach wenig Morgenbewegung Freu ich mich auf das Mittagsschläfchen. Nicht gelüstet mich's, mitzueilen, Wenn, von Trompetenschmettern gelockt, Nach des festlichen Aufzugs Schauspiel Neugierselig die Menge strömt, Wenn sie am Felsberg atmend aufklimmt, Wo auf dem Gipfel die Rundsicht winkt. Und der Geist, wie steht es um ihn? Müd ist geworden, müd auch er, Müde der Täuschung. Eine nur, eine noch ist geblieben. Nimmer so lang ich noch Atem hole, Nimmer, nimmer schwinde sie mir, Die hohe Täuschung, der wahrheitsvolle, Heilige Wahn, daß Götter leben!
Die Welt ist das Dasein Gottes nicht in ruhiger Weise, sondern so, daß Gott sein Dasein darin stets verbessert, stets aufs neue eine geringere Form desselben durch eine bessere beschämt. Gott ist eigentlich eben diese wunderbare und heilige Unruhe.
Wer keine große Seele hat, wird kein großes Kunstwerk erfassen.
Reiter-Weckruf »Ist's nicht genug geruht? Ist's nicht genug geruht? Auf! Auf! Auf, frisches Reiterblut! Denkt euch, der Feind sei da! Auf, auf! Ja! ja!« So thut es, so klingt es, So schmettert's, so singt es, So stößt es und fährt durch den Nebelduft Hinaus in die Morgenluft. Trompetenruf, Trompetenstoß! O, gieng' es los, o, gieng' es los! Auf den Feind hinein In gedrängten Reih'n! Marsch! Marsch! und eingehauen! Dürfte ich das noch schauen! Nicht schauen allein! Mitten unter den Braven sein, Mitthun, zu Rosse sitzen, Wenn die Thiere wiehern, die Klingen blitzen, Und erjagen helfen im Schlachtenbrand Ein Vaterland, ein Vaterland, Ein Deutschland, das wir nicht haben, Mit dem Säbel holen und graben, Wenn ein heiliger Krieg uns endlich eint Gegen den alten frechen Feind, Den Räuber, der seiner Beute Sich rühmet noch heute! Und dann, ja dann, Ganz Mann, Dann im flammenden Kampfgewühl, In des Lebens schwellendem Hochgefühl Todeswund Ausschütten die Seele auf blut'gen Grund, Sterben als braver Soldat In einer That, Ja, das wär' etwas, Das steht nicht so blaß! Sterben als braver Reiter, Das wär' gescheidter.