Erfasse das Glück des Lebens im Fluge: Es kommt nicht zurück.
Zwei Dinge sind schädlich für jeden, Der die Stufen des Glücks will ersteigen: Schweigen wenn Zeit ist zu reden, Und zu reden wenn Zeit ist zu schweigen.
Wer glücklich ist, der bringt das Glück Und nimmt es nicht im Leben! Es kommt von ihm und kehrt zurück Zu ihm, der es gegeben!
Zweierlei laß dir gesagt sein, Willst du stets in Weisheit wandeln Und von Torheit nie geplagt sein: Laß das Glück nie deine Herrin, Nie das Unglück deine Magd sein!
Wer glücklich ist, der ist auch gut, Das zeigt auf jedem Schritt sich; Denn wer auf Erden Böses tut, Trägt seine Strafe mit sich!
Weiß doch keiner, was ihm frommt Hier auf dunklem Pfade – Keiner zwingt das Glück, es kommt Unverhofft als Gnade.
Die Gunst der Zeit ist nicht zu bannen, Am schnellsten flieht das höchste Glück.
Wen Liebe nie zu weit getrieben, Den trieb sie auch nie weit genug!
Lieb' ohne Lust – o welche Pein! Lust ohne Liebe – wie gemein! Die beiden aber im Verein Gewähren uns das höchste Sein.
Die lieblich tun mit allen will, Die macht es keinem recht; Die Tausenden gefallen will, Gefällt nicht einem recht!
Welchen Wert, sprich, hat dein Leib, wenn ihn Des Geliebten Arme nicht umfangen?
Nur Liebe überblüht die Kluft, Die zwischen Sein und Nichtsein droht, Daß, wie gepflückter Blumen Duft, Doch etwas überlebt den Tod!
Ein Mann, der liebt, darf nicht zu blöde sein, Abschreckend stets ist zuviel Blödigkeit! Ein Weib, das liebt, darf nicht zu spröde sein, Abschreckend stets ist zuviel Sprödigkeit!
Mein Verstand ist sehr verständig, Nennt mein armes Herz betört; Doch dies Herz liebt so unbändig, Daß es gar nicht auf ihn hört.
Oh, wie mir schweren Dranges Das Herz im Leibe bebt, Wenn sie so leichten Ganges An mir vorüberschwebt! Herab vom Rücken weht Ein blendend weißer Schauer; Durch ihre Augen geht Ein wunderbares Feuer; Die schwarzen Locken wühlen Um ihres Nackens Fülle; Der Leib, der Busen fühlen Sich eng in ihrer Hülle. Allüberall Bewegung, Allüberall Entzücken, Daß sich in toller Regung Die Sinne mir berücken, Daß wunderbaren Dranges Das Herz im Leibe bebt, Wenn sie so leichten Ganges An mir vorüberschwebt! Narzissen blühn und Rosen Um himmelblauen Kleide, Darunter flammen Hosen Von feuerroter Seide – Die kleinen, zarten Füße, Die weichen, feinen Hände, Der Mundrubin, der süße, Der Zauber ohne Ende! Oh, wie mir schweren Dranges Das Herz im Leibe bebt, Wenn sie so leichten Ganges An mir vorüberschwebt!
Ein liebeleeres Menschenleben Ist wie ein Quell, versiegt im Sand, Weil er den Weg zum Meer nicht fand, Wohin die Quellen alle streben.
Der predigt von des Lebens Nichtigkeit, Und jener von des Lebens Wichtigkeit; Hör' beides wohl, mein Sohn, und merke dir: Halb hat's mit beiden seine Richtigkeit!
Die Kunst gedeiht nur in des Lebens Gunst, Und recht zu leben ist auch eine Kunst, So schwer wie alle Künste im Vereine Im Kampf des Schönen gegen das Gemeine.
Das Leben soll die Erde sein Darin die Weisheit Wurzel schlägt, Und pflanzt ihr hier den Kern nicht ein, Wächst euch kein Baum, der Früchte trägt!
Wir steuern durch dieses bunte Weltgewühl Geleitet vom Gedanken und Gefühl. Wohl dem, in dem sich beide so verbinden, Daß sie zum Ziel die rechten Bahnen finden!
Das Leben ist ein Darlehn, keine Gabe – Du weißt nicht, wieviel Schritt du gehst zum Grabe, Drum nütze klug die Zeit: auf jedem Schritt Nimm das Bewußtsein deiner Pflichten mit. Gewöhne dich – da stets der Tod dir dräut – Dankbar zu nehmen, was das Leben beut; Die Wünsche nicht nach Äußerm zu gestalten, Sondern den Kern im Innern zu entfalten; Nicht fremder Meinung untertan zu sein, Die Dinge nicht zu schätzen nach dem Schein; Nicht zu verlangen, daß sie sollen gehn, Wie wir es wünschen – sondern sie verstehn, Daß wir uns bei Erfüllung unsrer Pflichten (Da sie's nach uns nicht tun) nach ihnen richten.